Magisterarbeit, 2006
137 Seiten, Note: sehr gut
1. Einleitung
1.1 Erkenntnisinteresse
1.2 Forschungsstand
1.2.1 Forschungsstand Österreich
1.2.2 Forschungsstand Japan
1.3 Methode und Interviewpartnersuche
2. Begriffsbestimmung und Kategorien von „alleinerziehend“
2.1 Definition
2.2 Kategorien
2.3 Die Situation lediger Mütter
2.3.1 dekichatta kon
2.3.2 Abtreibung (datai, ninshin chūsetsu) statt Verhütung (hinin)
2.3.3 Die Diskriminierung von unehelichen Kindern (kongaishi , shiseiji, tetenashigo)
2.4 Die Situation geschiedener Alleinerzieher
2.4.1 Scheidung in Japan
2.4.2 Scheidung in Österreich
2.4.3 Unterhaltspflicht (fuyōgimu) in Japan und Österreich
2.4.4 Geschiedene Alleinerzieher und das japanische Ideal von Männlichkeit (otokorashisa)
2.5 Die Situation verwitweter Alleinerzieher
3. Gesellschaftliche Vorstellungen zu Männer- und Frauenrollen
3.1 Fukenron (Diskussion um väterliche Rechte)
3.2 Die Rolle von Mutter und Vater in der japanischen Familie
4. Die Lebenssituation alleinerziehender Mütter und Väter
4.1 Die Wichtigkeit eines Arbeitplatzes
4.2 Alleinerziehende Mütter und die Arbeitssuche mit Kind
4.3 Alleinerziehende Väter und ihr Arbeitsplatz
4.4 Die finanzielle Situation
4.5 Wohnsituation
5. Selbstverständnis und die positiven Aspekte des Alleinerziehens
5.1 Einstellung zum Alleinerziehen
5.2 Positive Aspekte des Alleinerziehens
6. Psychische und emotionale Belastungen
6.1 Situationen, in denen ein Partner oder eine Elternfigur fehlt
6.2 Die Zwei-Eltern-Familie als Maßstab
6.3 Erwartungen von außen, mit denen sich Alleinerziehende konfrontiert sehen
6.3.1 Die Mutter, die jederzeit verfügbar ist
6.3.2 Der Vater, der die Mutter ersetzen muß
6.3.3 Das Idealbild der Hausfrauen-Mutter und des arbeitenden Vaters
6.4 Die Reaktion der Außenwelt auf Scheidung und Alleinerziehen
6.5 Alleinverantwortung
6.6 Vorurteile gegenüber alleinerziehenden Müttern und Vätern
6.7 Die Sorge ums Kind
6.8 Probleme von ledigen Müttern in Japan
7. Hilfestellungen und gesellschaftliche Faktoren, die Alleinerziehen erleichtern
7.1 Institutionelle Hilfe
7.1.1 Finanzielle Unterstützung vom Staat
7.1.2 Institutionelle Kinderbetreuung
7.1.3 Unterstützungsmassnahmen zum Wiedereinstieg in den Beruf
7.2 Private Unterstützung
7.3 Gesellschaftliche Faktoren, die Alleinerziehen erleichtern
8. Die Wirkung von tradierten Frauen- und Männerrollen auf Alleinerziehende
Die Arbeit untersucht, wie gesellschaftliche Konzepte von Geschlechtsrollen, Ehe und Familie die Lebenssituation und das Selbstverständnis von alleinerziehenden Müttern und Vätern in Japan und Österreich beeinflussen, wobei der Fokus auf dem Einfluss traditioneller Rollenerwartungen liegt.
2.3.1 dekichatta kon
Frau Suzuki beschreibt die Reaktion ihrer Kollegen darauf, dass sie Mutter wird, folgendermassen: „Als ich das erste Mal sagte, dass ich Mutter werde, reagierten sie mit „Ah.. du wirst also heiraten?“ und ich sagte nein.. „Wieso denn?“ [...] Alle waren überrascht, aber.. irgendwie vor Verlegenheit ratlos, also..ist es in Ordnung, wenn wir gratulieren..was tun wir jetzt..es war ein „aah“-Gefühl [Verlegenheitslaut] aber niemand.. also sie waren nett, sie machten sich nur Sorgen um mich.“
Laut einer Umfrage des Arbeitsministeriums im Jahre 2002, bei der 842 Männer und 995 Frauen zwischen fünfzehn und 50 befragt wurden, sind rund 60 bis 66 Prozent der Männer und rund 50 Prozent der Frauen der Meinung, dass es besser ist, zu heiraten, wenn man ledig ist und schwanger wird. Der Rest ist unentschlossen und nur ein geringer Teil der Befragten ist nicht dieser Meinung (Abb. 1.). Die Ehe als Institution ist also im Bewusstsein der japanischen Bevölkerung immer noch sehr wichtig, besonders wenn Kinder im Spiel sind. Man kann auf der anderen Seite in dem großen Teil der Unentschlossenen Anzeichen auf einen Wandel in der Konzeption von Ehe vermuten und annehmen, dass zumindest ein kleiner Teil der jüngeren Frauen (10,7 Prozent bei den 20 bis 24-Jährigen), die dem nicht zustimmen, ein Kind nicht notwendigerweise mit dem Gedanken an Ehe verknüpfen.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Erkenntnisinteresse, den Forschungsstand in Österreich und Japan sowie die gewählte methodische Vorgehensweise mittels problemzentrierter Interviews ein.
