Examensarbeit, 2002
132 Seiten, Note: 1,0
0 Einleitung
1 Zum Begriff der Leistung
1.1 Schulleistung
2 Leistung in der Schule. Warum?
2.1 Anthropologische Gründe
2.2 Das Leistungsprinzip in unserer Gesellschaft
2.3 Der Bildungsauftrag der Schule
3 Einführung in die Thematik der schulischen Leistungsbewertung
3.1 Zum Begriff der Leistungsmessung
3.2 Zum Begriff der Leistungsbewertung
3.3 Zum Begriff der Zensur
3.4 Herkunft von Noten und Wortzeugnissen
3.5 Bezugsnormen der Leistungsmessung
3.5.1 Der intraindividuelle Maßstab
3.5.2 Die soziale Norm
3.5.3 Die kriteriumsorientierte Bezugsnorm
3.6 Die Gütekriterien der Leistungsbewertung
3.6.1 Objektivität
3.6.2 Reliabilität
3.6.3 Validität
3.7 Die Aufgaben der Leistungsfeststellung
3.7.1 Die pädagogische Entwicklungsfunktionen
3.7.2 Die gesellschaftliche Steuerungsfunktionen
3.8 Die Problematik des Leistungsprinzips in der Schule
3.8.1 Subjektive Störfaktoren der Leistungsbeurteilung durch Zensuren
3.8.2 Gesellschaftliches und unpädagogisches Leistungsverständnis
4 Der pädagogische Leistungsbegriff in der Grundschule
4.1 Andere Bewertungsformen
4.2 Betonung des individuellen Lernfortschritts
4.3 Vermeidung von Wettbewerbssituationen
4.4 Produkt- und Prozessbezogenheit der Leistung
4.5 Leistung als problemmotiviertes Lernen
4.6 Erfolgmotivierendes Lernen
5 Allgemeines über die Verbalbeurteilung
5.1 Die verschiedenen Zeugnisregelungen der Primarstufe in den Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland
5.2 Verbalbeurteilung an den Grundschulen in Bayern
5.3 Rechtsgrundlagen und amtliche Bestimmungen
5.4 Lernentwicklungsberichte statt Notenzeugnisse
5.4.1 Argumente, die für die Verbalbeurteilung sprechen
5.4.2 Argumente, die gegen die Verbalbeurteilung sprechen
6 Ziffernzeugnis oder Verbalbeurteilung im Mathematikunterricht der Grundschule?
6.1 Einführung in die Thematik der Leistungsbewertung im Mathematikunterricht der Grundschule
6.2 Der Mythos von der Objektivität der Noten
6.3 Heißt Verzicht auf Noten Verzicht auf Leistung?
6.4 Untersuchungen über die Art und Weise des Einsatzes des Verbalzeugnisses im Mathematikunterricht der Grundschule
6.4.1 Informative Aufgabenstellungen als Grundlage für Verbalbeurteilung
6.4.2 Von der Leistungswahrnehmung zur verbalen Darstellung
6.5 Mathematikleistungen verbal beurteilen ja, aber wie?
7 Praxisteil
7.1 Ergebnisse der Schülerbefragung der 3. Klasse
7.1.1 Methodisches Vorgehen und statistische Daten
7.1.2 Auswertung der Schülerbefragung
7.2 Ergebnisse der Elternbefragung
7.2.1 Methodisches Vorgehen und statistische Daten
7.2.2 Auswertung der Elternbefragung
7.3 Ergebnisse der Lehrerbefragung
7.3.1 Methodisches Vorgehen und statistische Daten
7.3.2 Auswertung der Lehrerbefragung
8 Schlussgedanke
Die vorliegende Zulassungsarbeit setzt sich kritisch mit der Leistungsbeurteilung in der bayerischen Grundschule auseinander, mit einem speziellen Fokus auf den Mathematikunterricht. Das Hauptziel der Arbeit ist es, die pädagogische Begründbarkeit von Leistungsanforderungen zu untersuchen und die Verbalbeurteilung als eine alternative Form zur in Bayern üblichen Zensurengebung zu analysieren, wobei empirische Daten aus Befragungen von Schülern, Eltern und Lehrern einbezogen werden.
Die Kontrollfunktion
Die Kontrolle durch die Leistungsbewertung besteht darin, dem Schüler wie auch dem Lehrer eine Rückmeldung zu liefern, in wieweit der Schüler das vorgegebene Lernziel erreicht hat. Dies soll dem Schüler helfen, sein Leistungsvermögen einzuschätzen und somit seine eigenen Schwächen vermindern und Stärken fördern zu können. Dies wird dem Schüler jedoch nur dann möglich sein, wenn er die Notenbewertung durch den Lehrer auch gerecht empfindet. Falls nicht, nutzt er die Bewertung nicht als Anreiz, sein Leistungsvermögen zu verbessern, sondern schiebt sein Versagen auf die, nach seinem Empfinden, falsche und ungerechte Bewertung seitens des Lehrers.
