Bachelorarbeit, 2018
57 Seiten, Note: 1,00
I Einleitung
1. Kämpfende Ästhetik
2. Zur Forschungslage und dem methodischen Vorgehen
II Die „Rote Kapelle“ im historischen Kontext
1. Entstehung, Weltanschauung, Mitgliederübersicht und –profile
1.1 Harro Schulze-Boysen – ein Mann wie eine Flamme
1.2 Arvid Harnack
1.3 Hans Coppi und Horst Heilmann
1.4 Was blieb uns anderes übrig, als die Völker zu informieren, was der Faschismus gegen sie im Schilde führte
2. Das Wirken und die Zerschlagung der Harnack/Schulze-Boysen Gruppe
2.1 Tausend Grüße allen Freunden
2.2 Graduelle Programmatikunterschiede innerhalb der Gruppe
2.3 Es gilt nur letzte Wahrheit dem überscharfen Blick und ungetrübte Klarheit wird hier zum Daseinsglück
3. Die Ausnahmeerscheinung des deutschen Widerstands
3.1 Warum sind nicht mehr Leute aus Trotz gut?
3.2 Und die Gestapo schrieb Geschichte
3.3 Die Erinnerungs(un)kultur
III Die Ästhetik des Widerstands – ein widerständiger Roman
1. Die „kämpfende Ästhetik“ – eine Symbiose kultureller, politischer und gesellschaftlicher Schöpfung
1.1 Kunst und Literatur als Mittel friedlichen Widerstands
1.2 Ein politischer Weg – eine Volksfront
1.3 Der Widerstand in der Ästhetik des Widerstands
2. Schönheit: sie ist zu finden in den Gesichtern des Widerstands - Die „Rote Kapelle“ in der Ästhetik des Widerstands
2.1 Dichtung und Wahrheit
2.2 Die „Rote Kapelle“ – ein Paradigma für die Verwirklichung der Volksfrontidee
2.3 Die Frauen der Harnack/Schulze-Boysen Gruppe in der ÄdW
2.4 Politische Zielstellung der Harnack/Schulze-Boysen Gruppe
2.5 Plötzensee
2.6 Heilmann an Unbekannt
2.7 O Herakles!
IV Resümee
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ (Harnack/Schulze-Boysen) in Peter Weiss’ Roman „Die Ästhetik des Widerstands“. Ziel ist es, die Motive des Autors für die Integration dieser Gruppe zu ermitteln, ihre literarische Funktion im Werk zu analysieren und wirkungsgeschichtlich einzuordnen, wobei auch eine kritische Reflexion zur Aktualität des Romans im Kontext der gegenwärtigen Erinnerungskultur erfolgt.
Die „kämpfende Ästhetik“ – eine Symbiose kultureller, politischer und gesellschaftlicher Schöpfung
Nicht die traditionellen Begriffe des Schönen und des Harmonischen bezeichnet eine „kämpfende Ästhetik“ im Sinne Weiss‘, sondern den Kampf des Menschen, um sich selbst einer höheren Bewusstseinsebene anzunähern. In der Trilogie Peter Weiss‘ werden nämlich die Menschen geschildert, die in einem politischen Kampf stehen, diesen als zu eng empfinden und einsehen, dass hierzu unausweichlich die kulturelle Dimension einbezogen werden muss. Diese Ästhetik symbolisiert sowohl den Prozess der Eroberung des Zugangs zu kulturellen Gütern, als auch den Prozess des Autors einerseits und der namenlosen Ich-Figur andererseits.
Anders ausgedrückt geht es in der Ästhetik des Widerstands zum einen um das Bewusstsein über einen politischen Weg, der präzise sein muss um wirksam zu sein, der allerdings selten präzise sein konnte und in der Menschheitsgeschichte kaum jemals präzise gewesen war, und zum anderen handelt der Roman von der Welt um diesen jungen anonymen revolutionären Denker, von der Welt der vielen Gestalten und Figuren, der ständigen Widersprüche, Auseinandersetzungen, Feindseligkeiten, Gewalttaten etc., die permanent auf diese Ich-Figur eindrängt.
