Bachelorarbeit, 2020
39 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Forschungsstand
3. Liebe und Ehe im Mittelalter
3.1. Theologische Ehepraxis
3.2. Exkurs – Hugo von St. Viktor
3.3. Feudale Ehepraxis
3.4. Der Einfluss der Frau im höfischen Kontext
3.5. Höfische Liebe im poetischen Diskurs
4. Liebe und Ehe im „Erec"-Roman Hartmanns von Aue
4.1. Die erste Begegnung und der Beschluss der Ehe
4.2. Die Entstehung der Liebe und die Hochzeit
4.3. Die verligen-Szene
4.4. Die Aventiure-Fahrt
4.5. Die Joie de la court-Szene
5. Die Analyseergebnisse der Entwicklung der Paar-Beziehung
5.1. Die Unterschiede der Versionen Hartmanns von Aue und Chrétien de Troyes
5.2. Die Paar-Entwicklung zum gleichgestellten Herrscherpaar im Kontext der zeitgenössischen Eheauffassung
6. Fazit
7. Primär- und Sekundärliteratur
7.1. Primärliteratur
7.2. Sekundärliteratur
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die Protagonisten des „Erec"-Romans von Hartmann von Aue einen Kontrast zur zeitgenössischen Liebes- und Eheauffassung darstellen und damit das Ideal eines höfisch liebenden Herrscherpaares anstreben.
4.1. Die erste Begegnung und der Beschluss der Ehe
Die Szenerie der ersten Begegnung der Figuren Erec und Enite ist in dem Gasthaus des Vaters der Figur Enite zu verzeichnen. Mit der Einführung des Gastgebers und dessen Tochter wird die Armut der Familie sehr deutlich. Vor allem anhand der Kleidung der Tochter Enite, die als zebrochen und sal (Hartmann von Aue: Erec. Hg. von Manfred Günter Scholz, übersetzt von Susanne Held. Frankfurt am Main 2004 (Bibliothek des Mittelalters 5), V.327-328) beschrieben wird, wird der Leser über die sozialen Verhältnisse informiert. Diese weisen auf eine klare Differenz der Verhältnisse zu der Figur des Erecs hin. Trotz ihrer Armut wird Enite vom Erzähler als die schœniste maget eingeführt (Erec, V. 310).
Die Beschreibung der äußerlichen Erscheinung Enites lenkt die Aufmerksamkeit auf ihren schönen Körper, die durch die zerschlissenen Kleider schein diu lich (Erec, V. 329). Diese Schönheit wird jedoch an dieser Stelle von Erec nicht wahrgenommen, weshalb bisher keine Annäherung der Protagonisten stattfindet. Während Spangenberger an dieser Stelle beschreibt, die schœne wäre erotisch aufgeladen, wird dies, besonders in Bezug auf die französische Vorlage, nicht deutlich. Anstatt dessen kann von der Schönheit ausgehend ein Bezug zur Unschuld, Reinheit und Natürlichkeit gemacht werden, indem ihr Erscheinungsbild mit dem Bild, sie wäre alsam diu lilje, dâ si stât under swarzen dornen wiz (Erec, V.337-338), verglichen wird.
1. Einleitung: Einführung in den Roman „Erec“, die Forschungsfrage sowie die Zielsetzung der Untersuchung im historischen Kontext.
2. Forschungsstand: Darstellung des wissenschaftlichen Hintergrunds zu Liebe, Ehe und Sexualität im Mittelalter sowie der Rolle der Frau.
3. Liebe und Ehe im Mittelalter: Historische Einordnung der theologischen und feudalen Ehepraxis, sowie der Rolle der Frau und der höfischen Liebe.
4. Liebe und Ehe im „Erec"-Roman Hartmanns von Aue: Detaillierte Analyse der Beziehung zwischen Erec und Enite entlang der zentralen Handlungsstränge des Romans.
5. Die Analyseergebnisse der Entwicklung der Paar-Beziehung: Synthese der Ergebnisse hinsichtlich der Unterschiede zur französischen Vorlage und der Entwicklung zum Herrscherpaar.
6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Einordnung des Ideals eines liebenden Königspaares.
7. Primär- und Sekundärliteratur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Hartmann von Aue, Erec, Enite, Liebe, Ehe, Mittelalter, Minne, höfische Kultur, Eheauffassung, Sozialgeschichte, Paar-Beziehung, Herrscherpaar, Sexualität, Aventiure, Triuwe.
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Liebe und Ehe im „Erec"-Roman von Hartmann von Aue und setzt diese in Bezug zu den zeitgenössischen gesellschaftlichen und theologischen Eheauffassungen.
Zu den zentralen Themen gehören die theologische sowie feudale Ehepraxis, die Rolle der Frau im höfischen Kontext, das Konzept der Minne und die Entwicklung der Paar-Beziehung von einer Zweckehe zu einer liebevollen Partnerschaft.
Die Untersuchung fragt, inwiefern die Protagonisten Erec und Enite einen Kontrast zur historischen Eheauffassung ihrer Zeit bilden und durch ihre Entwicklung das Ideal eines höfisch liebenden Herrscherpaares verkörpern.
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der der Roman von Hartmann von Aue mit der französischen Vorlage „Erec et Enide" von Chrétien de Troyes sowie mit historischen Diskursen über Ehe und Sexualität verglichen wird.
Der Hauptteil befasst sich mit der detaillierten Analyse der Romanhandlung, beginnend bei der Eheschließung, über die Krisenphasen (z.B. die verligen-Szene) bis hin zur Aventiure-Fahrt und der Joie de la court-Szene.
Schlüsselbegriffe sind Erec, Enite, Ehe, Liebe, Minne, triuwe, Mittelalter und höfische Kultur.
Die Szene verdeutlicht die Krise des Paares, da Erec seine ritterlichen Pflichten vernachlässigt. Die Arbeit argumentiert, dass die Krise nicht die Liebe selbst, sondern die Vernachlässigung sozialer Pflichten thematisiert.
Hartmann verändert den Fokus und die Darstellung der Liebe; während Chrétien das Paar als gleichgestellt zeichnet, rückt bei Hartmann Erec stärker in den Vordergrund, während Enite als unterstützende, treue Ehefrau fungiert.
Die Theorie Hugo von St. Viktors dient als Vergleichsmaßstab, da dieser die Ehe als Gemeinschaft der Herzen und freie Wahl betont, was im Kontrast zur rein zweckorientierten feudalen Ehepraxis steht.
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