Bachelorarbeit, 2022
80 Seiten, Note: 1,3
1 Relevanz der Thematik
1.1 Forschungsgegenstand und Aufbau der Arbeit
1.2 Thematische Eingrenzung
2 Fraud als weltweite Herausforderung
2.1 Der Begriff Fraud
2.2 Die Abschlussprüfung
2.2.1 Die Erwartungslücke hinsichtlich der Fehlerfreiheit von geprüften Jahresabschlüssen
2.2.2 Die forensische Unterschlagungsprüfung als Abgrenzung zur gesetzlichen Jahresabschlussprüfung
2.3 Mögliche Täterkreise und deren Motivik
3 Analyse des Wirecard-Falls
3.1 Das Geschäftsmodell und die Unternehmensverflechtungen von Wirecard
3.2 Das Third Party Acquirer-Geschäft im Mittelpunkt des Wirecard-Skandals
3.3 Die Folgen des Wirecard-Skandals
4 Die Aufdeckung von Fraud durch die Jahresabschlussprüfung
4.1 Der Prüfungsprozess
4.2 Die Prüfungsplanung in Zusammenhang mit dem risikoorientierten Prüfungsansatz
4.2.1 Warnsignale am Beispiel des Wirecard-Falls
4.2.2 Der Fraud-Triangle-Ansatz am Beispiel des Wirecard-Falls
4.3 Prüfungshandlungen zur Aufdeckung von Fraud
4.3.1 Systemprüfungen
4.3.2 Aussagebezogene Prüfungshandlungen
4.3.3 Die durchgeführten Prüfungshandlungen an Wirecard durch EY
4.4 Die Berichterstattung über aufgedeckten Fraud
4.4.1 Die Berichterstattung im Prüfungsbericht und im Bestätigungsvermerk
4.4.2 Die Berichterstattung bei Wirecard
5 Entwicklungsmöglichkeiten der Jahresabschlussprüfung
5.1 Verbesserungspotenziale bei der Auftragsvergabe
5.2 Verbesserungspotenziale bei der Auftragsdurchführung
5.3 Verbesserungspotenziale bei der Berichterstattung
5.4 Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität und weitere Reformvorschläge
6 Aktuelle Entwicklungen innerhalb der Branche der Wirtschaftsprüfung
7 Die Jahresabschlussprüfung – begrenzte Möglichkeit der Aufdeckung von Fraud?
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Jahresabschlussprüfung bei der Aufdeckung von Fraud unter besonderer Berücksichtigung des Wirecard-Skandals. Dabei wird analysiert, inwieweit die gesetzlich vorgeschriebene Jahresabschlussprüfung in der Lage ist, betrügerische Handlungen zu identifizieren, und welche Rolle die Erwartungslücke zwischen Öffentlichkeit und Prüfer spielt. Abschließend werden mögliche Verbesserungspotenziale und regulatorische Reformen erörtert, um die Effektivität zukünftiger Abschlussprüfungen zu erhöhen.
4.2.1 Warnsignale am Beispiel des Wirecard-Falls
Gemäß IDW PS 210 Tz. 24 ist Fraud auch dann zu erwarten, wenn eine Gelegenheit, eine Motivation und eine innere Rechtfertigung bestehen. Bestimmte Merkmale, die in der Literatur oftmals als „Red Flags“ oder Warnsignale bezeichnet werden, können erste Anhaltspunkte für Fraud bieten. Aufgrund dessen wurden Checklisten entworfen, die allerdings von SELL, 1999 deshalb kritisiert werden, da Warnsignale in der Tat auch in Situationen ohne Verstöße bestehen können. Das alleinige Vorhandensein solcher Merkmale stellt folglich keine zwingende Existenz von Fraud dar. Unabhängig davon könnte die Gefahr bestehen, dass sich der Prüfer zu sehr auf die Warnzeichen innerhalb der Checklisten konzentriert und somit andere, nicht angeführte Hinweise vernachlässigt oder übersieht.
In Anhang 6 findet sich hierzu eine genauere Übersicht über beispielhafte Warnsignale für Fraud. Zunächst soll auf einige ausgewählte Beispiele eingegangen werden. Es gilt zu analysieren, inwieweit diese für den Fall Wirecard relevant gewesen sein könnten, indem Presseberichte, der KPMG-Sonderuntersuchungsbericht sowie der Wambach-Bericht herangezogen werden.
