Diplomarbeit, 2008
123 Seiten, Note: 1,7
Einleitung
1. Historische Entwicklung der Massenmedienforschung
1.1. Phase der wirkungsstarken Medien
1.2. Phase der wirkungsschwachen Medien
2. Kritik an der Massenmedienwirkungsforschung
3. Grundbegriffe
3.1. Nutzung
3.1.1. Forschungsansätze
3.1.2. Aktuelle Befunde der Mediennutzung bei Kindern
3.2. Rezeption
3.3. Aneignung
3.3.1. Folgekommunikation
4. Ansatz der strukturanalytischen Rezeptionsforschung – das handlungstheoretische Rezeptionsmodell
4.1. Rezeption
4.2. Handlungsleitendes Thema
4.3. Aufbau des Modells
4.3.1. Strukturmerkmale
4.3.2. Prozessmerkmale
4.4. Aneignung
4.4.1. Vermittlung
4.4.2. Involvement
4.4.3. Para-soziale Interaktion
4.4.4. Folgekommunikation
5. Implikationen für die Wirkungsforschung
5.1. Begrenzungen von Medienwirkungen
5.2. Methodisches Vorgehen
6. Fragestellungen
Aktuelle Forschung
Grundlagenforschung
7. Spitzer
7.1. Mechanismen des Gehirns
7.2. Problematik nach Spitzer
7.2.1. Körperliche Folgen
7.2.2. Virtuelle Realität
7.2.3. Lernen mit dem Computer?
7.3. Lösungsansätze nach Spitzer
7.4. Kritik
7.4.1. Medienwirkungsmodell
7.4.2. Methodisches Vorgehen
7.4.2.1. Neuroimaging
7.4.3. Menschenbild
7.4.4. Fazit zur Medienwirkungsforschung von Spitzer
7.4.4.1. Abgleich mit dem handlungstheoretischen Struktur- und Prozessmodell
7.4.4.2. Aussagekraft
8. Hüther
8.1. Problematik nach Hüther
8.1.1. Gesellschaft und frühkindliche Erfahrungen
8.1.2. Gehirnentwicklung
8.1.3. Der Computer
8.2. Konsequenz
8.3. Lösungsansätze nach Hüther
8.4. Kritik
8.4.1. Medienwirkungsmodell
8.4.2. Methodisches Vorgehen
8.4.3. Menschenbild
8.4.4. Charakteristik von Computerspielen
8.4.5. Fazit zur Medienwirkungsforschung von Hüther
8.4.5.1. Abgleich mit dem handlungstheoretischen Struktur- und Prozessmodell
8.4.5.2. Aussagekraft
9. Fazit zur Hirnforschung im Rahmen der Medienwirkungsforschung
Angewandte Forschung
10. Pfeiffer
10.1. Problematik nach Pfeiffer
10.2. Lösungsansätze nach Pfeiffer
10.3. Kritik
10.3.1. Medienwirkungsmodell
10.3.2. Menschenbild
10.3.3. Methodisches Vorgehen
10.3.4. Abgleich mit dem handlungstheoretischen Struktur- und Prozessmodell
10.3.5. Abgleich mit Ergebnissen anderer Studien
10.3.6. Aussagekraft
10.4. Fazit zur kriminologischen Forschung von Pfeiffer im Rahmen der Medienwirkungsforschung
11. Diskussion
11.1. Beantwortung der Fragestellungen
11.2. Kritische Betrachtung dieser Arbeit
11.3. Ausblick
Diese Arbeit zielt darauf ab, eine fundierte Einschätzung des aktuellen Forschungsstandes zur Medienwirkung auf Kinder zu geben. Dabei wird untersucht, inwieweit die oftmals populärwissenschaftlich verbreiteten negativen Thesen von Forschern wie Spitzer, Hüther und Pfeiffer vor dem Hintergrund moderner kognitionswissenschaftlicher Rezeptionsforschung Bestand haben und auf welcher methodischen Basis diese Aussagen getroffen werden.
1. Historische Entwicklung der Massenmedienforschung
Die Theoriebildung innerhalb der Medienwissenschaft ist nach Bonfadelli (2004, S. 27) „schwankend, diskontinuierlich und fragmentarisch“. Das liegt unter anderem daran, dass sich sowohl das Forschungsobjekt als auch die theoretischen Ansätze geändert haben. Erschwerend kommt überdies die Multidisziplinarität dieses Forschungsfeldes hinzu. Nach Brosius und Esser (1998) wurden die Konzepte der Medienwirkungsforschung auch durch die jeweilige aktuelle politische Kultur beeinflusst. Fernseher, Computer und Internet sind zu einem „zentralen Faktor der Gesellschaft“ (Brosius & Esser, 1998, S. 353) geworden und deswegen von großer Bedeutung für die Forschung, vor allem die Auftragsforschung durch Werbeträger.
