Bachelorarbeit, 2008
27 Seiten, Note: 1,0
I. HISTORISCHER KONTEXT
II. MORALISTIK ‚A LA PICARESCA’
III. DIE KUNST DER WELTKLUGHEIT
IV. DIE SCHANDE DES SCHELMS
V. INITIIERUNG UND DESENGAÑO DES DON PABLOS
VI. ABSCHLIESSENDE GEDANKEN
Die vorliegende Arbeit untersucht die moralisch-ethischen Dimensionen im spanischen Schelmenroman des Goldenen Jahrhunderts. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwiefern sich im Werk von Francisco de Quevedo, speziell in seinem Roman El Buscón, eine Alltagsethik extrahieren lässt, die in einen direkten Vergleich zu den machiavellistisch geprägten Lebensmaximen von Baltasar Gracián gesetzt werden kann.
Die Kunst der Weltklugheit
Mit der Absicht, zumindest einen Einblick in die scheinbar unüberschaubare Landschaft der Moralistik im Europa des 17. Jahrhunderts auf der Grundlage von sowohl literarischen als auch nicht-literarischen Texten zu erstellen, wird in dieser Arbeit neben Quevedo ein weiterer maßgeblicher Vertreter des spanischen Barocks konsultiert werden: Baltasar Gracián y Morales (1601-1658) verfasste mit seinem Oráculo manual y arte de prudencia (1647) ein exakt dreihundert Maximen umfassendes Lebensregelwerk nach machiavellistischer Ideologie, getreu der Devise „Der Zweck heiligt die Mittel.“
Auch wenn sich nach der Übergabe der Macht an Felipe IV die Zustände im spanischen Königreich allgemein etwas besserten („El reinado de este monarca comenzó con esperanzas.“), wie u.a. durch die Neubesetzung und ansatzweise Umstrukturierung des Hofstaates, so bemerkt auch Baltasar Gracián, zirka zwanzig Jahre nach dem Amtsantritt des vierten Felipes, die am Hofe vorherrschende allgemeine Neigung zu Tücke und Falschheit im sozialen Umgang:
Pero para Gracián, en la Corte, no es oro todo lo que reluce. Pronto percibe lo que su deslumbrante brillantez tiene de ficticio y áspero. Lo observa en la petulencia de los servidores, en el engaño y doblez del trato, en el oropel e impudicia de las costumbres. Sus escasas cartas desde Madrid reflejan a las claras su incomodidad y su altanería.
I. HISTORISCHER KONTEXT: Dieses Kapitel skizziert die gesellschaftliche und moralische Dekadenz Spaniens im Goldenen Jahrhundert unter Felipe III als Lebensraum für die zu untersuchenden Autoren.
II. MORALISTIK ‚A LA PICARESCA’: Hier wird die Gattung des Schelmenromans, insbesondere Quevedos El Buscón, hinsichtlich ihres Potenzials als moralisch-didaktische Lektüre hinterfragt.
III. DIE KUNST DER WELTKLUGHEIT: Das Kapitel führt Baltasar Gracián und sein Werk Oráculo manual ein, um eine machiavellistisch geprägte, pessimistische Anthropologie als Vergleichsfolie zu etablieren.
IV. DIE SCHANDE DES SCHELMS: Diese Sektion beleuchtet die seelischen und sozialen Demütigungen des Protagonisten Don Pablos als treibende Kraft hinter seinem Streben nach sozialem Aufstieg.
V. INITIIERUNG UND DESENGAÑO DES DON PABLOS: Hier wird der Prozess der Desillusionierung des Helden analysiert, der erkennt, dass ein tugendhaftes Leben in einer korrupten Welt nicht möglich ist.
VI. ABSCHLIESSENDE GEDANKEN: Das Fazit resümiert, dass Quevedos Don Pablos sowohl Antiheld als auch Stratege ist, der sich durch Anpassungsfähigkeit in einer lebenswidrigen Welt zu behaupten sucht.
Spanische Philologie, Goldene Jahrhundert, Siglo de Oro, Schelmenroman, El Buscón, Francisco de Quevedo, Baltasar Gracián, Oráculo manual, Moralistik, Pícaro, Lebenswelt, Ethik, Weltklugheit, Desengaño, Soziale Mobilität
Die Arbeit untersucht die ethischen Überlegungen in der spanischen Literatur des 17. Jahrhunderts, indem sie das Werk von Francisco de Quevedo mit der Lebensphilosophie von Baltasar Gracián vergleicht.
Im Zentrum stehen die Konzepte von Moral, Schein und Sein, sozialer Aufstieg, psychologische Anpassung an feindselige Umgebungen sowie der Werteverfall in der barocken Gesellschaft.
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass der Schelmenroman nicht nur Unterhaltungsliteratur ist, sondern eine „Alltagsethik“ enthält, die der machiavellistischen Weltklugheit Graciáns nahesteht.
Die Autorin oder der Autor nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die Texte von Quevedo und Gracián in eine komparative Perspektive rückt und durch den historischen Kontext des Siglo de Oro stützt.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der pikaresken Struktur, die kritische Analyse von Graciáns Maximen sowie die detaillierte psychologische Betrachtung des Don Pablos als zentrale Schelmenfigur.
Zu den prägenden Begriffen gehören Siglo de Oro, Schelmenroman, Pícaro, Moralistik, Weltklugheit, Desengaño (Enttäuschung) und die Frage nach dem Individuum in der Gesellschaft.
Don Pablos wird massiv durch die kriminelle und schändliche Reputation seiner Eltern geprägt; sein gesamtes Leben ist der verzweifelte Versuch, diese Familienidentität durch sozialen Aufstieg zu überwinden.
Während Gracián ein theoretisches Handbuch für den Aufsteiger schreibt, zeigt Quevedo in seinem Roman die bittere, praktische Notwendigkeit des Überlebenskampfes, bei dem der Schelm oft an der harten Realität scheitert.
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