Masterarbeit, 2020
107 Seiten, Note: 1,0
Psychologie - Klinische Psychologie, Psychopathologie, Prävention
1. Einleitung
1.1 Hintergrund und Relevanz
1.2 Untersuchungsgegenstand
1.3 Gliederung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Adipositas und Übergewicht: (epidemiologische) Bedeutung
2.1.1 Adipositas: Begriff und Klassifikation
2.1.2 Epidemiologie
2.1.3 Ursachen und Ätiologie
2.1.3.1 Multikausale Ätiologie aus biomedizinischer Perspektive
2.1.3.2 Ursachen aus psychotherapeutischer Perspektive
2.1.4 Therapie
2.1.5 Schwerpunkte der psychotherapeutischen Intervention
2.2 Psychosoziale Entwicklung nach Freud
2.2.1 Überblick: Grundannahmen der Psychoanalyse
2.2.2 Sexuelle Entwicklung und Persönlichkeitsentwicklung
2.2.3 Phasen der Sexualentwicklung nach Freud
2.2.3.1 Orale Phase
2.2.3.2 Anale Phase
2.2.3.3 Phallische Phase
2.2.3.4 Latenzperiode
2.2.3.5 Genitalen Phase
2.2.4 Psychodynamik: Weiterentwicklung in der post-Freud-Ära
2.2.5 Fixierung
2.3 Psychoanalyse und Adipositas
2.3.1 Ätiologie der Adipositas aus Perspektive der Psychodynamik
2.3.2 Therapie
2.3.3 Behavioristische Perspektive
2.4 Forschungsfragen und Hypothesen
3. Methoden
3.1 Studiendesign
3.2 Fragebögen
3.3 Untersuchungsablauf
3.4 Auswertung und statistische Analyse
3.5 Befragungskollektiv
4. Ergebnisse
4.1 Gesundheitsbezogene Lebensqualität
4.2 Essverhalten
4.3 Persönlichkeitseigenschaften
4.3.1 Neurotizismus
4.3.2 Extraversion
4.3.3 Gewissenhaftigkeit
4.3.4 Offenheit
4.3.5 Verträglichkeit
4.4 Besonderheiten der frühkindlichen Entwicklung
5. Diskussion
5.1 Hypothesenüberprüfung
5.2 Beantwortung der Forschungsfragen
5.3 Diskussion der Ergebnisse
5.4 Limitationen
6. Fazit
Die vorliegende Masterthesis untersucht, ob eine Fixierung in der oralen Phase der frühkindlichen Entwicklung als Risikofaktor für die Entstehung von Adipositas im Erwachsenenalter betrachtet werden kann und ob Personen mit einem nach Freud beschriebenen „oralen Charakter“ ein Risikokollektiv für Übergewicht darstellen.
2.2.3.1 Orale Phase
Der Freud’schen Theorie der psychosexuellen Entwicklung folgend durchläuft das Kleinkind als erstes Stadium die orale Phase, die sich von der Geburt bis zum Alter von ca. einem Jahr erstreckt. Kennzeichnend für die orale Phase ist, dass der Mund des Säuglings im Mittelpunkt der libidinalen Befriedigung steht, die sich aus der Freude am Stillen an der Brust der Mutter und aus der oralen Erkundung ihrer Umgebung ergibt, d.h. aus der Neigung des Neugeborenen, sich Gegenstände in den Mund zu stecken bzw. die unmittelbare Umgebung durch orale Stimulierung zu erfahren (Freud, 2009, S. 80-90; Stolorow & Atwood, 1978; Fliegel, 1975). Säuglinge, die sich in der oralen Phase befinden, empfinden Lustbefriedigung z.B. durch Stillen an mütterlicher Brust, durch Nuckeln am Daumen oder am Schnuller sowie durch die Stimulierung des Mundes durch Gegenstände (z.B. dadurch, dass Finger, Spielzeuge, Puppen etc. in den Mund gesteckt werden). In dieser frühkindlichen Entwicklungsphase dominiert noch das Es, da Ich und Über-Ich noch nicht voll entwickelt sind, weswegen (mangels bestehender Identität) jede Handlung des Kindes noch primär dem Lustprinzip folgt (Nagera, 2014, S. 39ff.).
