Diplomarbeit, 2008
92 Seiten, Note: 1,3
1. Die Bedeutung der Bewegungsentwicklung im Bezug auf die Ganzheitlichkeit kindlicher Entwicklung
1.1.Entwicklung
1.1.1.Zusammenspiel von Bewegung und Entwicklung
1.1.2.Ganzheitliche Entwicklung
1.2. Sensorische Integration
1.2.1. Definition
1.2.2. Die Entwicklung der sensorischen Integration
1.3. Das zentrale Nervensystem von innen
1.3.1. Der Aufbau und die Funktionsweise des Gehirns
1.3.1.1. Nervenbahnen und Kerne
1.3.1.2. Das Rückenmark
1.3.1.3. Der Hirnstamm
1.3.1.4. Vestibuläre Kerne und Kleinhirn
1.3.1.5. Großhirnhemisphären
1.3.1.6. Großhirnrinde
1.3.2. Die Sinne
1.3.2.1. Sehen
1.3.2.2. Hören
1.3.2.3. Berührung und Tastempfinden
1.3.2.4. Eigenwahrnehmung, Tiefensensibilität (Propriozeption)
1.3.2.5. Gleichgewichtssinn (Vestibuläres System)
1.3.2.6. Informationen aus den inneren Organen und Blutgefäßen (Viszeraler Input)
1.4. Bedeutung der Bewegungsentwicklung im Bezug auf die Ganzheitlichkeit kindlicher Entwicklung
1.5. Die kognitive Entwicklung
1.5.1.Das Stadium der sensomotorischen Intelligenz
Assimilation
Akkommodation
Anpassung
1.5.1.1.Phase 1: Betätigung angeborener Reflexe
1.5.1.2 .Phase 2: Primäre Kreisreaktionen (Zirkulärreaktionen)
1.5.1.3. Phase 3: Sekundäre Kreisreaktionen (Zirkulärreaktionen)
1.5.1.4. Phase 4: Intentionales Verhalten
1.5.1.5.Phase 5: Tertiäre Kreisreaktion (Zirkulärreaktion)
1.5.1.6. Phase 6: Übergang zur Vorstellung
1.5.2. Das motorische Weltbild ab dem 2. Lebensjahr
1.6. Meilensteine der Bewegungsentwicklung
1.6.1.Vorgeburtliche Bewegungsentwicklung
1.6.2.Bewegungsentwicklung von Geburt bis zum 3. Monat
Entwicklung der Kopfkontrolle
1.6.3.Bewegungsentwicklung vom 4.-9. Monat
Drehen
Robben und Kriechen
Krabbeln
Aufsitzen und Sitzen
1.6.4. Bewegungsentwicklung 10. -24. Monat
Freies Gehen
1.6.5.Viele Wege führen zum freien Gehen
1.6.6.Bewegungsentwicklung nach dem 24. Lebensmonat
2. Die freie Bewegungsentwicklung nach Dr. Emmi Pikler
2.1. Portrait von Dr. Emmi Pikler (1902 – 1984)
2.2. Geschichte der Leibeserziehung zu Zeiten Emmi Piklers
2.3. Die Bedeutung der freien Bewegungsentwicklung
2.4. Charakterisierung des Instituts Lóczy
2.4.1. Die Institution und ihre Funktion
2.4.2. Verhaltensweisen der Erwachsenen
2.5. Bedingungen, die freie Bewegung ermöglichen
2.5.1. Pädagogische Haltungen
2.5.1.1. Respektieren: „Wertschätzen, achten, darauf verzichten sich einzumischen“
2.5.1.2. Grundvertrauen
2.5.1.3. Aktive Teilnahme ermöglichen
2.5.1.4. Sensibel zuschauen
2.5.1.5. Die Aufgabe der Erzieherin
2.6.2. Äußere Bedingungen, die freie Bewegung ermöglichen
2.6.2.1. Eine gestaltete Umgebung
2.6.2.2. „Kleidung, die die Bewegung am wenigsten einschränkt“
2.6.2.3. Entsprechende Grundfläche
2.6.2.4. Entsprechende Unterlage
2.6.2.5. Geeignetes Spielmaterial und Klettergeräte
2.7. Wissenschaftliche Vergleiche der Ergebnisse zur Bewegungsentwicklung im Lóczy
2.7.1. Vergleich mit Angaben anderer Autoren
2.7.2. Vergleich mit den Meilensteinen der Bewegungsentwicklung nach Largo
3. Grenzen und Möglichkeiten der Umsetzung des Bewegungskonzeptes nach Dr. Emmi Pikler
3.1. Rahmenbedingungen der pädagogischen Arbeit in Kinderkrippen
3.1.1. Gesetzliche Grundlagen und Empfehlungen
