Examensarbeit, 2008
116 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Theoretischer Bezugsrahmen
2.1. Historische Entwicklung der Musizierpraxis an allgemeinbildenden Schulen
2.1.1. Historische Entwicklung der Musizierpraxis an allgemeinbildenden Schulen bis zum Ersten Weltkrieg
2.1.2. Entwicklung der Musizierpraxis an allgemeinbildenden Schulen im 20. Jh.
2.2. Theoretische Überlegungen der Musikpädagogik zum praktischen Musizieren an allgemeinbildenden Schulen
2.2.1. Zu den Begriffen ‚Klassenmusizieren‘ und ‚Musikklasse‘
2.2.2. Lerntheoretischer Ansatz (Kognitionspsychologie)
2.2.3. Integrativer Ansatz – Entwicklung der Persönlichkeit
2.2.4. Kulturerschließender, handlungsorientierter Ansatz
2.3. Musikpädagogische Perspektiven zur ‚Musikalischen Bildung‘
2.3.1. Zum Begriff ‚Musikalische Bildung‘
2.3.2. Ästhetisch-musikalische Bildung: Kreativität
2.3.3. Kommunikative Musikdidaktik
2.3.4. „Kritik des Klassenmusikanten“
2.4. Methodisch-didaktische Aspekte des praktischen Musizierens an allgemeinbildenden Schulen
2.4.1. Didaktische Argumentationen für praktisches Musizieren
2.4.2. Ziele und Arbeitsbereiche des praktischen Musizierens
2.5. Standort: Ausprägungen der Musizierpraxis im außerschulischen Bereich
2.5.1. Vorbemerkungen
2.5.2. Laienmusik in Deutschland – Organisation und Strukturen
2.5.3. Ensemblepraxis in kommunalen Musikschulen
3. Konzeption der Untersuchung
3.1. Begründung des Untersuchungsverfahrens
3.1.1. Leitfadeninterviews (Grounded Theory)
3.1.2. Durchführung der Befragungen
3.2. Zum Problem der Bildung von Hypothesen bei qualitativen Forschungsmethoden
3.3. Untersuchungsleitende Fragestellungen
3.3.1. DIMENSION 1: Modelle des Bläserklassenkonzepts an allgemeinbildenden Schulen
3.3.1.1. Organisation und Strukturen von Bläserklassen
3.3.1.2. Zusammenarbeit mit außerschulischen Institutionen
3.3.1.3. Leitfaden
3.3.2. DIMENSION 2: Lehrkräfte von Bläserklassen
3.3.2.1. Kompetenzen und Motivationen der Lehrkräfte
3.3.2.2. Zielstellungen und Arbeitsweisen
3.3.2.3. Musikalische Bildung – Zugänge und Perspektiven
3.3.2.4. Leitfaden
3.3.3. DIMENSION 3: SchülerInnen in Bläserklassen
3.3.3.1. Motivation zur Bläserklasse
3.3.3.2. Erfahrungen mit der Bläserklasse
3.3.3.3. Perspektiven
3.3.3.4. Leitfaden
3.3.4. DIMENSION 4: Vermittlung ausgewählter Lernziele (Lehrplan Musik) in der Bläserklasse
3.3.4.1. Lehrplaninhalte
3.3.4.2. Leitfaden
4. Darstellung der Untersuchungsergebnisse (Theoriebildung)
4.1. Bedingungsanalyse
4.1.1. Schulformen und Bedingungen
4.2. DIMENSION 1: Modelle von Bläserklassen – Organisation und Strukturen
4.2.1. Einrichtung von Bläserklassen
4.2.2. Klassenmusizieren vs. Arbeitsgemeinschaft
4.2.3. Integration der Bläserklasse in den Lehrplan
4.2.4. Einbindung von außerschulischen Institutionen
4.2.5. Finanzierung
4.3. DIMENSION 2: Lehrkräfte von Bläserklassen
4.3.1. Ausbildung und Weiterbildung
4.3.2. Zielstellungen und Arbeitsweisen
4.3.2.1. Einschätzung des praktischen Musizierens im Vergleich zum normalen Musikunterricht
4.3.2.2. Vorteile und Nachteile des praktischen Musizierens
