Masterarbeit, 2021
68 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Charakteristika von Vermögensmärkten und Preisblasen im Kontext der Geldpolitik
2.1 Vermögenspreise im monetären Transmissionsprozess
2.1.1 Kapitalkostenkanal
2.1.2 Kreditkanal
2.1.2.1 Bankkreditkanal
2.1.2.2 Bilanzkanal
2.1.3 Erwartungskanal
2.1.4 Risikokanal
2.2 Vermögenspreisblasen in der Historie
2.2.1 Japan-Krise
2.2.2 US-Immobilienkrise
2.3 Identifikation von Vermögenspreisblasen
2.3.1 Frühwarnindikatormodelle zur Identifikation von Vermögens preisblasen
2.3.1.1 Signal Methode
2.3.1.2 Discrete-Choice-Methode
2.3.2 Kritische Würdigung
3 Geldpolitische Reaktion auf Vermögenspreise anhand der Leaning against-the-wind-Strategie
3.1 Grundzüge der Leaning-against-the-wind-Strategie
3.2 Grundpositionen zum Verhältnis von Geldpolitik und Finanzstabilität
3.2.1 Idealisierte Sicht
3.2.2 Erweiterte Sicht
3.2.3 Integrierte Sicht
3.3 Kernargumente für und gegen eine Leaning-against-the-wind-Politik
3.4 Quantitative Kosten-Nutzen-Analyse der Leaning-against-the-wind-Strategie
3.4.1 Das Modell von Svensson
3.4.1.1 Modell und Parameter
3.4.1.2 Ergebnisse
3.4.1.3 Kritische Würdigung
3.4.2 Weitere Modelle
4 Bedeutung von Vermögenspreisen in der Geldpolitik der EZB
5 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen und praktischen Auswirkungen einer geldpolitischen „Leaning-against-the-wind“-Strategie (LATW) als Reaktion auf spekulative Überbewertungen an den Vermögensmärkten. Dabei wird die Forschungsfrage adressiert, ob eine systematische geldpolitische Reaktion auf Preisblasen zur Finanzstabilität beitragen kann und wie die Kosten und Nutzen einer solchen Politik einzuschätzen sind.
2.1.1 Kapitalkostenkanal
Der Ökonom Tobin (1969) entwickelte einen Mechanismus, der verdeutlicht, wie die Aktienkursentwicklung Einfluss auf die Investitionstätigkeit von Unternehmen in einer Volkswirtschaft nimmt. Der Ansatz beschreibt den Zusammenhang zwischen einer Veränderung des Aktienkurses und den Investitionsausgaben eines Unternehmens. Zentrales Element ist dabei die Kennzahl Tobin-q. Diese drückt das Verhältnis zwischen dem Marktwert eines Unternehmens und dem Wiederbeschaffungswert des eingesetzten Kapitals aus:
q = Marktwert eines Unternehmens / Wiederbeschaffungswert des Kapitals (1)
Der Marktwert eines Unternehmens entspricht dem diskontierten Wert aller künftig erwarteten Erträge und Kapitalkosten. Wenn man davon ausgeht, dass der Aktienmarkt eine kontinuierliche Bewertung der Marktwerte des Sachkapitals liefert, kann der Marktwert durch den Börsenwert approximiert werden kann. Der Wiederbeschaffungswert eines Unternehmens umfasst die Kosten, die aufzuwenden wären, um das Unternehmen zu ersetzen.
