Diplomarbeit, 2006
74 Seiten, Note: 1,3
A Einleitung
B Was ist Schmuggel?
B.1 Der Begriff
B.2 Kritischer Diskurs
B.2.1 Inhärente Probleme des Begriffs
B.2.2 Erweiterte Kritik
B.3 Schmuggel als informeller Handel
C Empirie: Informeller Handel & Veränderung
C.1 Einleitende Vorbemerkungen
C.2 Beispiele
C.2.1 Schmuggel in Mexiko (1981-1996)
C.2.2 Schmuggel in Südwest-Kamerun
C.2.2.1 Fallstudie: Benzinschmuggel (Mamfe)
C.2.2.2 Prostitution und Schmuggel
C.2.2.3 Erläuterungen
C.2.3 Alkoholschmuggel (Südafrika)
C.2.4 Schmuggel und Krieg (Balkan)
C.2.4.1 Hintergrund und Vorkriegsphase
C.2.4.2 Die Serbische Seite während des Krieges
C.2.4.3 Die bosnische Situation anhand der Belagerung Sarajevos
C.2.4.4 Nachkriegsphase
C.2.4.5 Anmerkungen und Bewertung
C.2.5 Drogenhandel in Rondônia (Brasilien)
C.2.6 Schmuggel und Jakobitertum
C.3 Beobachtbare Tendenzen
C.3.1 Grundmerkmale und Veränderung
C.3.2 Die Persistenz des informellen Handels
C.3.3 Weitere Auffälligkeiten
C.3.4 Entwicklungstendenzen
D Informeller Handel aus evolutorischer Sicht
D.1 Zur Theoriefähigkeit des informellen Handels
D.2 Was ist Evolutorik?
D.2.1 Charakter und Grundbegriffe der Evolutorik
D.2.2 Entstehung und Ausbreitung von Neuheit
D.2.3 Institutioneller Wandel (Skizze)
D.3 Evolutorische Elemente des informellen Handels
D.3.1 Vorbemerkung
D.3.2 Aspekte der Selektion
D.3.3 Gesellschaftliche und individuelle Institutionen
D.3.4 Evolutorische Aspekte der Persistenz
E Zusammenfassung
F Kritische Reflexion und Ausblick
Die Arbeit untersucht Schmuggel als ein ökonomisches Phänomen und plädiert für ein Verständnis als informellen Handel, um die Komplexität und die dynamischen Veränderungsprozesse dieses Bereichs besser erfassen zu können, wobei insbesondere die evolutorische Ökonomik als Erklärungsansatz herangezogen wird.
C.2.3 Alkoholschmuggel (Südafrika)
Ebenfalls auf Afrika bezieht sich ein Artikel von ERASMUS (1994), wobei er konkret auf die Verflechtungen und Entwicklungen des Alkoholschmuggels in Südafrika eingeht.90 Vom Hintergrund her ist es notwendig zu wissen, dass es der schwarzen Bevölkerung vor Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts nicht erlaubt war, ein legales Alkoholgeschäft zu betreiben. Seitens der schwarzen Bevölkerung fanden diese Tätigkeiten somit im informellen Bereich statt, wo der Handel mit Alkohol über sogenannte Shebeens abgewickelt wurde.91 An den nötigen Alkohol gelangten die Shebeen-Händler über Weiße, die den Alkohol legal beziehen durften. Der so erworbene Alkohol wurde dann in den Tankstellen der weißen Bezirke geparkt und am Abend abgeholt. Dies besaß verschiedene Vorteile. Einerseits errichtete die Polizei am Abend keine Straßensperren; die legalen Getränkeläden waren zu dieser Zeit ohnehin geschlossen. Und andererseits erschienen Autos, die Tankstellen anfuhren, nicht als sonderlich auffällig. Allerdings kam die Polizei bald dahinter: In der Folge errichtete sie auch in der Nacht Straßensperren und überwachte Tankstellen. Daraufhin änderte sich nun wiederum die Strategie der Schmuggler.
