Masterarbeit, 2022
89 Seiten, Note: 1,2
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Tiere und Menschen in der Philosophiegeschichte: Gemeinsames, Trennendes und die Frage nach dem Geist
2. Vorgehen und Ziele der Arbeit
3.1. Im Kontext von Differenzialismus und Assimilationismus
3.2. Methodische Überlegungen und Entscheidungen – auf der Suche nach der besten Erklärung
4.1. Repräsentationen, Vorstellungen und Einführung in Intentionalität
4.2. Intentionalität: Überzeugungen
4.3 Intentionalität: Überzeugungen und Handlungen
5. Haben Tiere Gedanken?
5.1. Der Begriff des Denkens
5.2. Ein Stufenmodell kognitiver Fähigkeiten
5.3. Zuschreibungen, Beobachtungen, Experimente I: Rabenvögel
5.4. Zuschreibungen, Beobachtungen, Experimente II: Primaten
6. Haben Tiere Begriffe?
6.1. Sind Begriffe als mentale Repräsentationen, als abstrakte Gegenstände oder als Fähigkeiten zu verstehen?
6.2. Begriffe als Fähigkeiten: Glocks Version
6.3. Begriffe oder Unicepte?
7. Fazit: Haben Tiere Gedanken und Begriffe?
Die Arbeit untersucht, unter welchen Voraussetzungen und in welcher Form Tieren kognitive Fähigkeiten, wie Gedanken oder Begriffe, zugeschrieben werden können. Dabei steht die methodische Herausforderung im Mittelpunkt, ein Fremdpsychisches ohne unzulässige anthropomorphe Projektionen zu deuten und die Debatte zwischen Differenzialismus und Assimilationismus in Bezug auf tierliche Kognition zu beleuchten.
3.2. Methodische Überlegungen und Entscheidungen – auf der Suche nach der besten Erklärung
Bei der Entscheidung, ob Tiere denken können oder über Begriffe verfügen, scheidet eine sichere Methode von vornherein aus52. Deduktive Schlüsse schließen vom Allgemeinen aufs Besondere und sind informationserhaltend. Sie sind hier ausgeschlossen, weil das gesucht wird, was vorausgesetzt werden müsste. Dagegen sind induktive Schlüsse informationserweiternd, sie schließen vom Besonderen aufs Allgemeine. Da sie Erfahrungsschlüsse sind, können sie nicht logisch, sondern nur psychologisch gerechtfertigt werden. Ein Verfahren, das formal zu den induktiven Schlüssen gehört, aber einen ganz besonderen Akzent setzt, hat Charles Sanders Peirce bekannt gemacht: die Abduktion:
„Die Abduktion ist der Vorgang, in dem eine erklärende Hypothese gebildet wird. Es ist das einzige logische Verfahren, das irgendeine neue Idee einführt […] Die Deduktion beweist, daß etwas der Fall sein muß; die Induktion zeigt, daß etwas tatsächlich wirksam ist; die Abduktion vermutet bloß, daß etwas der Fall sein mag“53.
Die Abduktion geht von einem Wahrnehmungsurteil aus (einem ‚Ergebnis‘), dazu bildet sie eine hypothetische Regelmäßigkeit (das ‚Allgemeine‘), um eine Konklusion zu erzeugen (einen „Fall“)54. Während die Leistung der Abduktion darin besteht, einen potenziell erkenntniserweiternden Vorschlag zu machen, ist auch ihre Schwäche offensichtlich, denn sie muss aus einer Beobachtung quasi rückwärts auf eine Ursache schließen. In Verbindung mit der Abduktion steht häufig die Suche nach der besten Erklärung. Das ist sinnvoll, weil man bei der Unsicherheit dieses Schließverfahrens besser erst konkurrierende Erklärungen als falsch erweist, bevor man eine Abduktion akzeptiert.
1. Tiere und Menschen in der Philosophiegeschichte: Gemeinsames, Trennendes und die Frage nach dem Geist: Historische Einordnung der Debatte um die Tier-Mensch-Differenz, von Aristoteles bis zu modernen ethologischen Erkenntnissen.
2. Vorgehen und Ziele der Arbeit: Methodische Herleitung der Untersuchung und Begründung der Wahl kognitiver Fähigkeiten als zentraler Untersuchungsgegenstand.
3.1. Im Kontext von Differenzialismus und Assimilationismus: Diskussion der anthropologischen Differenz und der Positionen, die entweder eine kategoriale Trennung oder eine graduelle Kontinuität annehmen.
3.2. Methodische Überlegungen und Entscheidungen – auf der Suche nach der besten Erklärung: Etablierung des abduktiven Verfahrens und des "Morgan's Kanon" zur fairen Zuschreibung kognitiver Zustände.