3.1.1.1. Grundsätze der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen
3.1.1.2. Betriebserlaubnis
3.1.1.3. Unfallverhütungsvorschriften
3.1.1.4. Wichtige Sicherheitskriterien für die Aufnahme von Unter – Dreijährigen
3.1.1.5. Aufsichtspflicht
3.1.1.6. Rahmen-Hygieneplan gemäß § 36 Infektionsschutzgesetz für Kindereinrichtungen
3.1.1.7. Vereinbarkeit von Sicherheitskriterien mit dem Konzept der freien Bewegungsentwicklung nach Emmi Pikler
3.1.2. Rahmenbedingungen von Gruppengröße und Personalschlüssel
3.1.2.1. Empfehlungen für die Gruppengröße
3.1.2.2. EU – Empfehlungen für den Personalschlüssel
3.1.2.3. Maßgebliche Faktoren bei der Festlegung des Erzieherinnen – Kind – Schlüssels
3.1.2.4. Notwendigkeit von kleinen Gruppengrößen bei der Umsetzung des Konzeptes von Emmi Pikler
3.1.2.5. Vergleich mit Einrichtungen, die nach Emmi Pikler arbeiten
3.1.3. Gestaltung von Räumlichkeiten
3.1.3.1. Raumkonzept nach Emmi Pikler
3.1.4. Spielmaterial nach Emmi Pikler
3.1.4.1. Das Tuch nach Emmi Pikler
3.1.4.2. Der Ball nach Emmi Pikler
3.1.4.3. Schüsselchen, Küchenutensilien, Alltagsgegenstände
3.1.4.4. Erfahrungen von Einrichtungen, die mit nach dem Konzept von Emmi Pikler arbeiten
3.1.5. Geräte nach Emmi Pikler, die zur Bewegung anregen
3.1.5.1. Krabbelkiste mit Anbaukeilen
3.1.5.2. Bogenleiter
3.1.5.3. Freitreppe – Schaukelboot – Kombination
3.1.5.4. Das Labyrinth
3.1.5.5. Kisten
3.1.5.6. Dreiecke
3.1.5.7. Erfahrungen von Einrichtungen, die nach Emmi Pikler arbeiten
3.2. Faktoren, die im Krippenalltag schwer beeinflussbar sind
3.2.1. Informationen, die an Eltern weitergegeben werden sollen
3.2.2. Elternarbeit als Möglichkeit
3.2.2.1. Informationsveranstaltungen
3.2.2.2. Selbsterfahrung
3.2.2.3. Literatur
3.2.2.4. Hospitation
Die vorliegende Arbeit untersucht das Konzept der freien Bewegungsentwicklung nach Emmi Pikler auf seine Eignung und Anwendbarkeit in modernen Kinderkrippen. Unter Einbeziehung neuester neurobiologischer und entwicklungspsychologischer Erkenntnisse wird erforscht, wie das pädagogische Fachpersonal die natürlichen Entwicklungsprozesse von Säuglingen und Kleinkindern in einer familienergänzenden Betreuungssituation fördern kann, ohne durch unnötige Eingriffe die Selbstwirksamkeit der Kinder zu behindern.
1.3.1. Der Aufbau und die Funktionsweise des Gehirns
„Die allererste und wichtigste Aufgabe des Gehirns ist (und bleibt es zeitlebens) nicht das Denken, sondern das Herstellen, Aufrechterhalten und Gestalten von Beziehungen.“ Die Art und Weise dieses Herstellens, Aufrechterhaltens und Gestaltens von Beziehungen ist abhängig vom jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes. A. Jean Ayres spricht von der sensomotorischen Phase eines Kindes bis zum siebten Lebensjahr, Piaget unterteilt diese Phasen nochmals unter in unterschiedliche Perioden, die aufeinander aufbauen (vgl. Punkt 1.5.1.). Durch die Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Umwelt werden im Gehirn bestimmte Beziehungen zwischen den Nervenzellen hergestellt. Die ersten Verknüpfungen eines sich entwickelnden Gehirns sind einfache Regelkreise zur Steuerung von im Körper ablaufenden Prozessen und zur Koordination von Organfunktionen.