Die Dominanz der Unternehmensleitung durch eine oder wenige Personen, bei fehlendem Überwachungsorgan: Dr. Markus Braun – ehemaliger CEO und Jan Marsalek – ehemaliger COO arbeiteten in etwa 20 Jahre lang zusammen. Davon waren sie allein zehn Jahre lang an der Konzernspitze von Wirecard tätig. Hinzu kommt, dass ZIESEMER, 2019 die Besetzung des Aufsichtsrates des Zahlungsdienstleisters als bedenklich ansah, da die Mitglieder des Kontrollgremiums über wenig Vorstandserfahrungen oder Erfahrungen in einem Aufsichtsratsmandat verfügten. Die Hälfte der Mitglieder arbeitete zudem als selbstständige Unternehmensberater, wodurch Interessenkonflikte hätten entstehen können. Ferner vertritt ZIESEMER, 2019 die Ansicht, dass es in keinem der Dax-30-Konzerne so wenig kollektive Führungserfahrung wie bei Wirecard gab. Folglich könnte sich die Dominanz der Unternehmensleitung bei fehlendem Überwachungsorgan bestätigen lassen, allerdings ist dem auch gegenüberzustellen, dass sich vor allem in kleineren mittelständischen Firmen oder Familienunternehmen die Unternehmensleitung auf wenige Personen beschränkt.
1 Relevanz der Thematik: Einführung in den Wirecard-Skandal und Darlegung der Forschungsfrage bezüglich der Aufdeckung von Fraud durch die Jahresabschlussprüfung.
2 Fraud als weltweite Herausforderung: Definition und theoretische Einordnung von Fraud, Abschlussprüfungen und den Grenzen der Prüfung hinsichtlich absoluter Sicherheit.
3 Analyse des Wirecard-Falls: Detaillierte Betrachtung des Geschäftsmodells von Wirecard, des TPA-Geschäfts und der weitreichenden Folgen für Kapitalmarkt und Anleger.
4 Die Aufdeckung von Fraud durch die Jahresabschlussprüfung: Untersuchung des Prüfungsprozesses, der Prüfungsplanung sowie der konkreten Anwendung von Prüfungshandlungen am Beispiel von Wirecard.
5 Entwicklungsmöglichkeiten der Jahresabschlussprüfung: Diskussion regulatorischer Reformen und Optimierungspotenziale bei Auftragsvergabe, Durchführung und Berichterstattung.
6 Aktuelle Entwicklungen innerhalb der Branche der Wirtschaftsprüfung: Einordnung der Digitalisierung und des Einsatzes von KI-Technologien als Chance für eine objektivere Prüfung.
7 Die Jahresabschlussprüfung – begrenzte Möglichkeit der Aufdeckung von Fraud?: Kritische Schlussbetrachtung zur Machbarkeit der Fraud-Aufdeckung im Rahmen der gesetzlichen Abschlussprüfung.
Wirecard-Skandal, Jahresabschlussprüfung, Fraud, Wirtschaftsprüfer, Bilanzbetrug, FISG, Risikoorientierter Prüfungsansatz, Fraud-Triangle, Erwartungslücke, Drittpartnergeschäft, Forensic Services, Aufsichtsrat, Bestätigungsvermerk, Unabhängigkeit, Wirtschaftskriminalität
Die Arbeit analysiert kritisch die Rolle und die Möglichkeiten der gesetzlichen Jahresabschlussprüfung bei der Identifikation von betrügerischen Aktivitäten (Fraud) in großen Unternehmen, wobei der Wirecard-Skandal als zentrales Fallbeispiel dient.
Zentrale Themen sind das Fraud-Triangle-Modell, die Grenzen der Abschlussprüfung, die Rolle der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young bei Wirecard sowie aktuelle Gesetzesreformen wie das FISG.
Das Hauptziel ist es, zu untersuchen, inwieweit die Jahresabschlussprüfung Fraud identifizieren kann und welche Verbesserungspotenziale bestehen, um solche Skandale in Zukunft effektiver zu verhindern oder aufzudecken.
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Analyse, die unter anderem auf Fachliteratur, dem KPMG-Sonderuntersuchungsbericht, dem Wambach-Bericht sowie diversen Presseberichten zum Wirecard-Skandal beruht.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Fraud, die Analyse des Wirecard-Geschäftsmodells, eine detaillierte Prüfung des Prüfungsprozesses (Planung bis Berichterstattung) und die Bewertung von Reformansätzen.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Bilanzskandal, Risikoorientierter Prüfungsansatz, Erwartungslücke, Fraud-Triangle und Berichterstattung über aufgedeckten Fraud geprägt.
Der Autor führt an, dass trotz zahlreicher Warnsignale (Red Flags) seitens der Medien und Analysten keine ausreichende kritische Distanz und professionelle Skepsis durch die Prüfer wahrgenommen wurde, um die hochkomplexen Manipulationen des Managements aufzudecken.
Die Arbeit betont, dass eine gesetzliche Abschlussprüfung eine Auswahlprüfung unter Wirtschaftlichkeitsaspekten ist und daher keine Vollprüfung darstellt, während eine forensische Prüfung gezielt bei Verdachtsmomenten mit tiefergehenden, detektivischen Methoden durchgeführt wird.
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