Masterarbeit, 2020
88 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Forschungsüberblick
3. Blakes Illustrationen des Teufels
3.1. Unter gefallenen Engel
3.2. Teufel, Sünde und Tod
3.3. Der Teufel abseits der göttlichen Ordnung
3.4. Das Böse über den Menschen
3.5. Die rebellischen Engel
3.6. Der Sieg des Teufels
4. Zusammenfassung des Verlorenem Paradises aus der Sicht des Teufels
5. Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bild-Text-Verhältnis in den Illustrationen von William Blake zu John Miltons "Verlorenem Paradies" mit dem Fokus auf die Darstellung der Teufelsfigur, um zu klären, ob Blake eine bewusste Differenzierung zwischen Luzifer und Satan vornimmt.
3.1. Unter gefallenen Engel
Im englischen Original lautet der Titel Satan Arousing the Rebel Angels (Abb. 1). Der deutsche Titel Satan weckt die rebellischen Engel fasst in einem Satz das Kernthema des Werks zusammen. Ein alternativer Name des Werks lautet auch: Satan stachelt die aufständischen Engel an. Beide Übersetzungen wirken gleich, doch haben die Worte aufwecken und anstacheln eine jeweils andere Bedeutung, die auf verschiedene Möglichkeiten hinführen. Ersteres führt zu der Annahme, dass die bereits aufgelehnten Engel aus einem Schlaf erweckt werden. Der zweite Titel erzeugt die Vorstellung, Satan stachelt die gefallenen Engel zu einem erneuten Aufstand an. Das Entstehungsjahr von 1808 verordnet das Bild in die Epoche des frühen 19. Jahrhunderts. Im diesen Jahr erhielt Blake den Auftrag von Butts, an eine Wasserfarbenserie zu arbeiten. Der Einsatz von Federstrichen verstärkt sogar einen skizzenhaften, weichen Eindruck, ohne Details auszulassen. Mit einer Höhe von 51,4 cm und einer Breite von 39 cm im Hochformat ist das Bild klein und handlich. Das Victoria and Albert Museum in London dient als Aufbewahrungsort. Dieses Werk beinhaltet den Aufstand der gefallenen Engel angeführt vom Hauptteufel, der im verlorenem Paradies Satan genannt wird.
Das Ereignis, das der erste Gesang abhandelt, findet in der Bibel vor der Erschaffung des Menschen statt. Die genaue Textstelle aus dem Verlorenem Paradies, dass im Bild dargestellt ist lautet: „So sprach der Satan zu den Leidgefährten, Das Haupt der Flut enthoben, und die Augen In Flammen funkelnd; niederwärts gebeugt“ (1. Gesang, S. 5). Das Bild stellt die Szene dar, wie Satan die anderen gefallenen Engel zu einem erneuten Aufstand überreden will. Dies entspricht der Rede, die mit „Erwacht! Erhebt euch oder bleibt gestürzt!“ (1. Gesang, S. 9) endet. Woraufhin sich die gefallenen Engel erheben. Im Zentrum des Geschehens steht die Hauptteufelsfigur präsentativ vor einem flammenden Hintergrund. Er ist die einzige Figur, die steht. Um ihn herum sind weitere Personen versammelt. Von der Kopfzahl zählend, sind sieben Figuren sichtbar.
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Rolle des Teufels in der christlichen Kultur und Miltons Epos und führt in Blakes spezifische Bildkompositionen ein.
2. Forschungsüberblick: Dieses Kapitel fasst den wissenschaftlichen Diskurs zur kunsthistorischen Rezeption von Milton und Blake zusammen und verortet die Arbeit in diesem Kontext.
3. Blakes Illustrationen des Teufels: Der Hauptteil analysiert detailliert ausgewählte Bildmotive Blakes, unterteilt in die verschiedenen Szenen der Teufelsdarstellung.
3.1. Unter gefallenen Engel: Analyse der Darstellung Satans bei der Aufstachelung der rebellischen Engel unter Berücksichtigung von Blakes Komposition und Textbezügen.
3.2. Teufel, Sünde und Tod: Untersuchung des Dreiergespanns Satan, Sünde und Tod als allegorische Auseinandersetzung.
3.3. Der Teufel abseits der göttlichen Ordnung: Betrachtung von Christus und der Rolle des Teufels als Nebenfigur in der Szene der Erlösung.
3.4. Das Böse über den Menschen: Analyse der Szene, in der Satan das erste Menschenpaar im Paradies beobachtet.
3.5. Die rebellischen Engel: Untersuchung der großflächigen Darstellung des Engelsturzes als zentrales dramatisches Ereignis.
3.6. Der Sieg des Teufels: Analyse der abschließenden Darstellungen, die den Teufel in seiner "ursprünglichen Herrlichkeit" und bei der Verführung Evas zeigen.
4. Zusammenfassung des Verlorenem Paradises aus der Sicht des Teufels: Eine komprimierte Darstellung der Geschichte Miltons mit Fokus auf die Perspektive der Teufelsfigur.
5. Schluss: Zusammenführung der Ergebnisse zur Leitfrage nach der Unterscheidbarkeit von Luzifer und Satan in Blakes Werk.
William Blake, John Milton, Verlorenes Paradies, Satan, Luzifer, Teufelsdarstellung, Bild-Text-Verhältnis, Engelsturz, Aquarellserie, Adam und Eva, Romantik, Bildanalyse, Ikonographie, Antagonismus, Sündenfall.
Die Masterarbeit untersucht, wie William Blake die Figur des Teufels in seinen Illustrationen zu John Miltons "Verlorenem Paradies" visuell interpretiert und ob er dabei eine bewusste Unterscheidung zwischen den Entitäten Luzifer und Satan trifft.
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der kunsthistorischen Analyse von Blakes Illustrationen, der Interpretation des Teufelsbildes in der Literatur und Kunst sowie dem Vergleich zwischen den biblischen und miltonschen Erzählstrukturen.
Die zentrale Leitfrage lautet: Erkennt Blake eine Unterscheidung zwischen Luzifer und Satan, und wenn ja, durch welche bildnerischen Mittel und Argumente pflegt er diese zu unterscheiden?
Die Methode stützt sich auf eine detaillierte Analyse des Bild-Text-Verhältnisses, bei der bildliche Daten mit den literarischen Quellen von John Milton und biblischen Kontexten in Beziehung gesetzt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse von insgesamt vierzehn Illustrationen, die den Teufel in seinen verschiedenen Rollen – vom gefallenen Engel bis hin zum Verführer – zeigen.
Zentrale Begriffe sind William Blake, John Milton, Verlorenes Paradies, Satan, Luzifer, Teufelsdarstellung, Ikonographie und Bild-Text-Verhältnis.
Die Arbeit legt dar, dass die visuelle Unterscheidung – etwa durch die Verwendung von Flügelformen oder der räumlichen Einordnung – Blakes tiefes Verständnis für die unterschiedlichen theologischen und mythologischen Qualitäten der beiden Figuren widerspiegelt.
Die Schlange wird nicht nur als Tier, sondern in enger Symbiose oder als Teil des Teufels dargestellt, was Blakes Versuch verdeutlicht, das Böse als eine komplexe, teils drachenartige oder voyeuristische Präsenz im paradiesischen Raum zu visualisieren.
Die Arbeit analysiert, dass sich Blakes Darstellungen je nach Auftraggeber (Butts, Thomas, Linnell) in Details, Ausführlichkeit und Farbwahl unterscheiden, was Rückschlüsse auf Blakes individuelle künstlerische Freiheit und Anpassungsfähigkeit zulässt.
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