Bachelorarbeit, 2021
36 Seiten, Note: 1,0
A Einleitung
B Hauptteil: Die Funktion des Dschihads in der Schaffung eines islamischen Soll Zustands bei Abu-Musab al-Zarqawi
1. Vorabbetrachtung der salafistisch-dschihadistischen Ideologie
2. Der Ist-Zustand: Die Verzerrung des Islams
3. Der Dschihad zur Herstellung des islamischen Soll-Zustands
3.1. Der Dschihad als Abbild des potenten Islams
3.2. Die Katharsisfunktion des Dschihads
3.3. Der Erweckungskreislauf des Dschihads
3.3.1 Zarqawis Schiitenkritik
3.3.1 Der Dschihad zum Dschihad
4. Der islamische Soll-Zustand
4.1 Das apokalyptische Narrativ als Negativdefinition des Soll-Zustands
4.2 Der Jude als ewiges Hindernis
4.3 Zarqawis Soll-Zustand als Utopie
C Zusammenfassung und Schluss
Die vorliegende Arbeit untersucht die ideologische Funktionslogik des Dschihads im Denken von Abu-Musab al-Zarqawi. Dabei wird der Forschungsfrage nachgegangen, inwiefern der Dschihad als Mittel zur Überwindung eines als verzerrt wahrgenommenen Ist-Zustands des Islams dient und welche Rolle er bei der Etablierung eines islamischen Soll-Zustands spielt, wobei kritisch hinterfragt wird, ob dieses Ziel unter Zarqawis Prämissen erreichbar ist oder als Utopie gewertet werden muss.
3.2 Die Katharsisfunktion des Dschihads
Neben der schlichten Verkörperung von „wahrhaft islamischen“ Eigenschaften erfüllt der Dschihad bei Zarqawi eine elementare, reinigende Funktion für den Mudschahed. Dies verdeutlicht Zarqawi unter anderem in folgendem Absatz:
„Oh, Mujahideen! Jihad is the way in which Allah heals depression, suffering, and low self-esteem. The gardens are under the shadows of the swords. Allah has opened wide all of the doors to paradise. He brought your enemy to your door so that the Jihad is available to all.”
Allein die Teilnahme am Dschihad führt dazu, dass sich der Mudschahed von Lastern befreit, die jene dem Islam zuwiderlaufende Eigenschaften der Schwäche und Impotenz charakterisieren. Doch nicht nur der Einzelne, auch die Glaubensgemeinschaft erfährt eine solche spirituelle Reinigung durch den Dschihad: „You will continue the fight until Allah removes the pain and oppression from our Ummah”. Der Dschihad scheint für Zarqawi die Glaubensgemeinschaft von unislamischen Eigenschaften zu befreien, um sie seiner Vorstellung einer idealen Soll-Gemeinschaft näherzubringen. Dies erreicht der Dschihad neben der qualitativen Entfernung schlechter Eigenschaften ebenso durch eine quantitative Entfernung schlechter Bestandteile des Kollektivs:
„Until the majority stands up for the truth, we have to make sacrifices for this religion, and blood has to be spilled. For those who are good, we will speed up their trip to paradise, and the others, we will get rid of them.”
Der Kampf für Gott scheint bei Zarqawi somit eine doppelt-kathartische Funktion zu erfüllen: Während das Individuum durch das Führen des Dschihads durch seine ausschließlich positiven Eigenschaften von schlechten Eigenschaften befreit wird, befreit sich das Kollektiv quantitativ von solchen, die nicht gut sind, und erfährt somit ebenso eine qualitative Festigung.
A Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung von Abu-Musab al-Zarqawi als ideologischer Pate des Islamischen Staates ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Funktion des Dschihads.
B Hauptteil: Die Funktion des Dschihads in der Schaffung eines islamischen Soll Zustands bei Abu-Musab al-Zarqawi: Dieses Kapitel analysiert das ideologische Grundgerüst Zarqawis, unterteilt in die Sequenzen Ist-Zustand, Dschihad und Soll-Zustand, und untersucht deren Wechselwirkungen.
1. Vorabbetrachtung der salafistisch-dschihadistischen Ideologie: Es wird das ideologische Mosaik beleuchtet, das Zarqawis Denken zugrunde liegt, wobei Begriffe wie Salafismus und Dschihadismus im Kontext des modernen Islamismus eingeordnet werden.
2. Der Ist-Zustand: Die Verzerrung des Islams: Zarqawi beschreibt den aktuellen Zustand der muslimischen Welt als verzerrtes Abbild und leitet daraus die Notwendigkeit des Kampfes zwischen Gut und Böse ab.
3. Der Dschihad zur Herstellung des islamischen Soll-Zustands: Der Dschihad wird als zentrales Element identifiziert, das als Brücke zwischen Ist- und Soll-Zustand fungiert und als "Potenzislam" eine spirituelle sowie kollektive Reinigung bewirkt.
