Bachelorarbeit, 2021
49 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1 Forschungsstand
1.2 Methodik
2. Nationalismus und politischer Mythos
2.1 Nation und Nationalismus
2.2 Formen und Funktion von politischen Mythen
3. Der Befreiungskrieg als Gründungsmythos
3.1 Die „türkische“ Nationalbewegung
3.2 Das kemalistische Narrativ
3.3 Die Ritualisierung des Befreiungskrieges
4. Künstlerische Aufwertung des Krieges in der frühen Republik
4.1 Ratip Tahir Burak: Ergenekon
4.2 Zeki Faik İzer: İnkılap Yolunda
5. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Narrativ des „Befreiungskrieges“ (1919-1923) als politisches Gründungsnarrativ der frühen türkischen Republik. Ziel der Forschungsarbeit ist es, die Intentionen der kemalistischen Führungselite bei der Mythisierung dieses Konflikts zu ergründen und aufzuzeigen, wie durch narrative und ikonische Strategien ein kollektives Bewusstsein sowie eine neue nationale Identität konstruiert wurden.
3.1 Die „türkische“ Nationalbewegung
Das Ende des Osmanischen Reichs war ein langwieriger und wechselvoller Prozess, der nach der Kapitulation weitere sechs Jahre andauerte. Der Sultan Mehmet Vahdettin und seine Regierung unter der Obhut Damat Ferit Paşas versuchten mit einer Politik des Gehorsams gegenüber der Entente, günstige Friedensbedingungen zu erreichen. Demnach wurden die Vorgaben der Siegermächte ohne jeglichen Widerspruch eingehalten. Zugleich versuchte der Sultan, intern die Macht der jungtürkischen Nationalisten zu brechen. Er sah die Hauptgründe für den Eintritt in den Ersten Weltkrieg und die desolate Ausgangslage nach der Kapitulation bei den Jungtürken, die von 1908 bis 1918 an der Macht waren.
Allerdings scheiterte seine britisch nahe Politik an den harten Bedingungen des „Friedensvertrags“ von Sèvres sowie der Versuch, die Macht der Nationalisten einzudämmen. Denn kurz vor dem Ende der Kapitulation des Osmanischen Reichs im Jahr 1918 begann das „Komitee für Einheit und Fortschritt“ (İttihâd ve Terakkî Cemiyeti) sowohl in der Hauptstadt als auch in den anatolischen Provinzen, erste Ansätze einer Widerstandsbewegung zu organisieren. Damit zusammenhängend macht Zürcher deutlich, dass dieser Plan bereits 1915 existiert habe, als die Entente mit ihren Kriegsschiffen vor Gallipoli (Gelibolu) standen. Daraufhin habe das Komitee in Eskişehir und Konya versucht, Stützpunkte zu errichten, um bei einer eventuellen Okkupation den nötigen Widerstand zu starten.
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Thema des „Befreiungskrieges“ als Gründungsmythos und beschreibt den Forschungsstand sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Nationalismus und politischer Mythos: Dieses Kapitel legt die theoretische Basis dar, indem es Begriffe wie Nation und Nationalismus definiert und die Form sowie Funktion politischer Mythen analysiert.
3. Der Befreiungskrieg als Gründungsmythos: Hier wird der historische Befreiungskrieg detailliert untersucht, wobei der Fokus auf der Nationalbewegung, dem kemalistischen Narrativ und der Ritualisierung durch Feiertage liegt.
4. Künstlerische Aufwertung des Krieges in der frühen Republik: Dieses Kapitel analysiert anhand von Gemälden von Ratip Tahir Burak und Zeki Faik İzer, wie Kunst gezielt zur Festigung der kemalistischen Erzählung instrumentalisiert wurde.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der Befreiungskrieg als ein Gründungsmythos der Republik fungiert, der historische Fakten für die Konstruktion einer nationalen Identität idealisierte.
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Die Arbeit analysiert, wie der türkische Befreiungskrieg nach 1923 als ein politischer Gründungsmythos konstruiert wurde, um die Identität der jungen türkischen Republik zu legitimieren.
Die Schwerpunkte liegen auf der Mythenforschung, der kemalistischen Geschichtsschreibung, der Instrumentalisierung von Nationalfeiertagen sowie der Rolle der bildenden Kunst als Propagandamittel.
Ziel ist es, die Intention der frühen Führungselite aufzudecken, die durch die Umdeutung historischer Ereignisse eine homogene nationale Identität schaffen wollte.
Es handelt sich um eine historische und analytische Untersuchung, die sich auf Mythenforschung und die Analyse narrativer sowie ikonischer Quellen stützt.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die historische Rekonstruktion der Widerstandsbewegung sowie die Analyse von Ritualen und künstlerischen Werken der frühen Republik.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nationalismus, Gründungsmythos, Kemalismus, Befreiungskrieg und Nationsbildung charakterisieren.
Die Arbeit stützt sich auf Forschungsergebnisse, die zeigen, dass der Krieg primär religiös motiviert war und nicht, wie später dargestellt, eine einheitliche nationale Bewegung gegen imperialistische Mächte war.
Sie dienten als visuelle Unterstützung des offiziellen Narrativs, um den Bruch mit der osmanischen Vergangenheit und den Aufbruch in eine moderne, säkulare Ära unter Atatürk zu veranschaulichen.
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