Für den Lehrer dient die Kontrolle als Rückmeldung über seinen eigenen Lehrerfolg. Wichtig ist hierbei, dass der Lehrer eine schlechte Note nicht mit dem Unvermögen des Schülers abtut, sondern diese als Anreiz für eventuell neue Arbeits- und Differenzierungsmethoden aufnimmt. 35
„In der Schule sollte Leistung in erster Linie gemessen werden, um die Institution, den Unterricht und den Lehrer zu kontrollieren. Mit jeder Klassenarbeit prüft der Lehrer sich selbst.“ 36
0 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung von Lernen und Leisten in der Grundschule und führt in die Problematik des Spannungsfeldes zwischen individueller Entfaltung und gesellschaftlichen Leistungsanforderungen ein.
1 Zum Begriff der Leistung: Dieses Kapitel erläutert die etymologische Herkunft des Leistungsbegriffs und dessen Wandel von einer prozessorientierten hin zu einer primär produktbezogenen Auslegung.
2 Leistung in der Schule. Warum?: Hier werden anthropologische Grundlagen, das Leistungsprinzip in der Gesellschaft sowie der Bildungsauftrag der Schule als Begründung für schulische Leistungen diskutiert.
3 Einführung in die Thematik der schulischen Leistungsbewertung: Das Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Leistungsmessung, Leistungsbewertung und Zensur und setzt sich mit Bezugsnormen, Gütekriterien sowie den pädagogischen und gesellschaftlichen Funktionen der Leistungsfeststellung auseinander.
4 Der pädagogische Leistungsbegriff in der Grundschule: Es wird ein kindzentrierter Leistungsbegriff entworfen, der den individuellen Lernfortschritt betont, Wettbewerbssituationen vermeiden soll und Leistung als prozesshaften Lernvorgang versteht.
5 Allgemeines über die Verbalbeurteilung: Das Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Zeugnisregelungen in Deutschland, die Rechtsgrundlagen in Bayern und diskutiert Argumente für und gegen die Verbalbeurteilung.
6 Ziffernzeugnis oder Verbalbeurteilung im Mathematikunterricht der Grundschule?: Hier wird die Thematik spezifisch auf das Fach Mathematik übertragen, die vermeintliche Objektivität von Noten kritisch hinterfragt und Möglichkeiten für eine informative, prozessorientierte Leistungsrückmeldung diskutiert.
7 Praxisteil: Der Praxisteil präsentiert die empirischen Ergebnisse der durchgeführten Befragungen von Schülern der 3. Klasse, Eltern sowie Lehrkräften bezüglich ihrer Einstellungen zu Noten und Verbalbeurteilung.
8 Schlussgedanke: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, konstatiert die noch geringe Akzeptanz der Verbalbeurteilung und fordert eine verbesserte Lehrerausbildung sowie verstärkte Elternarbeit zur Etablierung pädagogischer Bewertungsformen.
Leistungsbeurteilung, Grundschule, Verbalbeurteilung, Notengebung, Ziffernzeugnis, Leistungsbegriff, Mathematikunterricht, pädagogische Diagnostik, Leistungsdruck, Schulleistung, Lernentwicklung, Bildungsauftrag, Bezugsnorm, Selektion, Motivationsfunktion
Die Arbeit untersucht kritisch den Einsatz von Ziffernnoten in der Grundschule und analysiert das Potenzial der Verbalbeurteilung als alternative, pädagogisch sinnvollere Form der Leistungsrückmeldung, insbesondere im Mathematikunterricht.
Zentrale Themen sind der Begriff der schulischen Leistung, die Funktionen und Probleme der Leistungsbewertung (insbesondere der Notengebung), sowie die theoretische und praktische Auseinandersetzung mit der Verbalbeurteilung.
Ziel ist es, die Leistungsanforderungen der Schule pädagogisch zu legitimieren und die Verbalbeurteilung als Alternative zur üblichen Zensurengebung wissenschaftlich zu untersuchen und durch empirische Befragungen in der Praxis zu prüfen.
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse zu den Themen Leistungsbegriff und Leistungsbewertung mit einem empirischen Praxisteil, der Befragungen von Schülern, Eltern und Lehrern umfasst.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit Leistungsbewertung und Schulpädagogik sowie eine spezifische Betrachtung des Mathematikunterrichts. Zudem wird die Praxis der Verbalbeurteilung in verschiedenen Bundesländern und im Detail in Bayern analysiert.
Wichtige Begriffe sind Leistungsbeurteilung, Verbalbeurteilung, Notengebung, Ziffernzeugnis, Leistungsbegriff, Mathematikunterricht, Lernentwicklung, Bezugsnorm und Selektion.
Die Schülerbefragung ergab eine ambivalente Haltung: Einerseits werden Noten als Leistungsnachweis geschätzt, solange sie im guten Bereich liegen; andererseits belastet der Notendruck stark. Die Akzeptanz für die bestehende Verbalbeurteilung am Zeugnisanfang war teils gering.
Die befragten Lehrkräfte erkennen zwar teilweise die Vorteile einer Verbalbeurteilung, sehen sich jedoch durch den hohen Zeitaufwand und die systembedingten Vorgaben zur Zensurengebung gezwungen, primär Noten zu verwenden, was oft zu einer Vernachlässigung differenzierter Rückmeldungen führt.
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