Die orale Phase dient der Ausbildung des kindlichen Ichs, da die Kleinkinder in dieser Lebensphase Körperbilder (von sich selbst in Abgrenzung zu anderen Körperbildern z.B. von anderen oder von Gegenständen) entwickeln und (z.B. bei Schmerzeinwirkung) verstehen, dass ihr Körper physisch von der Umwelt getrennt ist. Ferner entwickelt sich in dieser Phase ein Verständnis dafür, dass durch bestimmte Verhaltensweisen ihrer selbst Bedürfnisse verzögert befriedigt werden können, da z.B. Weinen dazu führt, dass sie gestillt werden, was nicht nur zur Nahrungsaufnahme wichtig ist, sondern eben auch zur Befriedigung ihres Bedürfnisses nach oraler Stimulierung. Die Entwöhnung von der Brust kann als Schlüsselerlebnis der oralen Phase der psychosexuellen Entwicklung des Säuglings bezeichnet werden, da sie zur Beendigung dieser Phase und zum Übergang des Säuglings in die anale Phase beiträgt.
1. Einleitung: Vorstellung der Relevanz von Adipositas als Volkskrankheit und Einführung in die Forschungsfrage, ob eine orale Fixierung nach Freud als Risikofaktor dienen kann.
2. Theoretischer Hintergrund: Detaillierte Darstellung der Adipositas aus medizinischer Sicht sowie fundierte Einführung in die psychoanalytische Theorie Freuds und dessen Phasenmodell der Entwicklung.
3. Methoden: Erläuterung der empirischen Fall-Kontroll-Studie, der verwendeten Fragebögen (u.a. Big Five, FEV, SF-12) und des gewählten Befragungskollektivs.
4. Ergebnisse: Präsentation der statistischen Auswertungen bezüglich Lebensqualität, Essverhalten und Persönlichkeitsmerkmalen der untersuchten Probandengruppen.
5. Diskussion: Interpretation der Ergebnisse im Hinblick auf die Hypothesen und kritische Reflexion der Forschungsarbeit sowie deren Limitationen.
6. Fazit: Zusammenfassendes Resümee der Arbeit, das die psychodynamische Annahme einer oralen Fixierung bei Adipösen als bestätigt ansieht.
Adipositas, Übergewicht, Psychoanalyse, Orale Phase, Fixierung, Freud, Essstörungen, Binge-Eating, Big-Five-Modell, Neurotizismus, Extraversion, Persönlichkeitspsychologie, Fall-Kontroll-Studie, Psychotherapie, Kindesentwicklung.
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der psychoanalytischen Entwicklung in der frühen Kindheit, insbesondere der „oralen Phase“ nach Sigmund Freud, und der Entstehung von Adipositas im Erwachsenenalter.
Die zentralen Felder sind die Epidemiologie und Ätiologie der Adipositas, die psychoanalytische Entwicklungspsychologie sowie die empirische Persönlichkeitsforschung mittels etablierter psychologischer Testverfahren.
Das Ziel ist die Prüfung der Hypothese, ob eine Fixierung in der oralen Phase als Risikofaktor für Adipositas identifiziert werden kann und ob sich adipöse Personen in ihren Persönlichkeitsstrukturen (Big Five) signifikant von normalgewichtigen Personen unterscheiden.
Es wurde ein quantitatives Forschungsdesign gewählt, konkret eine Fall-Kontroll-Studie mit jeweils 50 Probanden (adipöse Fallgruppe und normalgewichtige Kontrollgruppe), die mittels standardisierter Fragebögen erhoben wurden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung des Themas Adipositas und der Psychoanalyse, gefolgt von einer empirischen Untersuchung, die das Essverhalten und die Persönlichkeitsmerkmale beider Gruppen gegenüberstellt.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Adipositas, orale Phase, Psychoanalyse, Fixierung, Essverhalten, Neurotizismus und Extraversion charakterisieren.
Die orale Phase dient als zentrales theoretisches Konstrukt, um zu erklären, wie frühkindliche Erfahrungen mit Nahrungsaufnahme und Stimulierung die spätere Persönlichkeit und das Risiko für ein gestörtes Essverhalten beeinflussen können.
Die Fallgruppe zeigte signifikant höhere Werte in der Dimension Neurotizismus und Extraversion sowie eine höhere Wahrscheinlichkeit, in der Kindheit als übergewichtig eingestuft worden zu sein, verglichen mit der normalgewichtigen Kontrollgruppe.
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