4.3.2.3. Wirksamkeit des Bläserklassenkonzeptes
4.3.3. Praktische Erfahrungen mit Bläserklassen
4.3.3.1. Umgangsregeln für das praktische Musizieren
4.3.3.2. Differenzierungsmöglichkeiten
4.3.3.3. Auftrittsmöglichkeiten
4.3.3.4. Literatur und Repertoire
4.3.4. Musikalische Bildung
4.3.4.1. Zielstellungen und Intentionen
4.3.4.2. Umsetzung musikalischer Bildung durch Bläserklassen
4.4. DIMENSION 3: Schüler in Bläserklassen
4.4.1. Wege und Motivation zur Bläserklasse
4.4.2. Instrumentenwahrnehmung
4.4.2.1. Instrumentenwahl
4.4.2.2. Perspektive in musikpraktischer Hinsicht
4.4.3. Wahrgenommene Unterschiede zum Musikunterricht
4.4.3.1. Wahrnehmung des ‚normalen‘ Musikunterrichts
4.4.3.2. Vergleichende Wahrnehmung der Bläserklasse
4.4.4. Der ‚Lieblingstitel‘ – Schülerpräferenzen im Repertoire der Bläserklasse
4.4.5. Erfahrungen mit der Bläserklasse
4.4.5.1. Positive Erfahrungen
4.4.5.2. ‚Negative‘ Erfahrungen
4.5. DIMENSION 4: Vermittlung ausgewählter Lernziele (Lehrplan Musik)
4.5.1. Auswahlprobleme
4.5.2. Untersuchungsergebnisse
4.5.2.1. Klassenstufe 5
4.5.2.2. Klassenstufe 6
5. Fazit
5.1. Die Bläserklasse zwischen Institution und Freizeit
5.2. Bläserklasse als Königsweg musikalischer Bildung? – Kritik eines Idealmodells
5.3. Ausblick: Perspektiven der Bläserklasse als Vermittler musikalischer Bildung
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bläserklassen-Modell an allgemeinbildenden Schulen, um zu klären, inwieweit dieses Konzept konzeptionell und strukturell in der Lage ist, als Äquivalent zum herkömmlichen Musikunterricht Inhalte musikalischer Bildung zu vermitteln. Dabei werden mittels themenzentrierter Leitfadeninterviews die Einstellungen und Zielsetzungen von Lehrkräften sowie die Motivationen und Einschätzungen der Schüler analysiert.
1. Einleitung
Ich betrete eine Schule. Auf dem Weg zum Musikzimmer kommen mir merkwürdig bekannte Klänge entgegen, ich meine, einen Bach-Choral zu hören. Beim Öffnen der Tür stehe ich einer fünften Klasse gegenüber, die gerade Musikunterricht hat. Dazu sitzen die Schülerinnen und Schüler aber nicht an den gewohnten Tischen, sondern haben Blasinstrumente in den Händen und sitzen in einer richtigen Orchesterbesetzung. Ja, dies hier sei die ‚Bläserklasse‘, wird auf mein Nachfragen geantwortet. Der Musiklehrer dirigiert die Klasse – nach dem Ende des Chorals erklärt der Musiklehrer, heute ein den Schülern bereits bekanntes Stück, „Rock-A-Saurus-Rex“ wiederholen zu wollen. Die Schüler sind begeistert und spielen einen rockigen Titel mit viel Energie und Rhythmus. Wird hier der ideale Musikunterricht erteilt; sind hier die Vorstellungen der Musikpädagogik von einem praxisorientierten Musikunterricht, der die Schüler begeistert, verwirklicht worden …
So oder so ähnlich lassen sich die ersten Gefühle beschreiben, wenn man der ‚Bläserklasse‘ erstmalig begegnet. Nach dem ersten Überschwang tauchen Fragen in vielfältiger Form auf. Was wird hier eigentlich vermittelt? Sind die Inhalte des Musikunterrichts auf musizierpraktischem Weg zu vermitteln? Was sind überhaupt Inhalte – was ist musikalische Bildung?
