Examensarbeit, 2008
95 Seiten, Note: 1,5
1 Einleitung
2 Der Begriff der Freundschaft: φιλία - amicitia
3 Der Begriff der Freundschaft in der Ethik der Antike - ein Überblick
3.1 Der Begriff der Freundschaft bei Platon
3.1.1 Platons Lysis
3.1.2 Platons Politeia
3.1.3 Platons Nomoi
3.2 Der Begriff der Freundschaft bei Aristoteles - Ethica Nicomachea
3.2.1 Grundlagen und Gründe für die Freundschaft
3.2.2 Arten der Freundschaft
3.2.3 Vollkommene Freundschaft und Selbstliebe
3.2.4 Notwendigkeit der Freundschaft
3.3 Der Begriff der Freundschaft bei Epikur
3.3.1 Epikurs eudämonistische Individualethik
3.3.2 Die Κύριαι δόξαι und das Gnomologium Vaticanum Epicureum
3.3.3 Torquatus über die drei Freundschaftstheorien (Cicero fin. I, 65-70)
3.4 Der Begriff der Freundschaft in der Stoa
3.4.1 Die Rolle der Vernunft
3.4.2 Tugend, Freundschaft und naturgemäßes Leben
3.4.3 Die οἰκείωσις - Lehre und Freundschaft
3.4.4 Exkurs: Epiktet - Freundschaft oder Gemeinschaft?
4 Das Philosophem der Freundschaft bei Cicero
4.1 Exkurs: Der Dialog bei Cicero
4.1.1 Vorbild: Der aristotelische Dialog
4.1.2 Möglichkeiten in der Dialogform
4.1.3 Struktur und Form des ciceronischen Dialogs
4.1.4 Ort, Zeit und Personen im ciceronischen Dialog
4.1.5 Cato Uticensis, fin. III
4.2 Laelius de amicitia
4.3 De finibus bonorum et malorum III, 62-76
4.3.1 Einordnung von fin. III, 62-76 in den Zusammenhang
4.3.2 Freundschaft in fin. III, 62-76: Textanalyse und Interpretation
4.3.3 Interdependenz von iustitia - amicitia - natura in fin. III, 62-71
5 Das Philosophem der Freundschaft bei Seneca
5.1 Exkurs: Der Brief bei Seneca
5.1.1 Die Entscheidung für die Briefform
5.1.2 Der Adressat Lucilius
5.1.3 Aufbau, Form, Sprache und Stil
5.2 Die Freundschaftsthematik in anderen Werken Senecas
5.2.1 Quomodo amicitia continenda sit, frg. I-III
5.2.2 De tranquillitate animi VII, 1-6
5.3 Epistulae morales
5.3.1 Einordnung von epist. 3 - 6 - 9 in das Briefcorpus
5.3.2 Freundschaft in epist. 3: Textanalyse und Interpretation
5.3.3 Freundschaft in epist. 6: Textanalyse und Interpretation
5.3.4 Freundschaft in epist. 9: Textanalyse und Interpretation
5.3.5 Freundschaft in Senecas epist.: Schematische Darstellung
6 Zusammenfassung
Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist die philologische Untersuchung des Philosophems der Freundschaft bei den römischen Autoren Cicero und Seneca. Dabei wird analysiert, wie die gewählte Literaturgattung – der Dialog bei Cicero und der Brief bei Seneca – die Darstellung und Entwicklung des Freundschaftsbegriffs beeinflusst und welche stoischen bzw. epikureischen Vorbilder dabei jeweils eine Rolle spielen.
4.3.2.1 Die Erweiterung der stoischen οἰκείωσις - Lehre fin. III, 62-64
Zur Bestimmung des Freundschaftsbegriffs greift Cato zunächst auf die bereits in fin. III, 16 eingeführte οἰκείωσις - Lehre zurück. Der ursprüngliche und eigentliche Inhalt der οἰκείωσις - Lehre kann folgendermaßen beschrieben werden: „Der erste Gegenstand der Neigung (οἰκεῖον) jedes Lebewesens sei seine eigene Verfassung (αὐτοῦ σύστασις) und deren Selbsterfahrung (ταύτης συνείδησις).“ Die σύστασις und συνείδησις umschreibt Cicero nun mit dem ‘sensu sui‘: Fieri autem non posset ut appeterent aliquid nisi sensum haberent sui eoque se diligerent (fin. III, 16).