Zusammengefasst schildert die Ästhetik des Widerstands den antifaschistischen Kampf der 30er und 40er Jahre des letzten Jahrhunderts und gleichzeitig weist sie auf einen historischen Vollzug hin, der sich bis in die Gegenwart täglich wiederholt. Außerdem zwingt Peter Weiss nicht nur seine Ich-Figur sich ständig zu überdenken und neue Perspektive anzunehmen, der Leser selbst ist stets dem Andrang ausgesetzt, sich hier und da neu zu reflektieren, um an dieser Welt teilnehmen zu können. Vor allem ist aber die Ästhetik des Widerstands ein gewaltiger Dialog, sowohl zwischen den Figuren des Romans, als auch und zwar gerade deshalb, mit dem Leser. Nur ein Leser, der sich auf diesen Dialog einlässt, ist dem Roman gewachsen.
I Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk Peter Weiss’ ein und erläutert die zentrale Bedeutung der „Roten Kapelle“ für die Konzeption des Romans.
II Die „Rote Kapelle“ im historischen Kontext: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entstehung und das Wirken der Gruppe um Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen nach.
III Die Ästhetik des Widerstands – ein widerständiger Roman: Hier erfolgt eine detaillierte Analyse, wie Peter Weiss die historische Widerstandsgruppe literarisch in sein Werk integriert und ästhetisch verarbeitet.
IV Resümee: Das abschließende Resümee reflektiert die Aktualität des Romans für die gegenwärtige Gesellschaft und die Literaturwissenschaft.
Peter Weiss, Die Ästhetik des Widerstands, Rote Kapelle, Harnack, Schulze-Boysen, antifaschistischer Widerstand, Volksfront, Literaturwissenschaft, Erinnerungskultur, Nationalsozialismus, Geschichtsschreibung, Widerstandsbegriff, Exilliteratur, politische Ästhetik, historische Identität.
Die Arbeit untersucht die literarische Darstellung der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“ in Peter Weiss’ Roman „Die Ästhetik des Widerstands“ und verknüpft dabei historische Fakten mit der literaturwissenschaftlichen Analyse.
Im Zentrum stehen die historische Einordnung der Gruppe Harnack/Schulze-Boysen, deren Transformation in das literarische Werk von Peter Weiss sowie die gesellschaftspolitische Rezeption dieses Widerstands nach 1945.
Das Ziel ist zu ergründen, warum Peter Weiss die „Rote Kapelle“ als Fundament seines Romans wählte, welche literarische Funktion sie dort erfüllt und wie sich das Bild dieser Gruppe in der deutschen Erinnerungskultur gewandelt hat.
Die Arbeit nutzt Methoden der historisch-kritischen Forschung für den biographischen Teil sowie hermeneutische und soziogeschichtliche Ansätze zur Analyse des Romans.
Der Hauptteil gliedert sich in eine zeitgeschichtliche Darstellung der Gruppe im ersten Abschnitt und eine tiefgehende Analyse der „Roten Kapelle“ innerhalb des Romans im zweiten Abschnitt.
Zu den prägenden Begriffen zählen „kämpfende Ästhetik“, der Widerstandsbegriff gegen den Nationalsozialismus, die Volksfrontidee sowie die „Erinnerungs(un)kultur“.
Die „kämpfende Ästhetik“ symbolisiert den Prozess, in dem Kunst und Widerstand verschmelzen, um den Menschen zu einer höheren Bewusstseinsebene im Kampf gegen Unterdrückung zu führen.
Sie gilt als Ausnahmeerscheinung, da sie sich durch eine hohe soziale Heterogenität und eine parteipolitische Ungebundenheit auszeichnete, die für damalige Widerstandsgruppen untypisch war.
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