Examensarbeit, 2008
66 Seiten, Note: 2,0
Einleitende Bemerkungen
1. Historischer Hintergrund
2. Rolf Hochhuth: Der Stellvertreter
2.1 Realitätsgetreue Darstellung des Nationalsozialismus als Ziel des Stellvertreters
2.2 Die moralische Intention
2.3 Der Doktor
2.3.1 Analayse des Fünften Aktes
2.3.2 Auschwitz auf der Bühne
3. Peter Weiss: Die Ermittlungen
3.1. Fragmentarisch- reduktionistische Momente
3.1.2 Die Täter- und Opferperspektive: Erinnern und Berichten als Konzept des „Ermittelns“ über Auschwitz
3.1.3 Einheitliche Momente
3.2. Erklärungsmodell und Geschichtsdeutung
3.3 Die lineare Geschichtsdeutung
3.3.1 Die Ausbeutungsthese
3.3.2 Kontinuitätsthese
4. Gesellschaftlich-politisches Wirkungspotential von „Die Ermittlung“
5. Kritik an „Die Ermittlung“
6. Vergleich
7. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische und bühnentechnische Herangehen an die Darstellung von Auschwitz in zwei bedeutenden Werken des politischen Dokumentartheaters der 1960er Jahre: Rolf Hochhuths „Der Stellvertreter“ und Peter Weiss’ „Die Ermittlung“. Ziel ist es, die unterschiedlichen Konzepte der Autoren zu analysieren, wie sie den Holocaust literarisch reflektieren und die Frage nach moralischer Verantwortung sowie gesellschaftlicher Schuld in der jungen Bundesrepublik thematisieren.
2. Rolf Hochhuth: „Der Stellvertreter“
Kaum ein Stück der Nachkriegszeit hat in der westdeutschen Öffentlichkeit eine ähnlich heftige Diskussion ausgelöst wie „Der Stellvertreter“ von Rolf Hochhuth, und keines wohl kann in gleichem Maße für sich beanspruchen, das Thema der Vergangenheitsbewältigung, als eines von größtem Belang, der Öffentlichkeit aufgedrungen und somit eine Auseinandersetzung auf der Bühne geradezu erzwungen zu haben. Erst „Der Stellvertreter“ hat die Welle des Dokumentartheaters mit dem zentralen Thema des Nationalsozialismus’ ausgelöst und durch den Dramentypus auch die Reflexion zeitgeschichtlicher Sachverhalte weitgehend festgelegt, die dann bis weit in die 70er Jahre bestimmend geblieben ist.
Das Stück hat unmittelbar nach der Uraufführung und der Veröffentlichung der Buchausgabe zu einer langen und heftigen Diskussion geführt, die sehr bald auch in zwei Sammelbänden dokumentiert worden ist. In dieser Debatte waren zwei Themen zentral: Zum einen die historische Rolle der katholischen Kirche und insbesondere die des Papstes gegenüber den Verbrechen des Dritten Reiches, speziell der Massenvernichtung in den Lagern, zum anderen die moralische Frage der Verantwortlichkeit des Einzelnen. Einen Hintergrund hierfür bildet auch das allgemeine Problem der Darstellbarkeit von Auschwitz.
Historischer Hintergrund: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über das nationalsozialistische Lagersystem, die Rassenideologie und die systematische Vernichtung der europäischen Juden.
Rolf Hochhuth: Der Stellvertreter: Das Kapitel analysiert Hochhuths Versuch, den Holocaust durch moralische Dramatik und die Figur des „Doktors“ als Verkörperung des Bösen auf die Bühne zu bringen.
Peter Weiss: Die Ermittlungen: Hier wird das Gerichtsdrama von Weiss untersucht, das auf dokumentarischem Material basiert und eine sachlich-analytische Darstellung anstrebt.
Gesellschaftlich-politisches Wirkungspotential von „Die Ermittlung“: Dieses Kapitel betrachtet, wie das Stück als Appell an den Rezipienten fungiert, die gesellschaftlichen Zusammenhänge zwischen Kapitalismus und Faschismus zu hinterfragen.
Kritik an „Die Ermittlung“: Eine Auseinandersetzung mit der Rezeption und den Vorwürfen von Kritikern wie James E. Young gegenüber der politischen Ausrichtung des Werkes.
Vergleich: Der direkte Vergleich stellt Hochhuths moralisch-christlichen Ansatz der Weiss’schen politisch-ökonomischen Analyse gegenüber.
Fazit: Eine abschließende Betrachtung darüber, wie beide Autoren das „Unbegreifliche“ des Holocausts zu fassen suchen und welche Rolle der Begriff des Bösen in ihren Werken spielt.
Auschwitz, Holocaust, Nationalsozialismus, Dokumentartheater, Rolf Hochhuth, Peter Weiss, Vergangenheitsbewältigung, Moralische Verantwortung, Schuldfrage, Kapitalismuskritik, christliches Trauerspiel, Theodizee, Antisemitismus, Erinnerungskultur, Systemkritik.
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Auschwitz und dem Holocaust in zwei zentralen Dokumentardramen der 1960er Jahre.
Neben der literarischen Aufarbeitung des Holocausts stehen moralische Verantwortung, institutionelles Schweigen und die Verstrickung von Wirtschaft und System im Fokus.
Ziel ist der Vergleich der unterschiedlichen Konzepte von Rolf Hochhuth und Peter Weiss bei der literarischen Reflexion der NS-Vergangenheit.
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse und stützt sich auf historische Kontexte sowie zeitgenössische Theaterkritiken.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Untersuchung der beiden Dramen hinsichtlich ihrer Ästhetik, Intention und ihrer jeweiligen Geschichtsdeutung.
Zentrale Begriffe sind Dokumentartheater, moralische Instanz, Kapitalismuskritik, individuelle Schuld und Systemverantwortung.
Der Doktor wird bei Hochhuth als mythische, metaphysische Verkörperung des Bösen inszeniert, um die Unbegreiflichkeit der Vernichtung auf eine übergeordnete Ebene zu heben.
Die Form des Gerichtsdramas dient Weiss dazu, durch die Montage von Fakten ein „Konzentrat“ der Wahrheit zu erstellen, ohne auf pathetische Überhöhung angewiesen zu sein.
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