Diplomarbeit, 2008
146 Seiten, Note: 1,0
Einleitung
1. Knut Hamsun in seinen Werken
2. Reale Personen und Namen
3. Hamsun und das Nordland – die Welt seiner Kindheit
3.1. Früheste Kindheit
3.2. Die Zeit bei Onkel Hans Olsen
3.3. Hamsuns Leben nach Olsen
3.4. Bjørger im Kontext zu Hamsuns Biographie
3.5. Der Landstreicher und die Bedeutung von Onkel Ole
3.6. Das Nordland und dessen Natur in den Werken und seine Bedeutung für den Dichter
4. Der Bauer Knut Hamsun
4.1. Die Kindheit auf dem Bauernhof
4.2. Die Zeit als Farm- und Präriearbeiter in Amerika
4.3. Der Bauer in den Romanen
4.4. Hamsuns persönliche Bauerngeschichte
5. Mäzene, Gönner und Wohltäter in Hamsuns Leben und seiner Romanwelt
5.1. Erasmus Benedigt Kjerschow Zahl, Hamsuns erster Mäzen
5.2. Johan Sørensen und Vergleiche mit dem Sult-Ich
5.3. Die Figur des Mack und andere Mäzene in Hamsuns Romanen
5.4. Weitere Gönner in Hamsuns Leben
5.5. Hamsun als Mäzen
6. Amerika
6.1. Der erste Amerikaaufenthalt
6.2. Der zweite Amerikaaufenthalt
6.3. Fra det moderne Amerikas aandsliv
6.4. Festina lente
6.5. Amerika in den Werken
7. Auslandsschilderungen
7.1. I Æventyrland – Hamsuns Werk über seine Orientreise
7.2. Pariser Skizzen
8. Hamsun und die Frauen
8.1. Jugendliebe Laura
8.2. Die Frauen in Amerika
8.3. Weitere Damenbekanntschaften und viele Vorbilder für Dagny Kielland
8.4. Bergljot Goepfert – Hamsuns erste Ehefrau
8.5. Marie Andersen – die zweite Ehefrau
8.6. Die Theorie des Künstlerproblems
9. Hamsuns Abrechnungen I – persönliche Angriffe
9.1. Lars Oftedal
9.2. Kritik an Nansen und am Sport
9.3. Die großen Vier – Hamsuns Angriffe auf Bjørnson, Ibsen, Kielland und Lie
9.4. Ola(f/v) Thommessen
9.5. Professor Langfeldt
10. Hamsuns Abrechungen II – nicht personenbezogene Angriffe
10.1. England
10.2. Die Schweiz und die Kritik am Tourismus
10.3. Die Abrechnung mit den jungen Künstlern in Ny Jord
10.4. Das ungeliebte Theater
10.5. Pfarrer/Beamte im Nordland
Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Schaffen von Knut Hamsun im Hinblick auf autobiographische Elemente, wobei der Fokus nicht auf einer chronologischen Biographie liegt, sondern auf einer thematischen Zusammenführung biographischer Daten mit den Werken. Die Forschungsfrage zielt darauf ab, wie Hamsun seine persönlichen Erfahrungen, Erlebnisse und Meinungen in seine Romane und Novellen einfließen ließ, um diese nachvollziehbar zu machen und die Vitalität seiner Figuren sowie die Authentizität seiner Erzählungen zu untermauern.
1. Knut Hamsun in seinen Werken
Wie nur wenige andere Schriftsteller nutzte Hamsun seine Werke in großem Ausmaß dazu, um seine Persönlichkeit, sei es durch zurückliegende Erfahrungen und Erlebnisse oder durch seine eigene Meinung zu gewissen Themen, direkt zum Ausdruck zu bringen und griff dabei auf verschiedene Methoden zurück. Vor allem am Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit fügte er sich selber als Held des Werkes ein bzw. konfrontierte diesen mit seiner eigenen Herkunft, zurückliegenden Ereignissen aus seinem Leben, denselben Eigenschaften, denselben Wünschen. Er projizierte also seine eigene Lebensgeschichte, zumindest Teile oder Nuancen daraus, auf seine literarische Schöpfungen. Oft macht es Hamsun seinem biographiekundigen Leser dabei sehr einfach, indem er nicht einmal seinen Namen verhüllt oder keinen Zweifel daran lässt, wer hinter dem Protagonisten oder der Ich-Figur steckt. An anderen Stellen ist eine etwas genauere Analyse erforderlich, um den verkleideten Hamsun zu erkennen.
In seinen späteren Werken kam er von dieser Technik weitgehend ab und teilte etwaige persönliche Eigenschaften auf verschiedene Romangestalten auf. So konstatiert auch Ferguson: „Der Mann Hamsun, dessen überspitzte Wiedergabe seiner ungewöhnlichen Persönlichkeit in vielfältiger Weise die Stärke seiner frühen Werke ausmacht, ist (…) immer noch lebendig vorhanden, nicht als leicht identifizierbares Individuum, aber aufgeteilt auf hundert Gestalten.“ Dazu führte Hamsun Figuren mit Sprachrohrfunktion ein, die bei Gelegenheit die Stimme des Dichters erhoben und so seine eigene Meinung im Werk vertraten.