Der Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen hat in den vergangenen Jahrzehnten grundlegende konzeptionelle Veränderungen erlebt. Von einer am Kunstwerk orientierten Didaktik und einer hauptsächlich vokal ausgerichteten Musikpraxis hat man sich (zumindest theoretisch) zu Gunsten eines handlungsorientierten, kulturerschließenden Musikunterrichts mit vielfältigen methodischen Zugängen abgewendet. Diese Entwicklung ist längst nicht abgeschlossen, wie die unterschiedlichen Modelle einer Integration praktischen Musizierens in den Unterricht zeigen.
Eines dieser Modelle ist die ‚Bläserklasse‘. Die vorliegende Arbeit will der Frage nachgehen, inwieweit die Bläserklasse konzeptionell und strukturell in der Lage ist, als Äquivalent zum herkömmlichen Musikunterricht Inhalte musikalischer Bildung zu vermitteln.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen der Bläserklasse ein und definiert die Forschungsfrage, ob diese Form des Musikunterrichts konzeptionell und strukturell Inhalte musikalischer Bildung äquivalent vermitteln kann.
2. Theoretischer Bezugsrahmen: Dieses Kapitel verortet die Bläserklasse in der historischen und theoretischen musikpädagogischen Diskussion und beleuchtet verschiedene didaktische Ansätze sowie das Umfeld der außerschulischen Musizierpraxis.
3. Konzeption der Untersuchung: Hier wird das qualitative Forschungsdesign der Arbeit dargelegt, welches auf Leitfadeninterviews mit Lehrkräften und Schülern basiert, um die verschiedenen Dimensionen der Bläserklassenpraxis zu erfassen.
4. Darstellung der Untersuchungsergebnisse (Theoriebildung): Der Hauptteil präsentiert und analysiert die empirischen Daten aus den Interviews, unterteilt in Modelle, Lehrkräfte-Perspektiven, Schüler-Erfahrungen und die Vermittlung von Lernzielen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Bläserklasse als Spannungsfeld zwischen Institution und Freizeit und hinterfragt kritisch, ob sie den „Königsweg“ musikalischer Bildung darstellt.
Bläserklasse, Musikunterricht, Klassenmusizieren, Musikalische Bildung, Musikpädagogik, Instrumentalspiel, Handlungsorientierung, Grounded Theory, Leitfadeninterview, Schule, Instrumentalausbildung, Schulentwicklung, Musikschule, Musizierpraxis, Kompetenzerwerb
Die Arbeit untersucht das Konzept der „Bläserklasse“ an allgemeinbildenden Schulen und analysiert, inwieweit dieses Modell in der Lage ist, eine äquivalente musikalische Bildung im Vergleich zum traditionellen Musikunterricht zu bieten.
Die Untersuchung deckt die theoretische Fundierung des Klassenmusizierens, die organisatorischen Strukturen von Bläserklassen, die Rolle und Motivation der Lehrkräfte sowie die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Schüler ab.
Das primäre Ziel ist es, mittels qualitativer Leitfadeninterviews ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie Bläserklassen konzeptionell umgesetzt werden und ob sie die im Musikunterricht geforderten Lernziele erreichen können.
Die Arbeit nutzt die Methode der qualitativen Sozialforschung, konkret Leitfadeninterviews, die nach dem Prinzip der „Grounded Theory“ ausgewertet wurden, um eine datenbasierte Theoriebildung zu ermöglichen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von vier Dimensionen: die Organisationsmodelle, die Perspektive und Ausbildung der Lehrkräfte, die Wahrnehmung der Schüler sowie die konkrete Vermittlung von lehrplanrelevanten Lernzielen.
Die Arbeit konzentriert sich auf Begriffe wie Bläserklasse, musikpädagogische Konzeptionen, Handlungsorientierung, musikalische Bildung, Schulpraxis und die Analyse von Unterrichtsqualität.
Diese Methode erlaubt es, Theorien direkt aus den erhobenen Daten zu entwickeln, anstatt starre Hypothesen vorab zu testen. Dies ist besonders sinnvoll, da die Bläserklassenpraxis oft „von unten“ durch Lehrkräfte gestaltet wird.
Der Autor zeigt auf, dass Bläserklassen als Brücke zwischen schulischem Pflichtunterricht und außerschulischer Freizeitgestaltung fungieren können, jedoch oft ein Spannungsfeld in Bezug auf Konkurrenz und Synergie zwischen den Institutionen besteht.
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