4.1. Repräsentationen, Vorstellungen und Einführung in Intentionalität: Definition und Abgrenzung mentaler Repräsentationen und ihre Rolle als basale kognitive Leistung.
4.2. Intentionalität: Überzeugungen: Untersuchung der Verbindung von Sprache, Gedanken und Überzeugungen, insbesondere unter Rückgriff auf Donald Davidson.
4.3 Intentionalität: Überzeugungen und Handlungen: Diskussion von Handlungsfähigkeit bei Tieren durch objektive Gründe statt mentalistischer Überzeugungsnetze.
5. Haben Tiere Gedanken?: Analyse, ob Tiere Gedanken im Sinne von intentionalen Zuständen haben können, unter Berücksichtigung von Hans-Johann Glocks Parametern.
5.1. Der Begriff des Denkens: Philosophische Bestimmung dessen, was Denken bedeutet, in Abgrenzung zur reinen Wahrnehmung.
5.2. Ein Stufenmodell kognitiver Fähigkeiten: Vorstellung eines heuristischen Modells zur Einordnung kognitiver Leistungen in verschiedene Ordnungsstufen.
5.3. Zuschreibungen, Beobachtungen, Experimente I: Rabenvögel: Empirische Untersuchung von Gedächtnis- und Planungsleistungen bei Rabenvögeln.
5.4. Zuschreibungen, Beobachtungen, Experimente II: Primaten: Auswertung von Studien zu sozialen und physischen Kognitionen bei Schimpansen.
6. Haben Tiere Begriffe?: Prüfung, ob Tieren Begriffe zugeschrieben werden können, trotz des Fehlens einer diskursiven Sprache.
6.1. Sind Begriffe als mentale Repräsentationen, als abstrakte Gegenstände oder als Fähigkeiten zu verstehen?: Systematische Untersuchung konkurrierender Begriffsansätze hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit auf Tiere.
6.2. Begriffe als Fähigkeiten: Glocks Version: Detaillierte Analyse von Glocks Ansatz, Begriffe als Fähigkeiten zur Klassifikation zu begreifen.
6.3. Begriffe oder Unicepte?: Vorstellung der Alternative von Ruth Garrett Millikan, Begriffe durch das partikulare Unicept-Konzept zu ersetzen.
7. Fazit: Haben Tiere Gedanken und Begriffe?: Zusammenfassende Antwort auf die Ausgangsfrage unter Berücksichtigung der untersuchten kategorialen Grenzen.
Tierkognition, Philosophie, Denken, Begriffe, Intentionalität, mentale Repräsentation, Unicept, Ethologie, Aristoteles, Morgan’s Kanon, Klassifikation, Handlungsfähigkeit, Assimilationismus, Differenzialismus, Kognition.
Die Arbeit untersucht philosophisch, ob Tiere kognitive Fähigkeiten besitzen, die als Gedanken oder Begriffe klassifiziert werden können, und wie diese Zuschreibungen wissenschaftlich methodisch korrekt vorgenommen werden können.
Zentrale Themen sind die Tier-Mensch-Differenz in der Philosophiegeschichte, die Analyse intentionaler Zustände, die Abgrenzung von Begriffen und Vorstellungen sowie die Auswertung ethologischer Experimente zu den kognitiven Leistungen von Rabenvögeln und Primaten.
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für das Verhalten von Tieren zu entwickeln, indem untersucht wird, ob kognitive Begriffe auch auf nicht-sprachliche Lebewesen sinnvoll anwendbar sind, ohne sie vermenschlichend zu überfordern.
Die Autorin nutzt einen abduktiven Ansatz, um aus beobachtetem Verhalten auf die "beste Erklärung" zu schließen, ergänzt durch "Morgan’s Kanon" als methodische Norm, um Zuschreibungen auf einer möglichst niedrigen, fairen Stufe vorzunehmen.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Gedanken, Handlungsfähigkeit, dem Begriff des Denkens und die Prüfung, ob Begriffe als Fähigkeiten oder mentale Repräsentationen auf Tiere zutreffen, inklusive der Einführung des Unicept-Konzepts.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Intentionalität, Kognition, Repräsentation, Klassifikation, Differenzialismus und das Unicept-Konzept nach Ruth Garrett Millikan geprägt.
Während Wahrnehmung als basale kognitive Fähigkeit fast allen Tieren zugesprochen wird, wird Denken als komplexere, intentionalere Leistung betrachtet, die oft an die Fähigkeit zur Verknüpfung von Vorstellungen und zur Kausalitätsbeurteilung gebunden ist.
Unicepte sind partikulare Vorstellungen, die nicht teilbar sein müssen und keine Sprache oder diskursive Begründung erfordern, was sie als Erklärungsmodell für das Verhalten von Tieren robuster gegenüber den Einwänden gegen klassische Begriffsmodelle macht.
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