Masterarbeit, 2022
88 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Das Karlsbild des deutschsprachigen Kulturraums im 12. und 13. Jahrhundert
3. Ursprung und Verbreitung der Texte: Überlieferungssituation
4. Vergleichende Untersuchung der Darstellung Karls des Großen in der Kaiserchronik, dem Rolandslied und Karl der Große
4.1 Die Bedeutung der Person Karls des Großen für das jeweilige Werk
4.1.1 Die Kaiserchronik
4.1.2 Das Rolandslied des Pfaffen Konrad
4.1.3 Strickers Karl der Große
4.2 Karls Verhältnis zu Gott
4.2.1 Das Erscheinen von Engeln als Zeichen der göttlichen Unterstützung
4.2.2 Die wundersame Erhörung der Gebete Karls
4.2.3 Karl als Kreuzritter und Märtyrer
4.2.4 Von gotes dienestman zu sante Karle – Die Darstellung der Heiligkeit Karls
4.3 Das Herrschermodell Karls: Im Spannungsfeld zwischen roi souffrant und miles Christi
4.3.1 Kaiserchronik
4.3.2 Rolandslied
4.3.3 Karl der Große
5. Referenzbeziehungen: Gegenseitige Beeinflussung und intertextuelle Bezüge
5.1 Die Möglichkeiten mittelalterlicher „Beeinflussung“: Intertextualität als Zugang zu Texten und ihren Vorgängern
5.2 Motivische Verschränkungen zwischen den Werken als Intertextualitäts-Marker
6. Fazit: Die Bedeutung der deutschsprachigen Karlsliteratur für die Etablierung des mittelalterlichen Karlsmythos
7. Quellen- und Literaturverzeichnis
Die vorliegende Arbeit untersucht den Beitrag der drei bedeutenden mittelhochdeutschen Werke Kaiserchronik, Rolandslied und Karl der Große zur Entwicklung und Etablierung des hochmittelalterlichen Karlsmythos. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie die Darstellung Karls des Großen in diesen Werken trotz unterschiedlicher Gattungen und Entstehungszeiten gegenseitig beeinflusst wurde und zur Stilisierung des Frankenkaisers als heiligmäßiger Herrscher beitrug.
4.2.1 Das Erscheinen von Engeln als Zeichen der göttlichen Unterstützung
In allen drei Werken wird davon berichtet, dass dem Kaiser Engel erscheinen. Dabei tauchen die Engel jeweils zu unterschiedlichen Zeitpunkten auf und erfüllen ihrerseits wiederum unterschiedliche Funktionen innerhalb der Werke. Am häufigsten fällt ihnen dabei die Aufgabe zu, als göttliche Boten den Wunsch Gottes zu verkünden, um Karl somit zum Ausführer des göttlichen Willens zu machen. Besonders präsent ist diese Funktion der Engelserscheinung im Karlsteil der Kaiserchronik: Alle Auftritte von Engeln haben das Ziel, Karl zu einem bestimmten Verhalten zu bewegen. Erstmalig zeigt sich dies zu Beginn des Karlsteils, in dem Karl als junger Mann noch nicht den Titel des Königs trägt:
Aines nahtes, dô Karl enslief,
ain stimme drîestunt zuo im rief:
‘wol ûf, Karl liebe!
ze Rôme var dû sciere!
dich vordert dîn pruoder Lêô.‘ Kchr V. 14316-14320
Als gottesfürchtiger und gehorsamer Christ kommt Karl diesem göttlichen Auftrag ohne zu zögern nach und reist zunächst als Pilger nach Rom zu Papst Leo, welcher im Rahmen der Kaiserchronik als Bruder Karls vorgestellt wird (vgl. dazu Kap. 5.2). In der Folge wird er in Rom auf Wunsch Leos, der Römer und auch Gottes zunächst zum König gekrönt.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die enorme Wirkmächtigkeit Karls des Großen ein und definiert das Forschungsinteresse an der deutschsprachigen Karlsliteratur des 12. und 13. Jahrhunderts.
2. Das Karlsbild des deutschsprachigen Kulturraums im 12. und 13. Jahrhundert: Dieses Kapitel skizziert die historische Mythisierung Karls zum Heiligen und Kreuzritter sowie die Bedeutung dieser Wahrnehmung für das Hochmittelalter.
3. Ursprung und Verbreitung der Texte: Überlieferungssituation: Hier werden die Überlieferungssituationen der drei Werke analysiert, um Rückschlüsse auf deren Bekanntheitsgrad und Wirkungsgeschichte zu ziehen.
4. Vergleichende Untersuchung der Darstellung Karls des Großen in der Kaiserchronik, dem Rolandslied und Karl der Große: Der Hauptteil vergleicht die drei Werke hinsichtlich der Bedeutung der Person Karls, seines Verhältnisses zu Gott und seines spezifischen Herrschermodells.
5. Referenzbeziehungen: Gegenseitige Beeinflussung und intertextuelle Bezüge: Das Kapitel reflektiert theoretisch die Möglichkeiten intertextueller Beeinflussung im Mittelalter und sucht nach konkreten motivischen Verschränkungen.
6. Fazit: Die Bedeutung der deutschsprachigen Karlsliteratur für die Etablierung des mittelalterlichen Karlsmythos: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt, um den Stellenwert der untersuchten Literatur für die Etablierung und Weiterentwicklung des Karlsmythos zu bewerten.
7. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung aller verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Karl der Große, Kaiserchronik, Rolandslied, Stricker, Mittelalter, Karlsmythos, Hagiographie, Intertextualität, Kreuzritter, Märtyrer, roi souffrant, miles Christi, Kreuzzug, Heiligsprechung, Literaturgeschichte.
Die Arbeit analysiert, wie in drei bedeutenden mittelhochdeutschen Werken das Bild Karls des Großen gestaltet wurde, um ihn als heiligmäßigen Herrscher im kulturellen Gedächtnis des Mittelalters zu etablieren.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Kaiserchronik, das Rolandslied des Pfaffen Konrad und Strickers Karl der Große.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich diese drei Werke gegenseitig beeinflusst haben und durch die Stilisierung Karls zur Entwicklung des hochmittelalterlichen Karlsmythos beigetragen haben.
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden Textvergleich (komparatistische Analyse), um Motive und Herrschermodelle zu untersuchen, ergänzt durch eine theoretische Auseinandersetzung mit Intertextualität.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Verhältnis Karls zu Gott, seiner Rolle als Kreuzritter und Märtyrer sowie den zugrunde liegenden Herrschermodellen roi souffrant und miles Christi.
Zentrale Begriffe sind Karl der Große, Karlsmythos, Mittelalter, Hagiographie, Intertextualität und Herrschermodelle.
Die Kaiserchronik gilt als erstes Zeugnis für die Darstellung Karls in der deutschen Literatur, wobei der Fokus stark auf seiner engen Verbindung zu Gott liegt, noch bevor die offizielle Kanonisation stattfand.
Das Rolandslied zeigt Karl deutlich als Anführer im Namen Gottes, wobei eine starke Märtyrerideologie sowie ein ausgeprägter Verdienstgedanke bei der Bekehrung von Heiden im Vordergrund stehen.
Stricker weitet den Stoff zu einer regelrechten Heiligenvita aus und stellt Karl noch deutlicher als aktiven, militärisch eingreifenden Kämpfer dar, was den Widerspruch zwischen seinem Leiden und seinem Kampf für den Glauben aufhebt.
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