Bachelorarbeit, 2020
44 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Der Begriff der Öffentlichkeit
2.1 Deliberation oder Agonismus: Jürgen Habermas und Chantal Mouffe
2.2 Gegenöffentlichkeiten: Nancy Fraser und Michael Warner
2.3 Strukturwandel 2.0: Öffentlichkeit im Zeitalter der modernen Massenmedien
2.4 Zwischenfazit
3. Öffentlichkeit und Theater
3.1 Die theatrale Öffentlichkeit
3.2 Ästhetiken zum Herstellen von Öffentlichkeiten in den performativen Künsten
3.2.1 Christoph Schlingensief: Bitte liebt Österreich – Erste europäische Koalitionswoche (2000)
3.2.2 Marina Abramović: The Artist is Present (2010)
4. Schlussbetrachtungen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Theater und Öffentlichkeit im 21. Jahrhundert, mit einem besonderen Fokus auf die Frage, wie performative Künste durch spezifische Ästhetiken wieder zu einem Ort politischer Auseinandersetzung werden können. Ausgehend von klassischen Öffentlichkeitstheorien wird analysiert, inwiefern Theater als Institution durch moderne Medialisierung und partizipative Formate neue Möglichkeiten der Öffentlichkeitsbildung erschließen kann.
3.1 Die theatrale Öffentlichkeit
Der Ursprung der Öffentlichkeit liegt – wie Habermas es darlegt – in der Antike und ist eng mit der polis aber auch dem Theater verknüpft. So lassen sich die Anfänge des Theaters ebenfalls im Athen der Antike erkennen. Das Theater war wichtiger Bestandteil der attischen polis. Die fundamentalen politischen und sozialen Fragen wurden auf der Bühne durchgespielt und so Probleme aus einer Art Außenansicht betrachtet. „Weil sich dieser Prozeß in der Öffentlichkeit des Theaters vollzog, ging davon eine integrative und demokratisierende Wirkung auf die attische Bürgerschaft aus.“ Zentral für das Begriffsverständnis einer Öffentlichkeit ist auch das griechische Konzept des agon. Er ist wichtig, wenn man den Begriff einer theatralen Öffentlichkeit formulieren möchte. In seiner wörtlichen Bedeutung, steht agon für Wettbewerb, Versammlungsakt oder auch Debatte. Die griechischen Agone waren wesentlicher Bestandteil des öffentlichen Lebens und stellten das Grundprinzip der griechischen Kultur dar. Dabei gab es nicht nur sportliche Agone, sondern auch solche, die Musik oder Dichtkunst zum Gegenstand hatten. Im Anschluss an den Wettbewerb, gab es weiter Versammlungen, in denen der Gewinner gekürt, und das Festival selbst bewertet wurden. Diese Treffen unterstreichen noch einmal den diskursiven Aspekt des Festivals. Durch die agonistische Rahmung, bekamen die Theateraufführungen in der Antike eine diskursive und kritische Dimension, die dem Konzept einer rational-kritischen Öffentlichkeit nahekommt.
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die schwierige Beziehung zwischen Theater und Öffentlichkeit im Angesicht schwindender Zuschauerzahlen und führt die zentrale Forschungsfrage nach der Relevanz theatraler Praktiken ein.
2. Der Begriff der Öffentlichkeit: Dieses Kapitel erläutert historische und moderne Theorien der Öffentlichkeit, insbesondere von Jürgen Habermas, Chantal Mouffe, Nancy Fraser und Michael Warner, sowie den Wandel durch digitale Medien.
3. Öffentlichkeit und Theater: Das Kapitel stellt den Zusammenhang zwischen Öffentlichkeitstheorien und dem Theater her und analysiert Ästhetiken, mit denen in performativen Künsten Öffentlichkeiten hergestellt werden können, anhand der Beispiele Schlingensief und Abramović.
4. Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtung fasst zusammen, dass die Aufhebung von Zuschauer-Akteurs-Grenzen und die Nutzung digitaler Räume essenziell sind, um das Theater als Ort für politische Diskurse zu revitalisieren.
Öffentlichkeit, Theater, Performance-Kunst, Habermas, Gegenöffentlichkeit, digitale Medien, Partizipation, Diskurs, agonale Demokratie, distribuierte Ästhetik, Schlingensief, Abramović, Feedback-Schleife, Hyperrealismus, politische Debatte.
Die Arbeit analysiert, wie das Theater seine Funktion als politischer Diskursraum in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft behaupten oder neu erfinden kann.
Die zentralen Themen sind Öffentlichkeitstheorien, der Strukturwandel durch digitale Medien, die theatrale Ästhetik sowie die Schnittstelle zwischen Kunst und Politik.
Die Arbeit fragt danach, mit welchen Ästhetiken das Theater ein öffentlichkeitswirksames Potenzial erschließen kann, um wieder aktiv an politischen Diskursen teilzunehmen.
Die Methode umfasst eine theoretische Aufarbeitung der Öffentlichkeitstheorien kombiniert mit einer exemplarischen Analyse von zwei performativen Fallbeispielen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Untersuchung des Begriffs der Öffentlichkeit sowie die Anwendung dieser Erkenntnisse auf die Theater- und Performancepraxis.
Öffentlichkeit, Theater, Performance-Kunst, Digitalisierung, Partizipation und Diskurs stehen im Zentrum der Untersuchung.
Schlingensief verlässt den geschlossenen Theaterraum und nutzt den öffentlichen Raum sowie mediale Inszenierungen (Container, Live-Voting), um direkt politische Reaktionen und Debatten zu provozieren.
Bei Marina Abramovićs "The Artist is Present" dient das Internet als Werkzeug, um die Performance weit über den Museumsraum hinaus zu distribuieren und durch eine "Kommentarsöffentlichkeit" neue Diskursebenen zu schaffen.
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