Auf diesen Grundlagen aufbauend wird der ursprüngliche οἰκείωσις - Begriff von Cato systematisch auf die Belange der stoischen Gesellschaftstheorie ausgeweitet und modifiziert. Auffallend ist, dass Cicero hier die Terminologie der οἰκείωσις im ursprünglichen, ersten Sinne zu vermeiden scheint, indem er beispielsweise das Wort ‘conciliatio‘ an dieser Stelle nicht verwendet. Die nun eingeführte zweite, erneuerte Version der οἰκείωσις - Lehre dient Cato als Grundlage und Zwischenstufe, um später die stoische Vorstellung von der Freundschaft zu entwickeln.
In fin. III, 62 wird die οἰκείωσις zunächst von einer absoluten Ich-Bezogenheit des autarken Weisen auf die natürliche Liebe der Eltern zu ihren Kindern ausgeweitet: […] arbitrantur intellegi natura fieri ut liberi a parentibus amentur (fin. III, 62). “Till now the doctrine of oikeiosis has been silent on a person’s relations with others.” Bereits im nächsten Satz wird das Ziel dieser Modifikation der οἰκείωσις - Lehre offensichtlich: communem humani generis societatem (fin. III, 62).
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, die das Philosophem der Freundschaft bei Cicero und Seneca in ihren jeweiligen literarischen Kontexten untersucht.
2 Der Begriff der Freundschaft: φιλία - amicitia: Lexikalische und begriffliche Analyse der griechischen und lateinischen Termini unter Berücksichtigung sozialer und politischer Dimensionen.
3 Der Begriff der Freundschaft in der Ethik der Antike - ein Überblick: Historisch-philosophischer Abriss der Freundschaftskonzeptionen von Platon über Aristoteles bis hin zum Epikureismus und der Stoa.
4 Das Philosophem der Freundschaft bei Cicero: Detaillierte Untersuchung des ciceronischen Dialog-Stils und der stoischen Sozialtheorie in De finibus bonorum et malorum.
5 Das Philosophem der Freundschaft bei Seneca: Analyse der Briefform als pädagogisches Instrument und Erarbeitung der Freundschaftsauffassung in den Epistulae morales.
6 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung der Freundschaft im stoischen Kontext sowie deren zeitlose Relevanz.
Freundschaft, Amicitia, Philia, Stoa, Epikureismus, Cicero, Seneca, Oikeiosis, Ethik, Dialog, Brief, Tugend, Autarkie, Gerechtigkeit, Lebensführung.
Die Arbeit untersucht das philosophische Verständnis von Freundschaft bei den römischen Denkern Cicero und Seneca im Kontext der antiken Ethik.
Zentrale Themen sind die stoische Sozialtheorie, das Verhältnis von individueller Autarkie und zwischenmenschlicher Bindung sowie die Frage nach dem sozialen Nutzen von Tugend.
Das Ziel ist herauszuarbeiten, wie die Autoren durch ihre Wahl der literarischen Form (Dialog vs. Brief) unterschiedliche Ansätze verfolgen, um den Begriff der Freundschaft zu definieren und zu legitimieren.
Es handelt sich um eine philologische Untersuchung, die Textanalyse und Interpretation ausgewählter Primärquellen (Cicero: De finibus; Seneca: Epistulae morales) mit der Einordnung in den geistesgeschichtlichen Kontext verbindet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse der Freundschaftsauffassung bei Cicero, die stark auf der stoischen Oikeiosis-Lehre basiert, und eine Untersuchung bei Seneca, bei der die Briefform als lebenslanger, dialektischer Prozess zur Charakterbildung dient.
Schlüsselbegriffe sind Freundschaft, Amicitia, Stoa, Autarkie, Oikeiosis und Eudämonie.
Sie dient als stoische theoretische Basis, um den Übergang von der Selbstfürsorge zur altruistischen Sorge für andere zu erklären und somit die Existenz von Freundschaften philosophisch zu rechtfertigen.
Während Cicero Freundschaft systemisch in den staatlichen und gesellschaftlichen Rahmen einbindet, fokussiert Seneca auf die praktische, zwischenmenschliche Form der Freundschaft als Mittel zur gegenseitigen sittlichen Förderung (proficere).
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