Diplomarbeit, 2008
68 Seiten, Note: 2
Kapitel I
Einleitung
1. Wissenschaft der Demographie
2. Demographische Entwicklung im globalen Kontext
3. Bevölkerungsentwicklung Europa
3.1 Historischer Rückblick
3.2 Aktuelle Situation
Kapitel II
1. Demographischer Wandel
2. Der Problemdiskurs
2.1 Akteure und Profiteure
2.2 Politik
2.3 Ökonomie/ Wirtschaft
2.3.1 Konzerne
2.3.2 Industrie und Handwerk
2.3.3 Gesundheit und Pflege
Kapitel III
1. Soziale Alten-Arbeit
2. Zur Begriffsbestimmung Alt
2.1 Altenbilder
2.2 Das Konzept der Persönlichen Assistenz
2.2.1 Stationäre Pflegeeinrichtungen
2.2.2 Ambulante Betreuung
3. Soziale Altenarbeit im Kontext des Demographischen Wandels
Zusammenfassung und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die aktuelle gesellschaftliche Diskussion um den „Demographischen Wandel“ und analysiert kritisch, inwieweit dieser Diskurs als Krisenszenario konstruiert wird. Dabei wird insbesondere hinterfragt, welche Rolle Politik, Wirtschaft und Experten bei der Definition dieses sozialen Problems spielen und welche Konsequenzen sich daraus für die Soziale Altenarbeit ergeben.
2. Der Problemdiskurs
Soziale Probleme, davon ist auszugehen, konstituieren sich in (öffentlichen) Diskursen und durch diese wird eine soziale Wirklichkeit hergestellt. Sie spiegeln nicht einfach die gesellschaftliche Wirklichkeit wieder und sind folglich keine Abbildungen der Realität. Sie entfalten eine strukturbildende Kraft und konstituieren so gesellschaftliche Wirklichkeit. (vgl. Bettinger, 2005, S. 381)
Was ist ein Soziales Problem? Bildet es die Grundlage für einen Diskurs oder (wovon auszugehen ist) wird es durch diesen erst geschaffen? Die Erklärung von Michael Schetsche ist einfach: „Ein soziales Problem (von nun an immer: im (!) soziologischen Sinne) ist vielmehr alles, was von kollektiven Akteuren, der Öffentlichkeit oder dem Wohlfahrtsstaat als solches angesehen und bezeichnet wird.“ (Schetsche, 1996, S. 2) Ob der zugrunde liegende soziale Sachverhalt zu recht (nach wissenschaftlichen Kriterien) problematisiert wurde spielt dabei keine Rolle.
Hat ein Tatbestand den politischen Charakter eines sozialen Problems angenommen ist das zurück zu führen auf einen Definitions- und Konstitutionsprozess bestimmter beteiligter Gruppen oder einzelner Personen. Es kann sich um die Definition von Situationen (die Beteiligten stehen in einem gemeinsamen Kontext, einigen sich über dessen Bedeutung und definieren dadurch die so entstandene Situation) und/oder die Konstruktion von Wirklichkeit (die Beteiligten einigen sich über einen bestimmten, bestehenden Sachverhalt, produzieren ein gemeinsames Bild und konstruieren auf diese Weise Realität bzw. Tatbestände) handeln. Die Konstitution bestimmter Tatbestände ist gelungen, wenn durchgesetzt wird, dass sie als sozial verbindlich angesehen werden. (Sidler, 1999, S. 27– 28) „Sozialwissenschaftlich gesehen ist das ein soziales Problem, was gesellschaftlich-politisch als soziales Problem gilt.“ (ebd. 1999, S. 28) Es ist nicht entscheident, im soziologischen Sinn, dass bei einer Problematisierung mit dem Begriff „soziales Problem“ gearbeitet wird. „(…) entscheident ist, daß (!) eine gesellschaftliche Problematisierung mit einem bestimmten politischen Ergebnis abläuft.“ (ebd. 1999, S. 32)
Kapitel I: Einführung in die demographische Wissenschaft und die historische sowie aktuelle Bevölkerungsentwicklung in Europa.
Kapitel II: Analyse des demographischen Wandels als soziales Problem sowie Untersuchung der beteiligten Akteure, Profiteure, politischer Interessen und ökonomischer Aspekte.
Kapitel III: Fokus auf die Soziale Altenarbeit, Begriffsdefinitionen zum Alter, Konzepte der Persönlichen Assistenz und Einordnung der Altenarbeit in den Kontext des demographischen Wandels.
Demographischer Wandel, Soziale Altenarbeit, Bevölkerungspolitik, Problemdiskurs, Überalterung, Rentenversicherung, Persönliche Assistenz, Globalisierung, Soziale Sicherungssysteme, Altenbilder, Sozialwissenschaft, Bevölkerungsstruktur, Wohlfahrtsstaat.
Die Arbeit analysiert kritisch, wie der demographische Wandel in der öffentlichen Debatte als soziales Krisenszenario dargestellt wird und welche Akteure von dieser Problematisierung profitieren.
Die Arbeit behandelt die Konstruktion sozialer Probleme, die Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf Renten- und Gesundheitssysteme, die Rolle der Politik sowie die Herausforderungen und Potenziale der Sozialen Altenarbeit.
Das Ziel ist es, den demographischen Diskurs zu dekonstruieren und aufzuzeigen, dass Bevölkerungsschrumpfung und Altern oft instrumentalisiert werden, anstatt zukunftsfähige und bedürfnisorientierte Ansätze in der sozialen Arbeit zu fördern.
Die Autorin nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise, um die Konstruktionsprozesse sozialer Probleme basierend auf soziologischer Theorie und aktueller Datenlage zu untersuchen.
Der Hauptteil analysiert die Akteurskonstellationen im Problemdiskurs (Politik, Experten, Wirtschaft), thematisiert die Renten- und Gesundheitspolitik sowie die Situation in der Altenpflege und diskutiert das Konzept der Persönlichen Assistenz.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören demographischer Wandel, Soziale Altenarbeit, Problemkonstruktion, Rentenfinanzierung, Autonomie im Alter und Persönliche Assistenz.
Sie argumentiert, dass Begriffe wie „Rentner-Tsunami“ oder „Krieg der Generationen“ gezielt Ängste schüren und von der Notwendigkeit ablenken, die sozialen Sicherungssysteme strukturell an veränderte Bedingungen anzupassen.
Die Autorin sieht in der Persönlichen Assistenz ein bisher zu wenig genutztes Konzept in der Sozialen Altenarbeit, das Selbstbestimmung fördern könnte, anstatt Bewohner nur in strukturelle Abläufe stationärer Einrichtungen zu pressen.
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