Wissenschaftlicher Aufsatz, 2000
11 Seiten
Nulla dies sine linea
Der Sigmaringer Hofmaler Gustav Bregenzer (1850 - 1919)
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das künstlerische Schaffen des Sigmaringer Hofmalers Gustav Bregenzer einer neuen, differenzierten wissenschaftlichen Betrachtung zu unterziehen. Dabei wird untersucht, wie sich Bregenzers Werk von den klischeehaften Einordnungen als bloßer "altmeisterlicher Kopist" abhebt und welche Rolle sein persönlicher Werdegang sowie sein Bezug zu zeitgenössischen Strömungen der Malerei des 19. Jahrhunderts spielten.
Nulla dies sine linea - Kein Tag ohne einen Strich!
Dieses Motto stand, so wird berichtet, über Gustav Bregenzers Ateliertür in seinem Haus an der Buchhalde in Sigmaringen. Diese rigorose Selbstermunterung geht nach Plinius d. Ä. auf Apelles zurück, der Hofmaler Alexanders des Großen war. Über die Jahrhunderte hinweg gewann sie Sprichwortcharakter. Wer sich ein solches Motto wählt, der stellt seine Kunst auf ein festes Fundament: das der ständigen Übung und kritischen Überprüfung.
Zeitgenossen Gustav Bregenzers wie der Beuroner Pater Ansgar Pöllmann oder ein Redakteur der Rottenburger Zeitung, Paprika-Pfeffer genannt, schätzten seine künstlerische Arbeit recht hoch ein. So schrieb der Zeitungsmann 1901 nach einem Besuch in der Stadt und bei Bregenzer im Atelier "...man bekommt den Eindruck, als ob sich die Sigmaringer gar nicht bewußt wären, welch großen Künstler ihre Mauern bergen". Der kunstsinnige Benediktinerpater hingegen nannte den Maler "einen starken Führer der hohenzollerischen Kunst für alle Zukunft". Dennoch war der Hofmaler der Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen und des aus diesem Hause stammenden Königs Carol I. von Rumänien in seiner Heimatstadt Sigmaringen für viele schon zu Lebzeiten "ein Halbvergessener", wie die Hohenzollerische Volkszeitung vor etwa 90 Jahren anläßlich einer kleinen Ausstellung seiner Arbeiten in der Liehnerschen Hofbuchhandlung bemerkte.
Nulla dies sine linea: Einleitung in die künstlerische Entwicklung Bregenzers, von den Anfängen in Düsseldorf bis zum Spätwerk.
Der Sigmaringer Hofmaler Gustav Bregenzer (1850 - 1919): Analyse der historischen Rezeption, der Einflüsse durch das Fürstenhaus und der kunsthistorischen Einordnung Bregenzers als Zeitgenosse der Moderne.
Gustav Bregenzer, Sigmaringen, Düsseldorfer Malerschule, Porträtmalerei, 19. Jahrhundert, Kunstgeschichte, Hofmaler, Impressionismus, Freilichtmalerei, Selbstporträt, Bildniskunst, Künstlerlexikon, Andreas Müller, Ansgar Pöllmann, Kunstkritik
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Leben und Werk des Sigmaringer Hofmalers Gustav Bregenzer und versucht, sein künstlerisches Wirken jenseits von historischen Vorurteilen neu zu bewerten.
Im Fokus stehen die künstlerische Ausbildung in Düsseldorf, Bregenzers Porträtkunst, seine Beziehung zur Freilichtmalerei sowie die Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Kunstentwicklung.
Das Hauptziel ist es, Bregenzers Werk von der einseitigen Wahrnehmung als biedermeierlicher Kopist zu lösen und seine tatsächliche künstlerische Qualität und Individualität aufzuzeigen.
Die Autorin stützt sich auf eine kunsthistorische Analyse, die Archivrecherche, die Auswertung von Selbstzeugnissen und den Vergleich von Werk und zeitgenössischer Entwicklung kombiniert.
Der Hauptteil befasst sich mit der Ausbildung, der Bedeutung von Anekdoten, der Stilentwicklung in der Porträtmalerei sowie dem Umgang mit Selbstbildnissen als autobiografischen Dokumenten.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Porträtmalerei, Düsseldorfer Malerschule, künstlerische Autonomie, kunsthistorische Neubewertung und regionale Kunstgeschichte.
Das Fürstenhaus von Hohenzollern-Sigmaringen ermöglichte Bregenzer durch finanzielle Förderung das Studium an der Kunstakademie und fungierte als Auftraggeber, was seinen Werdegang maßgeblich prägte.
Die Autorin führt dies auf mangelnde Publizität, die Abgeschiedenheit von den großen Kunstzentren und die Tatsache zurück, dass Bregenzer lange Zeit in keinem einflussreichen Künstlerlexikon wie dem Thieme-Becker aufgeführt war.
Die Autorin interpretiert sie als "hautnahe" autobiografische Dokumente, die weniger auf Repräsentation, sondern vielmehr auf Selbstbefragung und das Verhältnis des Künstlers zur Gesellschaft zielen.
Es dient als Sinnbild für Bregenzers künstlerisches Fundament: die ständige Übung, Disziplin und kritische Überprüfung des eigenen Schaffens.
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