„Je häufiger diese einfachen Verschaltungsmuster zur Aufrechterhaltung oder zur Wiederherstellung eines bestimmten Kontraktionsmuster einzelner Muskelgruppen oder zur Steuerung bestimmter Leistungen einzelner Organe und Organsysteme benutzt werden, desto fester und stabiler werden die jeweils aktiven Nervenverschaltungen miteinander verbunden und gebahnt.“ Die einfachen Regelkreise werden nach und nach durch Nervenzellfortsätze innerhalb des Gehirns miteinander verbunden und beeinflussen die Steuerung einzelner Gehirnareale. Diese Entwicklung beginnt bereits vor der Geburt im Mutterleib und setzt sich im Laufe des Lebens fort. Gerade während der ersten drei Lebensjahre werden besonders viele Verbindungen zwischen den Gehirnarealen gebildet. Je verwobener und vielfältiger die Verknüpfungen im Gehirn sind, desto sicherer und leistungsfähiger kann ein Mensch in allen sieben Intelligenzbereichen („sprachliche, musikalische, logisch – mathematische, körperlich – kinästetische, räumliche, intrapersonale und interpersonale Intelligenz“) denken und handeln.
1. Die Bedeutung der Bewegungsentwicklung im Bezug auf die Ganzheitlichkeit kindlicher Entwicklung: Dieses Kapitel erläutert die neurobiologischen und kognitiven Grundlagen kindlicher Entwicklung, insbesondere die Bedeutung der sensorischen Integration und des sensomotorischen Lernens in den ersten Lebensjahren.
2. Die freie Bewegungsentwicklung nach Dr. Emmi Pikler: Hier wird das Pikler-Konzept detailliert vorgestellt, wobei die pädagogischen Haltungen und die Bedeutung einer gestalteten Umgebung im Vordergrund stehen.
3. Grenzen und Möglichkeiten der Umsetzung des Bewegungskonzeptes nach Dr. Emmi Pikler: Das Kapitel reflektiert die praktische Anwendbarkeit des Konzepts in heutigen deutschen Kinderkrippen, unter Berücksichtigung von Sicherheitsvorschriften, Raumkonzepten und Elternarbeit.
Emmi Pikler, freie Bewegungsentwicklung, Kinderkrippe, sensorische Integration, Kleinkindentwicklung, Pädagogik, motorische Entwicklung, Hirnforschung, Bindung, Lóczy, Eigenständigkeit, Spielentwicklung, Selbstwirksamkeit, Raumgestaltung, Frühpädagogik.
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept der freien Bewegungsentwicklung nach Emmi Pikler und dessen praktischer Umsetzbarkeit in modernen Kinderkrippen unter Berücksichtigung der kindlichen Ganzheitlichkeit.
Ziel ist es, den Pikler-Ansatz durch die Linse aktueller Hirnforschung zu betrachten und Wege aufzuzeigen, wie pädagogische Fachkräfte eine beziehungsvolle und entwicklungsfördernde Umgebung für unter Dreijährige gestalten können.
Die Arbeit kombiniert eine fundierte Literaturanalyse zu entwicklungspsychologischen und neurobiologischen Grundlagen mit einer empirischen Auswertung durch Fragebögen an pädagogische Einrichtungen sowie dem Austausch mit Fachpersonal.
Besonders die kognitive, emotionale und motorische Entwicklung, die eng mit der sensorischen Integration und dem frühen Selbstvertrauen des Kindes verknüpft sind, stehen im Fokus.
Das Konzept verzichtet bewusst auf direktes „Fördern“ oder „Anleiten“ von Bewegungsabläufen und vertraut stattdessen darauf, dass Kinder aus eigenem Antrieb und in ihrem eigenen Rhythmus lernen, was langfristig die Qualität der Bewegungsabläufe sichert.
Erzieherinnen fungieren als achtsame Begleiter und „Forschungsassistenten“, die durch gezieltes, sensibles Beobachten die Bedürfnisse des Kindes erkennen und eine Umgebung schaffen, in der sich das Kind sicher fühlen und frei entfalten kann.
Die Arbeit zeigt, dass eine vorbereitete, sichere Umgebung keine Gefängnismentalität erfordert, sondern durch kluge Raumplanung und altersgerechtes Spielmaterial sowohl Schutz gewährt als auch Herausforderungen für die motorische Entwicklung bietet.
Kleine Gruppen sind notwendig, um die für das Kind zentrale beziehungsvolle Pflege und ungeteilte Aufmerksamkeit seitens der Bezugsperson zu gewährleisten, da die Bindung die Grundvoraussetzung für das selbstständige Erkunden der Umwelt ist.
Eine gelungene Elternarbeit, etwa durch Hospitationen, Informationsveranstaltungen und Literaturangebote, ist essenziell, um einen Bruch zwischen der Pädagogik in der Krippe und den Gewohnheiten im Elternhaus zu vermeiden.
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