Bachelorarbeit, 2021
55 Seiten, Note: 1.0
1. Einleitung
2. Michel Foucault und die Macht
2.1. Die Macht und das Subjekt
2.2. Machtbeziehungen
2.3. Macht - Auf Handeln gerichtetes Handeln
2.4. Machtverortung
2.5. Disziplinäre Technologie
3. Funktionale Musik als Mittel der Produktions- und Konsumkontrolle
3.1. Funktionale und autonome Musik
3.2. Muzak - Macht der funktionalen Musik
3.2.1. Ursprung und Forschung
3.2.2. Muzak - Eine neue disziplinäre Technologie
3.2.3. Die Funktionalität von Muzak
3.2.4. Die Vordergrundmusik im Postfordismus
3.3. Die disziplinäre Technologie der Moderne
4. Musik als disziplinäres, repressives und ideologisches Instrument des NS-Regimes
4.1. Musik - Omnipräsenz und Omnipotenz
4.2. Musik-Innenpolitik im NS-Staat: „Zehn Grundsätze deutschen Musikschaffens“
4.3. Musik-Außenpolitik des NS-Staates: Musik und Besatzung
4.4. Die Konformität stiftende Macht der Musik
5. Musik, Sound und die Grenzen der Macht
5.1. Häftlingsorchester in Konzentrations- und Vernichtungslagern
5.2. Sonic Warfare
5.3. Musik und Sound - Instrumente omnipräsenter Macht
6. Fazit
Diese Bachelorarbeit untersucht die Instrumentalisierung von Musik als Machtinstrument in verschiedenen zeitgeschichtlichen Kontexten. Unter Rückgriff auf Michel Foucaults Machtbegriff wird analysiert, wie Musik eingesetzt wurde, um Individuen zu disziplinieren, Machtverhältnisse zu stabilisieren oder als Mittel der Gewalt und Folter zu dienen.
3.2.3. Die Funktionalität von Muzak
Funktionale Musik in Fabriken wurde Teil des Trends des social engineering in der stark standardisierten Massenproduktion des Fordismus. Die wissenschaftlichen Diskurse über menschliches und soziales Verhalten dienten den Praktiken des Taylor- und Fordismus. Unter diesen Bedingungen wurden die Menschen zu Objekten der wissenschaftlichen Untersuchung und Observierung. Laut Jones und Schumacher, versuchte die Firma Muzak die Ergebnisse ihrer Untersuchungen zur Wirkung von Musik mit wissenschaftlichem Rationalismus und mit Verweis auf den medizinischen Diskurs zu legitimieren. Ihre Marketing Kampagne warb mit der Behauptung, dass ihre Arbeiter zur Hintergrundbeschallung von Muzak motivierter arbeiten konnten und stützte diese These mit vermeintlich wissenschaftlichen Methoden. 1966 erstellte Muzak eine eigene Kommission, welche aus Psychologen und medizinischen Spezialisten bestand. Eines der Produkte dieser Kommission war das Prinzip der „stimulus progression“, auf das sich die zukünftigen Programmierungen der Firma richten würden. Dieses Prinzip entstand aus den Untersuchungen des US-Militärs der frühen 1960er Jahre, in denen das Militär eine Steigerung der Wachsamkeit der Testobjekte durch Hintergrundmusik beobachten konnte. Muzaks eigene Untersuchungen bestätigten die Funde des Militärs und deuteten darauf hin, dass Musik in einer geplanten Sequenz, von weniger zu mehr stimulierenden Liedern, einen weitaus positiveren Effekt auf die Effizienz hätte als zufällige Sequenzen. Jones und Schumacher schreiben dazu:
„Stimulus progression involved the application of "scientific" methods to the composition and arrangement of songs themselves. Muzak's programmers invented an "objective" method of arranging and categorizing individual tunes by means of tempo, rhythm, instrumentation, and orchestra size. Each tune was given a specific "stimulus value," expressed numerically on a scale from 5, for bright and upbeat arrangements, to l, for slow and mellow arrangements […]“.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie Musik als Machtinstrument in verschiedenen Kontexten instrumentalisiert wurde, und begründet die theoretische Heranziehung von Foucaults Machtbegriff.
2. Michel Foucault und die Macht: Dieses Kapitel erläutert die machttheoretischen Konzepte von Michel Foucault, insbesondere die Unterscheidung zwischen souveräner und disziplinärer Macht, die als Basis für die Analyse dienen.
3. Funktionale Musik als Mittel der Produktions- und Konsumkontrolle: Hier wird untersucht, wie funktionale Musik und das Prinzip der "Muzak" zur Effizienzsteigerung und Kontrolle in tayloristischen und fordistischen Arbeitswelten genutzt wurden.
4. Musik als disziplinäres, repressives und ideologisches Instrument des NS-Regimes: Das Kapitel analysiert die Instrumentalisierung von Musik im Nationalsozialismus zur ideologischen Festigung, zur Ausgrenzung als "entartete Kunst" und zur militärischen Mobilisierung.
5. Musik, Sound und die Grenzen der Macht: Der Fokus liegt auf der extremen Instrumentalisierung von Musik als Mittel der Folter, Gewalt und psychischen Zerstörung in Konzentrationslagern sowie im Kontext moderner "Sonic Warfare".
6. Fazit: Das Fazit bündelt die Ergebnisse und reflektiert die andauernde Relevanz von Musikpraktiken als Machtinstrumente in der heutigen Gesellschaft.
Michel Foucault, Machtausübung, Funktionale Musik, Disziplinäre Macht, Muzak, Fordismus, Nationalsozialismus, Propaganda, Sonic Warfare, Psychologische Folter, Kontrolle, Subjektivierung, Klanglandschaft, Akustische Waffen, Repression.
Die Arbeit analysiert die Instrumentalisierung von Musik als Mittel zur Machtausübung in verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Kontexten vom frühen 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart.
Zentrale Felder sind die industrielle Arbeitswelt (Muzak), die Musikpolitik im NS-Staat sowie der Einsatz von Musik und Sound als Mittel der Gewalt, Folter und Kriegsführung.
Ziel ist es, ein tieferes Verständnis dafür zu schaffen, wie Musik instrumentalisiert wurde und wird, um Machtverhältnisse zu erzeugen, zu erodieren oder zu stabilisieren.
Die Autor:innen nutzen eine machttheoretische Analyse, basierend auf Michel Foucaults Konzepten der "disziplinären Technologien", und setzen diese in Relation zu musikwissenschaftlichen und historischen Erkenntnissen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von funktionaler Musik zur Produktionskontrolle, die ideologische Musikpolitik des NS-Regimes und die Analyse von Musik als Waffe bzw. Mittel der Folter.
Wichtige Begriffe sind Michel Foucault, Funktionale Musik, Disziplinäre Macht, NS-Musikpolitik, Sonic Warfare und Machtbeziehungen.
Im Fordismus stand die direkte Kontrolle und Produktivitätssteigerung der Arbeit in Fabriken im Vordergrund. Im Postfordismus verlagerte sich der Fokus auf die Steuerung und das Management des Konsumverhaltens in diversifizierten Umgebungen.
Die Ambivalenz beschreibt, dass Musik in KZs einerseits als Instrument des Terrors und der psychologischen Folter durch die SS fungierte, für die Häftlinge jedoch zugleich eine Rolle als Überlebensressource und Hoffnungsträger einnehmen konnte.
Der Begriff beschreibt eine Form der Gewalt, die ohne physische Berührung auskommt, indem Opfer mittels extremer akustischer Einflüsse (z.B. Lärm, Dauerschleifen) psychisch zermürbt und traumatisiert werden.
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