3.1. Der Dschihad als Abbild des potenten Islams: In diesem Teil wird herausgearbeitet, wie der Dschihad durch Topoi wie "Stärke" als Gegenentwurf zur wahrgenommenen Schwäche der Umma und Ulema konstruiert wird.
3.2. Die Katharsisfunktion des Dschihads: Es wird erläutert, wie der Kampf als Reinigungsprozess für das Individuum und die Gemeinschaft dient und welche Rolle er bei der Beseitigung unislamischer Eigenschaften spielt.
3.3. Der Erweckungskreislauf des Dschihads: Dieses Unterkapitel beschreibt den Mechanismus, durch den der Kampf die muslimische Gemeinschaft aus ihrem "Tiefschlaf" reißen soll, wobei der Dschihad zunehmend zum Selbstzweck wird.
3.3.1 Zarqawis Schiitenkritik: Hier wird Zarqawis tiefgreifende Ablehnung gegenüber Schiiten analysiert, die nicht nur als politische Gegner, sondern als existenzielle Bedrohung und religiöse Abweichler dargestellt werden.
3.3.1 Der Dschihad zum Dschihad: Es wird aufgezeigt, wie die Brutalität des sektiererischen Krieges als Mittel genutzt wird, um die Umma zu mobilisieren und einen "immerwährenden" Dschihad zu unterhalten.
4. Der islamische Soll-Zustand: Dieses Kapitel untersucht Zarqawis vage Vorstellungen von der Alleinherrschaft Gottes und relativiert die Bedeutung der Errichtung eines islamischen Staates als primäres Ziel.
4.1 Das apokalyptische Narrativ als Negativdefinition des Soll-Zustands: Das apokalyptische Denken wird als pessimistisches Gegenstück zum Soll-Zustand aufgezeigt, das den Kampf als Schicksalsfrage zwischen Gut und Böse rahmt.
4.2 Der Jude als ewiges Hindernis: Die Feindbildkonstruktion wird analysiert, in der das Judentum als verbindendes Element hinter sämtlichen Feindbildern Zarqawis steht.
4.3 Zarqawis Soll-Zustand als Utopie: Es wird abschließend dargelegt, dass Zarqawis Ziel auf Basis seiner eigenen logischen Prämissen unerreichbar bleibt und der Dschihad eine paradoxe Doppelrolle innehat.
C Zusammenfassung und Schluss: Diese Zusammenfassung resümiert die Funktionslogik des Dschihads bei Zarqawi und ordnet die Ergebnisse in den Kontext des aktuellen Forschungsstandes sowie der zukünftigen Bedrohung durch ideologische Netzwerke ein.
Abu-Musab al-Zarqawi, Dschihad, Salafismus, Islamismus, Ist-Zustand, Soll-Zustand, Katharsis, Feindbild, Schiiten, Judentum, Umma, Endkampf, Ideologie, Terrorismus, Al-Qaida
Die Bachelorarbeit untersucht die ideologische Begründungslogik des Dschihads bei Abu-Musab al-Zarqawi und analysiert, wie er diesen zur Schaffung eines idealisierten islamischen Zustands einsetzt.
Die Untersuchung deckt die salafistisch-dschihadistische Ideologie, die Konstruktion von Feindbildern, die Rolle des Dschihads als Reinigungsinstrument und die Utopie des islamischen Soll-Zustands ab.
Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern der Dschihad bei Zarqawi zur Erschaffung eines islamischen Soll-Zustands beiträgt und ob dieses Konzept unter seinen eigenen Prämissen logisch konsistent ist.
Der Verfasser nutzt eine systematisch-kritische Analyse von Primärquellen, insbesondere Originaldokumente und Aussagen von Zarqawi, eingebettet in den theoretischen Diskurs der Fachliteratur über Islamismus.
Der Hauptteil gliedert sich in die ideologische Vorabbetrachtung, die Dekonstruktion des Ist-Zustands als Verzerrung des Islams, die Analyse der Dschihad-Funktion und die Untersuchung des Soll-Zustands sowie der apokalyptischen Narrative.
Zentrale Begriffe sind Zarqawi, Dschihad, Salafismus, Feindbildkonstruktion, Katharsis, Endkampf und die Dichotomie zwischen Ist- und Soll-Zustand.
Ein wesentlicher Unterschied ist Zarqawis extrem brutale Praxis und die gezielte Entzündung sektiererischer Konflikte gegen Schiiten, die selbst von anderen Al-Qaida-Führern wie Ayman Al-Zawahiri kritisch gesehen wurden.
Das Judentum fungiert für Zarqawi als "Endfeind" und verbindendes Element, das hinter allen anderen Feindbildern – seien es Amerikaner, Schiiten oder Marionettenregime – steht und als Ursache für die Bedrohung des Islams wahrgenommen wird.
Die Arbeit zeigt auf, dass der Dschihad bei Zarqawi eine paradoxe Funktion hat: Er ist zwar Mittel zum Zweck, wird aber durch die notwendige ständige Reproduktion des Feindbildes und des Kampfes selbst zum Selbstzweck, was das tatsächliche Erreichen eines friedlichen Endzustands unmöglich macht.
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