Masterarbeit, 2020
121 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Die Migrationsbevölkerung in Deutschland
2.2 Die Migrationsbevölkerung im Bezirk Berlin-Mitte
2.3 Die gesundheitliche Lage der Migrationsbevölkerung
2.3.1 Die Morbidität und Mortalität von türkischstämmigen Migrant|inn|en
2.3.2 Die Morbidität und Mortalität von (Spät-) Aussiedler|inne|n
2.4 Einflüsse auf den Gesundheitszustand von Migrant|inn|en
2.5 Migrationsspezifische Verhaltensweisen bei Krankheit und Gesundheit
2.5.1 Subjektive Vorstellungen, Theorien und Konzepte von Gesundheit und Krankheit
2.5.2 Migrationsspezifische Zugangsbarrieren im Gesundheitswesen
2.5.3 Migrationsspezifische Inanspruchnahme des Gesundheitswesens
2.6 Ableitung der Fragestellung und Hypothesen
3 Methodisches Vorgehen
3.1 Die LISA-II-Studie
3.1.1 Fragebogenvorstellung
3.1.2 Die Pretest- und Vorbereitungsphase
3.1.3 Datenerhebungsphase
3.2 Datenaufbereitung, Umkodierung und Deskription der Variablen
3.2.1 Abhängige Variablen: Inanspruchnahme medizinischer Dienstleistungen
3.2.2 Unabhängige Variable: Zuwanderungserfahrung
3.2.3 Unabhängige Variablen: „Predisposing Characteristics“, „Enabling Resources“ und „Need Factors“
3.3 Statistische Modellierung
3.3.1 Regressionsdiagnostik für die linearen Regressionsmodelle
3.3.2 Regressionsdiagnostik für das negative Binomialregressionsmodell
4 Ergebnisse
4.1 Deskriptive Ergebnisdaten
4.2 Induktive Ergebnisdaten
4.2.1 Induktive Ergebnisse für die AV: Inanspruchnahme Hausarzt/Hausärztin
4.2.2 Induktive Ergebnisse für die AV: Inanspruchnahme Facharzt/Fachärztin
4.2.3 Induktive Ergebnisse für die AV: Inanspruchnahme der ersten Hilfe bzw. Notaufnahme
4.2.4 Induktive Ergebnisse für die AV: Inanspruchnahme der Vorsorgemaßnahmen
5 Diskussion
5.1 Interpretation der Ergebnisse
5.2 Stärken und Limitationen der Ergebnisse
5.3 Handlungsempfehlungen
6 Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Inanspruchnahmeverhalten medizinischer Dienstleistungen durch ältere Menschen mit Zuwanderungserfahrung im Vergleich zu Einwohnern ohne Zuwanderungserfahrung im Berliner Bezirk Mitte. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, festzustellen, ob Migrantengruppen bei der Nutzung von Haus- und Facharztpraxen, Notfallambulanzen sowie Vorsorgemaßnahmen benachteiligt sind oder geringere Nutzungsraten aufweisen.
2.5.1.1 Gesundheits- und Krankheitsvorstellungen, -theorien und -konzepte von türkischstämmigen Migrant|inn|en
Hinsichtlich der Gesundheitsvorstellungen konnte Zielke-Nadkarni (1999) mit seinen Ergebnissen zeigen, dass türkischstämmige Migrant|inn|en selbst viel zur Aufrechterhaltung ihrer Gesundheit tun und eine hohe Eigenverantwortung haben. Hierbei sind körperliche Aktivität, gesunde Ernährung, frische Luft und Vermeidung gesundheitsschädlicher Substanzen, wie z.B. Alkohol und Nikotin, zu nennen (Zielke-Nadkarni 1999, 283ff.).
Bei den Krankheitsvorstellungen sind insbesondere vielschichtige, externale Krankheitstheorien vorherrschend. Demnach gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den türkischstämmigen Migrant|inn|en, den autochthonen Deutschen und den (Spät-) Aussiedler/innen. Stützen sich die Vorstellungen und Theorien bei der deutschen Bevölkerung auf naturwissenschaftliches Wissen, ist eine Krankheit in der orientalischen Volksmedizin ein schicksalhaftes, spirituelles oder religiöses Ereignis, das durch Wasser, Luft, magische Einflüsse, böse Geister oder den bösen Blick (Nazar) verursacht und übertragen wird und schließlich einen negativen Einfluss auf die Gesundheit hat (Franz et al. 2007, 332f.; Glier und Erim 2007, 232ff.; Lujić 2008, 26f.; Yilmaz-Aslan et al. 2013, 348f.).
