Bachelorarbeit, 2021
49 Seiten, Note: 1,7
1 Gesellschaftshistorischer Kontext
1.1 Das Besitzbürgertum
1.2 Das Bildungsbürgertum
1.3 Theodor Fontanes literarische Gesellschaftskritik
2 Frau Jenny Treibel: Das Arrangement der individuellen Lebenswege
2.1 Inszenierung sozialer Mobilität in Frau Jenny Treibel
2.2 Besitz und Bildungsbürgertum in „Frau Jenny Treibel“
2.2.1 Einordnung des Ehepaar Treibels in die Bourgeoise
2.2.2 Jenny Treibel als Inkarnation der bourgeoisen Gesinnung
2.2.3 Kommerzienrat Treibel als opportunistischer Besitzbürger
2.2.4 Das Netzwerkmodell „Schmidt“
2.2.5 Corinna als Grenzgängerin zwischen den beiden Sphären
2.3 Zwischenfazit
3 Die Poggenpuhls: Der soziale Wandel des Adels
3.1 Familie Poggenpuhl: Das statische Bild des aussterbenden Adels
3.1.1 Wohnungsarchitektur als Weltsicht
3.1.2 Ausverkauf der Aristokratie: Leo und Manon von Poggenpuhl
3.1.3 Albertine und Josephine – bürgerliche Kontrahentinnen der Aristokratie
3.1.4 Therese und Eberhard: Konstitution aristokratisch-ständischen Denkens
3.2 Also alles beim Alten?
3.3 Zwischenfazit
4 Schlussbetrachtung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Inszenierung sozialer Mobilität in den Gesellschaftsromanen „Frau Jenny Treibel“ und „Die Poggenpuhls“ von Theodor Fontane, wobei der Fokus auf den Verschränkungen von Bildungs- und Besitztumsansprüchen sowie dem Strukturwandel der preußischen Gesellschaft liegt.
2.2.4 Das Netzwerkmodell „Schmidt“
Die Szenenfolge des Romans ist so angeordnet, „dass sie wechselnd das Mit und Gegeneinander, Verbindung und Trennung der Häuser Schmidt und Treibel vorführt“ (Grawe 2000: 619). Fontane gestaltet dies durch kontrastierende und parallelisierende Konfrontation (Wohnsituation, Werte, Haltungen) in der Thematik und Struktur aus (vgl. ebd.: 620). Somit besteht eine Bindung – oder auch eine Freundschaft – zwischen dem „neumodischen, selbstständigen Besitzbürgertums der Treibels mit ihrem protzigen Lebensstil und de[m] altmodisch erzieherisch tätigen Bildungsbürgertum[...] des Schmidtschen Kreises“ (ebd.: 620). Diese Bindung kann als ein Netzwerk aufgefasst werden. „Die Struktur eines Netzwerks wird durch das Verhalten, die Interdependenz, die Intensität der Kopplung und die Macht der Akteure bestimmt“ (Gabler Wirtschaftslexikon o. J.). Infolgedessen symbolisiert die Beziehung der Familie Schmidt zur Familie Treibel in dem Roman ein Netzwerkmodell.
Familie Schmidt legt im Gegensatz zu Familie Treibel den Fokus auf die Bequemlichkeit und Funktionalität. Das Namensschild wird beschrieben als „[...] ein grünes, knittriges Blechschild, darauf [ist] ‚Professor Wilibald Schmidt‘ ziemlich undeutlich zu lesen“ (JT.: 7). Auch Frau Jenny Treibel ist bewusst, dass Schmidt nicht viel Wert auf Äußerlichkeiten legt. Nach Treibel ist er ein „origineller Mann“ (JT: 7), „ein Juwel“ (JT: 8), da er weiß, dass „Geld eine Last ist und das Glück woanders liegt“ (JT: 8). Die materielle Stellung des preußischen Beamtentums zu Fontanes Zeiten bietet hierfür auch gar keine Möglichkeit (vgl. Schnabel 1933: 307ff.). Professor Wilibald Schmidt ist somit vom Prestigestreben befreit, denn „er unterschätzt alles Äußerliche, Besitz und Geld, und überhaupt alles, was schmückt und schön macht“ (JT: 13), wie Corinna feststellt.
1 Gesellschaftshistorischer Kontext: Erläuterung des Wandels von der Feudalgesellschaft zur marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaft sowie die Differenzierung zwischen Besitz- und Bildungsbürgertum.
2 Frau Jenny Treibel: Das Arrangement der individuellen Lebenswege: Analyse der sozialen Aufstiegsmechanismen und des Zusammenspiels von Bildung, Kapital und Sentimentalität in der Treibel-Familie.
3 Die Poggenpuhls: Der soziale Wandel des Adels: Betrachtung des ökonomischen und sozialen Abstiegs des Militäradels und die Versuche, den alten Stand zu bewahren.
4 Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Erkenntnisse über Fontanes kritischen Realismus und die Einordnung seiner Werke als Vorläufer des Naturalismus.
Theodor Fontane, soziale Mobilität, Besitzbürgertum, Bildungsbürgertum, Frau Jenny Treibel, Die Poggenpuhls, Gesellschaftsroman, Realismus, Naturalismus, Preußen, Preußischer Adel, Klassenaufstieg, Gesellschaftskritik, Schein und Sein, Soziale Frage.
Die Arbeit analysiert, wie Theodor Fontane in seinen Romanen soziale Bewegungen zwischen den Schichten und den Strukturwandel der preußischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts literarisch inszeniert.
Die zentralen Felder sind die Abgrenzung und Rivalität zwischen Besitz- und Bildungsbürgertum, der Bedeutungsverlust des Adels sowie der Umgang der Charaktere mit materiellen Zwängen.
Das Ziel ist es, die Inszenierung sozialer Mobilität aufzudecken und zu zeigen, wie Charaktere durch ihr Handeln versuchen, ihren sozialen Status in einem sich wandelnden Umfeld zu behaupten oder zu verändern.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, bei der primäre Textquellen (Romane) mit fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zu Soziologie und Literaturgeschichte kombiniert wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Treibel-Familie als Repräsentanten des Besitzbürgertums und eine Untersuchung der Poggenpuhl-Familie als Bild des absteigenden Adels.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie soziale Mobilität, Bourgeoisie, Bildungsbürgertum, gesellschaftskritischer Realismus und den Strukturwandel im preußischen Adel bestimmt.
Corinna ist die Tochter eines Professors, strebt jedoch durch geschicktes Kalkül den Aufstieg in die wohlhabende Bourgeoisie an, womit sie die Grenzen beider Welten überschreitet.
Sein Tod markiert symbolisch das Ende der ruhmreichen Ära des alten preußischen Adels und stellt für die verarmten Familienmitglieder die notwendige Zäsur dar, um sich der Moderne zu stellen.
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