Entspricht der Marktwert eines Unternehmens genau seinen Wiederbeschaffungskosten, das heißt q ist gleich eins (q = 1), dann ist die Bewertung des Unternehmens am Aktienmarkt fundamental gerechtfertigt. In diesem Fall existiert für ein Unternehmen kein Anreiz zur Aufstockung oder zum Abbau des bereits vorhandenen Kapitalstocks. Die gesamtwirtschaftliche Investitionsnachfrage verändert sich nicht. Kommt es zu einer Abweichung zwischen der Unternehmensbewertung am Aktienmarkt durch die Marktteilnehmer und dem internen Wert der Firma, also den Wiederbeschaffungskosten des Sachkapitals, dann hat dies eine Reaktion des Unternehmens zur Folge. Ein Anstieg der Aktienkurse führt zu einer Zunahme des Marktwertes infolgedessen q größer wird (q > 1). In diesem Fall hat ein Unternehmen einen starken Anreiz weitere Aktien zu emittieren und das erzielte Kapital in das Unternehmen zu investieren, da dies nun relativ günstig ist. Sinken die Aktienkurse soweit, dass der Marktwert kleiner als der Wiederbeschaffungswert des Unternehmens ist, also q kleiner eins ist (q < 1), wird das Unternehmen weniger investieren.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik spekulativer Überbewertungen an Vermögensmärkten ein und stellt die Relevanz der LATW-Strategie für Zentralbanken dar.
2 Charakteristika von Vermögensmärkten und Preisblasen im Kontext der Geldpolitik: Dieses Kapitel erläutert theoretische Transmissionskanäle und historische Fallbeispiele, um die Notwendigkeit einer frühzeitigen Identifikation von Preisblasen zu begründen.
3 Geldpolitische Reaktion auf Vermögenspreise anhand der Leaning against-the-wind-Strategie: Der Hauptteil analysiert die Strategie des Gegensteuerns, vergleicht unterschiedliche wissenschaftliche Sichtweisen und diskutiert die Ergebnisse quantitativer Kosten-Nutzen-Modelle.
4 Bedeutung von Vermögenspreisen in der Geldpolitik der EZB: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung der geldpolitischen Haltung der EZB gegenüber Vermögenspreisblasen und deren Integration in die Strategie.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Kosten einer LATW-Politik nach aktuellem Forschungsstand meist den Nutzen überwiegen.
Geldpolitik, Vermögensmärkte, Preisblasen, Leaning-against-the-wind, Finanzstabilität, Transmissionsmechanismus, Tobin-q, Frühwarnindikatormodelle, Zentralbank, Inflationsziel, Svensson-Modell, Kosten-Nutzen-Analyse, Makroprudenzielle Politik, EZB, Kreditkanal.
Die Arbeit analysiert das Konzept einer geldpolitischen „Leaning-against-the-wind“-Strategie (LATW), bei der Zentralbanken präventiv gegen spekulative Blasen an Vermögensmärkten vorgehen, um die Finanzstabilität zu sichern.
Die zentralen Themen umfassen die Transmission von Geldpolitik auf Vermögenspreise, die Identifikation von Finanzblasen mittels Frühwarnindikatoren und die Bewertung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses von intervenierenden Geldpolitiken.
Das Ziel ist es, die Vor- und Nachteile einer aktiven geldpolitischen Reaktion auf Preisblasen aufzuzeigen und zu beurteilen, ob die wissenschaftliche Debatte eine solche Strategie derzeit als sinnvoll erachtet.
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie die kritische Würdigung quantitativer Simulationsmodelle, insbesondere des Modells von Svensson, um die Auswirkungen von LATW-Strategien zu bewerten.
Der Hauptteil widmet sich den theoretischen Grundzügen der LATW-Strategie, verschiedenen Positionen zum Verhältnis von Geldpolitik und Finanzstabilität sowie einer detaillierten quantitativen Analyse der Kosten und Nutzen einer solchen Politik.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Geldpolitik, Vermögensmärkte, Preisblasen, Leaning-against-the-wind, Finanzstabilität, Zentralbank und Kosten-Nutzen-Analyse charakterisiert.
Das Modell von Svensson (2017a) dient als zentrales quantitatives Referenzmodell, welches die Kosten einer strafferen Geldpolitik in Form höherer Arbeitslosigkeit dem Nutzen einer geringeren Krisenwahrscheinlichkeit gegenüberstellt.
Die EZB bevorzugt zunehmend makroprudenzielle Instrumente gegenüber einer direkten geldpolitischen Reaktion, da sie die Geldpolitik primär auf das Preisstabilitätsziel ausgerichtet sieht und eine Umsetzung der LATW-Politik aktuell nicht priorisiert.
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