Externale Theorien spielen zudem eine große Rolle bei neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen und werden durch diese erklärt. Diese Krankheiten werden laut Schmerzpatient|inn|en mit türkischer Zuwanderungserfahrung auf Besessenheit durch Geister oder magischen Vorstellungen sowie auch auf andere Ursachen wie Prüfung, Schicksal und Strafe zurückgeführt (Franz et al. 2007, 332f.; Glier und Erim 2007, 231ff.). Durch externale Krankheitstheorien entsteht eine passive Behandlungserwartung, in Folge dessen die Verantwortung für Krankheit und Gesundheit auf die behandelnden Ärzte/Ärztinnen übertragen wird. In der Konsequenz dazu werden die Selbstwirksamkeit, das Eigenverantwortungsgefühl und die Überzeugung der Einflussmöglichkeiten auf den eigenen Gesundheitszustand gemindert (Franz et al. 2007, 336f.; Glier und Erim 2007, 231ff.; Yilmaz-Aslan et al. 2013, 349f.).
1 Einleitung: Beschreibt die Relevanz des Themas Migration und Gesundheit in Deutschland und führt in die Problemstellung der ungleichen Inanspruchnahme medizinischer Leistungen ein.
2 Theoretischer Hintergrund: Erläutert das Health Behavior Model nach Andersen sowie den Stand der Forschung zur gesundheitlichen Lage und zu Verhaltensweisen von Menschen mit Zuwanderungserfahrung.
3 Methodisches Vorgehen: Beschreibt das Studiendesign der LISA-II-Befragung, das Fragebogeninstrumentarium und die statistischen Analyseverfahren zur Auswertung der Daten.
4 Ergebnisse: Präsentiert die deskriptiven Analysen der Stichprobe sowie die induktiven Regressionsmodelle zur Inanspruchnahme der untersuchten medizinischen Dienstleistungen.
5 Diskussion: Interpretiert die Ergebnisse im wissenschaftlichen Kontext, reflektiert Stärken und Limitationen der Studie und leitet Handlungsempfehlungen ab.
6 Fazit: Fasst die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung zusammen und gibt einen Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf.
Inanspruchnahme, Medizinische Dienstleistungen, Zuwanderungserfahrung, Migrationshintergrund, LISA-II-Studie, Berlin-Mitte, Gesundheitsversorgung, Vorsorgemaßnahmen, Hausarzt, Facharzt, Notaufnahme, Gesundheitsverhalten, Soziale Benachteiligung, Integrationspolitik, Versorgungsbarrieren.
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern sich das Inanspruchnahmeverhalten medizinischer Dienstleistungen bei älteren Menschen (ab 60 Jahren) mit Zuwanderungserfahrung von der deutschen Mehrheitsbevölkerung unterscheidet.
Zentrale Themen sind die Migrationsbevölkerung im Bezirk Berlin-Mitte, die gesundheitliche Lage von Migranten, mögliche Zugangsbarrieren zum Gesundheitssystem sowie die tatsächliche Nutzung von Arztbesuchen und Vorsorgemaßnahmen.
Das primäre Ziel ist es, auf Basis einer empirischen Querschnittsstudie (LISA-II) festzustellen, ob Menschen mit türkischer, polnischer oder russischer Zuwanderungserfahrung eine verringerte Inanspruchnahme medizinischer Leistungen aufweisen als Deutsche ohne Zuwanderungserfahrung.
Es wurde eine quantitative Querschnittsstudie durchgeführt. Die Daten wurden mittels multivariater Regressionsanalysen (unter Berücksichtigung von Predisposing Characteristics, Enabling Resources und Need Factors) statistisch ausgewertet.
Der Hauptteil umfasst den theoretischen Rahmen inklusive des Verhaltensmodells von Andersen, das methodische Vorgehen bei der Datenerhebung sowie die ausführliche deskriptive und induktive Darstellung der Ergebnisse.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Inanspruchnahmeforschung, Zuwanderungserfahrung, gesundheitliche Ungleichheit, Migrationshintergrund und Versorgungsplanung im öffentlichen Gesundheitswesen beschreiben.
Die Ergebnisse zeigen eine statistisch signifikant geringere hausärztliche Inanspruchnahme bei russischstämmigen Migranten, was durch spezifische Informationsdefizite und unterschiedliche gesundheitliche Vorstellungen im Vergleich zu anderen Gruppen erklärt wird.
Besondere Herausforderungen waren die niedrige Rücklaufquote, die Notwendigkeit der mehrsprachigen Fragebogenaufbereitung und die Unterrepräsentierung bestimmter Migrantengruppen, was den Einsatz statistischer Methoden zur Gewichtung und Imputation erforderlich machte.
Die Arbeit verdeutlicht, dass insbesondere bei türkisch- und polnischstämmigen Befragten die Familie als zentrale Unterstützungsinstanz fungiert, was die Inanspruchnahme professioneller ambulanter Pflege- oder medizinischer Angebote beeinflussen kann.
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