Knut Hamsun in seinen Werken: Hamsun nutzte seine Romane in der Frühphase stark als Projektionsfläche für seine eigene Biographie, während er später persönliche Eigenschaften auf ein breiteres Figurenspektrum verteilte.
Reale Personen und Namen: Das Kapitel untersucht Hamsuns Verflechtung von realen Vorbildern, wie Redakteuren oder Bekannten, mit seinen Romanfiguren, wobei Hamsun selbst eine direkte Identifizierung oft bestritt.
Hamsun und das Nordland – die Welt seiner Kindheit: Es wird analysiert, wie die Natur und die prägenden Kindheitserfahrungen im Nordland – trotz kontroverser Phasen – tief in sein Werk eingingen.
Der Bauer Knut Hamsun: Die Arbeit beleuchtet Hamsuns lebenslangen Wunsch nach einem eigenen Hof und die damit verbundene „Zurück zur Natur“-Thematik in Romanen wie Markens grøde.
Mäzene, Gönner und Wohltäter in Hamsuns Leben und seiner Romanwelt: Das Kapitel zeigt auf, welche fundamentale Bedeutung finanzielle Unterstützer für Hamsun hatten und wie diese als literarische Archetypen in seine Bücher einflossen.
Amerika: Hamsuns Erfahrungen in den USA werden als kritische Abrechnung thematisiert, die sowohl in Sachschriften als auch fiktional als Gegenpol zur norwegischen Kultur auftauchen.
Auslandsschilderungen: Hier werden die Orientreise und der Parisaufenthalt als Inspirationsquellen für Novellen und Reiseberichte dargelegt.
Hamsun und die Frauen: Es wird untersucht, wie Hamsuns Liebesbeziehungen und die Begegnungen mit verschiedenen Frauen als Vorbilder für weibliche Romanfiguren dienten.
Hamsuns Abrechnungen I – persönliche Angriffe: Dieses Kapitel behandelt Hamsuns teils polemische Auseinandersetzungen mit Zeitgenossen, von Predigern bis hin zu Literaturkritikern.
Hamsuns Abrechungen II – nicht personenbezogene Angriffe: Abschließend werden Hamsuns Attacken gegen Institutionen wie das Theater, sowie seine Kritik an England und der touristisch orientierten Schweiz analysiert.
Knut Hamsun, Autobiographie, Nordland, Literaturtheorie, Mäzene, Amerikareisen, Bauerntum, Künstlerproblematik, Sozialkritik, Moderne, Psychologie, Biographie, Romanwelten, Schuld, Industriewandel.
Die Arbeit untersucht, inwieweit Knut Hamsun autobiographische Erlebnisse, reale Personen aus seinem Umfeld und seine persönlichen Meinungen in seine fiktionale Literatur eingebunden hat.
Die Schwerpunkte liegen auf Hamsuns Kindheit im Nordland, seinem Verhältnis zu Mäzenen, seinen Erfahrungen als Emigrant in Amerika, seinen komplexen Beziehungen zu Frauen und seiner kritischen Auseinandersetzung mit Zeitgenossen und gesellschaftlichen Institutionen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hamsun sein eigenes Leben als „Rohmaterial“ für seine literarische Arbeit nutzte und dabei die Grenzen zwischen Autobiographie und Roman verschwimmen ließ.
Die Studie greift auf eine tiefgehende Literaturanalyse zurück, bei der primäre Hamsun-Texte mit zeitgenössischer Sekundärliteratur, biographischen Werken und persönlichen Briefen Hamsuns in Bezug gesetzt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in thematische Blöcke, die Hamsuns Wurzeln, seine finanzielle Abhängigkeit von Mäzenen, seine Zeit im Ausland, seine zwischenmenschlichen Beziehungen sowie seine literarischen Abrechnungen detailliert beleuchten.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Autobiographie, Nordland, Mäzenatentum, Amerikakritik, Künstlerproblematik und soziale Entfremdung charakterisieren.
Die Zeit bei Olsen war für Hamsun physisch und psychisch belastend, prägte jedoch sein nachhaltiges Misstrauen gegenüber Autoritäten und seine kritische Sicht auf alte sowie kranke Menschen, was sich in vielen seiner literarischen Figuren widerspiegelt.
Die Arbeit analysiert, wie Hamsun einerseits auf finanzielle Unterstützung angewiesen war und diese mit Charme einwarb, andererseits jedoch in späteren Jahren ein komplexes Rollenverständnis entwickelte, bei dem er selbst zum großzügigen Mäzen wurde und seine Erfahrungen als Bittsteller literarisch verarbeitete.
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