2. Begriffsbestimmung und Kategorien von „alleinerziehend“: Hier wird der Begriff alleinerziehend definiert und die verschiedenen Kategorien von Ein-Eltern-Familien sowie deren spezifische Situation (ledig, geschieden, verwitwet) beleuchtet.
3. Gesellschaftliche Vorstellungen zu Männer- und Frauenrollen: Das Kapitel analysiert gesellschaftliche Rollenbilder in beiden Ländern, insbesondere die Diskussion um väterliche Rechte und die normativen Vorstellungen von Mutterschaft und Vaterschaft.
4. Die Lebenssituation alleinerziehender Mütter und Väter: Diese Sektion untersucht die praktische Lebenslage, insbesondere die Wichtigkeit der Erwerbstätigkeit, die Herausforderungen bei der Arbeitssuche und die finanzielle sowie wohnliche Situation.
5. Selbstverständnis und die positiven Aspekte des Alleinerziehens: Der Fokus liegt hier auf der Einstellung der Betroffenen zur eigenen Lebensform, dem Einfluss gesellschaftlicher Ideale und dem Erleben positiver Aspekte trotz der Belastungen.
6. Psychische und emotionale Belastungen: Dieses Kapitel widmet sich den emotionalen Schwierigkeiten, den Rollennöten bei fehlender Partnerfigur, den Reaktionen der Außenwelt sowie der Sorge um die kindliche Entwicklung.
7. Hilfestellungen und gesellschaftliche Faktoren, die Alleinerziehen erleichtern: Es wird analysiert, welche staatlichen und privaten Unterstützungssysteme existieren und wie gesellschaftliche Entwicklungen die Situation von Alleinerziehenden beeinflussen.
8. Die Wirkung von tradierten Frauen- und Männerrollen auf Alleinerziehende: Das Fazit fasst zusammen, wie tiefgreifend traditionelle Geschlechterrollen das Leben von Alleinerziehenden beeinflussen und wo sich Ansätze für einen gesellschaftlichen Wandel zeigen.
Alleinerziehen, Familienpolitik, Geschlechterrollen, Ein-Eltern-Familie, Japan, Österreich, Mutterschaftsmythos, Vaterschaft, soziale Sicherung, Arbeitsmarkt, Diskriminierung, Scheidungsrecht, Vereinbarkeit, Lebenssituation, qualitative Forschung.
Die Arbeit analysiert die Lebenssituation und das Selbstverständnis von alleinerziehenden Müttern und Vätern in einem Ländervergleich zwischen Japan und Österreich, wobei der Einfluss gesellschaftlicher Rollenerwartungen zentral untersucht wird.
Die zentralen Themen umfassen Familienpolitik, Geschlechterrollen, die Arbeitsmarktintegration, finanzielle Absicherung sowie die sozialen und emotionalen Belastungen, die mit dem Alleinerziehen in unterschiedlichen soziokulturellen Kontexten einhergehen.
Das Ziel ist es zu prüfen, inwieweit gesellschaftlich-archetypische Konstruktionen von Mutter- und Vaterschaft das Selbstverständnis und die tatsächliche Lebensqualität von Alleinerziehenden in Japan und Österreich maßgeblich beeinflussen.
Die Arbeit nutzt problemzentrierte Leitfadeninterviews nach Witzel, um die subjektiven Erfahrungen von Alleinerziehenden zu erfassen und diese im Sinne einer Datentriangulation mit Sekundärliteratur und statistischem Material zu validieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Begriffsbestimmung, den gesellschaftlichen Rollenvorstellungen, der Lebenswirklichkeit (Arbeit, Finanzen, Wohnen), den psychischen Belastungen sowie den verfügbaren institutionellen und privaten Unterstützungshilfen.
Zu den prägenden Begriffen gehören Alleinerziehen, Geschlechterrollen, Familienmodelle, institutionelle Unterstützung, Armutsrisiko und der soziokulturelle Vergleich zwischen Japan und Österreich.
Während in Österreich die soziale Absicherung breit angelegt ist, sind in Japan Unterstützungsmaßnahmen oft stark an Einkommensgrenzen gebunden, und es existieren spezifische Hilfen, die traditionelle Rollenbilder (z.B. nur für Mütter) widerspiegeln.
In Japan ist ein tief verwurzelter "Mutterschaftsmythos" präsent, der die Frau als primär für die Entwicklung des Kindes verantwortlich sieht, was den Druck auf alleinerziehende Mütter sowie Väter, die diesen Anforderungen nicht gerecht werden können, massiv erhöht.
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