Fortan verteilten sie den Alkohol über verschiedene Fahrzeuge. Dabei wurde jedoch ein Fahrzeug als rosa Elefant hergerichtet – mit leeren Flaschen beladen, steuerte dieses gezielt die Tankstellen an. Die Schmuggler versuchten die so provozierten Polizeikontrollen in die Länge zu ziehen, während sich die anderen mit Alkohol beladenen Fahrzeuge bemühten, unbehelligt zu den Shebeens zu gelangen. Andere Strategien setzten beim Alkoholtransport auf Kinder, die – minderjährig und in Schuluniformen – von der Polizei unbelästigt blieben. In Form von Fußball spielenden Kindern wurden sie auch als Wachposten eingesetzt. Weil die Gefahr, von der Polizei aufgegriffen zu werden, trotzdem noch gegeben war und in diesem Fall der gefundene Alkohol beschlagnahmt wurde, hielten die Shebeen-Händler jeweils nur einen Tagesbedarf an Alkohol.
A Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, problematisiert den Schmuggelbegriff als unterkomplex und skizziert das Vorhaben, Schmuggel als Form des informellen Handels zu begreifen.
B Was ist Schmuggel?: Das Kapitel liefert eine kritische begriffliche Herleitung, diskutiert Mängel bisheriger Schmuggeldefinitionen und entwickelt die Grundlage für das Verständnis von Schmuggel als informellen Handel.
C Empirie: Informeller Handel & Veränderung: Auf Basis verschiedener Fallstudien analysiert dieses Kapitel empirisch die Erscheinungsformen, Grundmerkmale und Wandlungsprozesse des informellen Handels.
D Informeller Handel aus evolutorischer Sicht: Dieses Kapitel überträgt Konzepte der evolutorischen Ökonomik auf den informellen Handel, um dessen Entstehung, Persistenz und Wandel theoretisch zu erklären.
E Zusammenfassung: Die Zusammenfassung rekapituliert die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zur Neudefinition des informellen Handels und dessen evolutorische Fundierung.
F Kritische Reflexion und Ausblick: Das Schlusskapitel reflektiert den methodischen Ansatz, diskutiert die Grenzen der Arbeit und zeigt Anknüpfungspunkte für zukünftige Forschungen auf.
Schmuggel, Informeller Handel, Evolutorische Ökonomik, Institutioneller Wandel, Schwarze Märkte, Korruption, Ressourcenallokation, Transaktionskosten, Selektion, Pfadabhängigkeit, Netzwerkökonomie, Sozialkapital, Schattenökonomie, Transformation, Reziprozität.
Die Diplomarbeit untersucht Schmuggel nicht als isoliertes kriminelles Delikt, sondern als komplexes wirtschaftliches Phänomen, das tief in die informelle Wirtschaft eingebettet ist.
Im Zentrum stehen die begriffliche Präzisierung von Schmuggel als informeller Handel, die Analyse empirischer Fallbeispiele aus verschiedenen Regionen und die theoretische Fundierung durch die evolutorische Ökonomik.
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Wandlungsfähigkeit und Persistenz informeller Handelsstrukturen zu entwickeln, die sich durch herkömmliche ökonomische Modelle oft nur unzureichend erklären lassen.
Der Autor nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der theoretische Grundlagen der Institutionenökonomik und evolutorischen Ökonomik mit der empirischen Auswertung von Fallstudien und historischer Literatur kombiniert.
Nach einer kritischen Begriffsklärung werden empirische Fallbeispiele – unter anderem aus Mexiko, Kamerun, Bosnien-Serbien und dem historischen England – analysiert, um Grundmerkmale wie Waren, Nachfrage, Technik, Organisation und Geschäftsfelder zu extrahieren.
Wichtige Begriffe sind informeller Handel, Schmuggel, evolutorische Ökonomik, Selektion, Institutionen, Netzwerkökonomie und Sozialkapital.
Der Autor zeigt auf, dass Korruption oft eine notwendige Schnittstelle zwischen informellen Netzwerken und dem formellen Staatsapparat darstellt und somit eine zentrale Rolle bei der Etablierung und Aufrechterhaltung illegaler Geschäfte spielt.
Der Staatsschmuggel verdeutlicht, dass Schmuggelaktivitäten keineswegs immer gegen den Staat gerichtet sein müssen, sondern dass staatliche Akteure selbst aktiv als Koordinator oder Begünstigter in illegale Handelsnetzwerke eingebunden sein können.
Das Phänomen der Persistenz wird damit erklärt, dass solche Netzwerke eine hohe Anpassungsfähigkeit besitzen, indem sie ihre Geschäftsfelder diversifizieren, ihr Sozialkapital nutzen und sich als Überlebensstrategie in instabilen ökonomischen Umfeldern etablieren.
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