Es gibt unterschiedliche Arten der Einteilung der verschiedenen Ansätze der Medienwirkungs- und Rezeptionsforschung. Sehr verbreitet ist die grobe Unterteilung in eine Phase der wirkungsstarken Medien (anzusiedeln etwa 1910-1945) und eine Phase der wirkungsschwachen Medien (1945 bis heute). Während man in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert von Wirkungsforschung sprach, hat sich mittlerweile der Begriff der Rezeptionsforschung bewährt. Letztere fußt auf der Erkenntnis, dass unterschiedliche Menschen unterschiedlich reagieren (Charlton, 2007), und unterscheidet sich von der Medienwirkungsforschung insofern, als dass sie „die Interaktion von RezipientInnen mit Texten bzw. Bildern entweder als einen kognitiven Prozess oder eine besondere Form des sozialen Handelns versteht“ (Charlton & Barth, 1995, Zusammenfassung).
Der Ursprung dieses grundsätzlichen begrifflichen Wandels liegt in den 70er Jahren: es fand eine generelle Akzentverschiebung hin zu einem aktiven Rezipienten, symmetrischer Kommunikation und der Rezeption mit Prozesscharakter statt. Die Phasen der Medienforschung unterscheiden sich in der Beurteilung der Wirkungsproblematik und der jeweils postulierten Stärke des Mediums. Letztere steht in direktem Zusammenhang mit der Publikumskonzeption, was bedeutet, dass eine geringe Medienstärke mit einem starken Rezipienten einhergeht und vice versa (Bonfadelli, 2004). Zusammenfassend siehe Tabelle 1.
Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Medienwirkung auf Kinder ein und stellt die Diskrepanz zwischen populärwissenschaftlichen Warnungen und der aktuellen Rezeptionsforschung dar.
1. Historische Entwicklung der Massenmedienforschung: Dieses Kapitel skizziert den Wandel der Medienforschung von der Annahme massiver Medieneffekte hin zur Anerkennung aktiver Rezipienten.
2. Kritik an der Massenmedienwirkungsforschung: Hier werden methodische und theoretische Schwachstellen der klassischen Wirkungsforschung sowie der Begriff der "Medienwirkung" problematisiert.
3. Grundbegriffe: Das Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Mediennutzung, Rezeption und Aneignung und beleuchtet aktuelle Forschungsansätze.
4. Ansatz der strukturanalytischen Rezeptionsforschung – das handlungstheoretische Rezeptionsmodell: Es erfolgt eine detaillierte Einführung in das Modell von Charlton und Neumann-Braun, welches Mediennutzung als aktives, lebensweltliches Handeln begreift.
5. Implikationen für die Wirkungsforschung: Dieses Kapitel leitet aus dem vorgestellten Modell Konsequenzen für eine differenzierte Erforschung von Medienwirkungen ab.
6. Fragestellungen: Basierend auf den vorangegangenen Kapiteln werden die zentralen Forschungsfragen formuliert, die im weiteren Verlauf an der Forschung von Spitzer, Hüther und Pfeiffer überprüft werden.
7. Spitzer: Es wird die Forschung von Manfred Spitzer zur Hirnforschung und die Problematisierung von Bildschirmmedien dargestellt und kritisch bewertet.
8. Hüther: Die Position von Gerald Hüther wird analysiert, wobei der Fokus auf frühkindlichen Erfahrungen, der Gehirnentwicklung und der Problematik der "Computersucht" liegt.
9. Fazit zur Hirnforschung im Rahmen der Medienwirkungsforschung: Eine zusammenfassende Bewertung des Beitrags der Hirnforschung zur Medienwirkungsdebatte.
10. Pfeiffer: Das Kapitel befasst sich mit der kriminologischen Forschung von Christian Pfeiffer und dessen Thesen zur Medienverwahrlosung.
11. Diskussion: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengeführt, die Fragestellungen beantwortet und eine kritische Reflexion der Arbeit vorgenommen.
Medienwirkung, Rezeptionsforschung, handlungstheoretisches Rezeptionsmodell, Hirnforschung, Computersucht, Medienverwahrlosung, Mediennutzung, Sozialisation, kognitive Entwicklung, Neuroimaging, Bildschirmmedien, Medienkompetenz, Jugendkriminalität, Identitätsbildung, qualitative Forschung.
Die Arbeit untersucht den wissenschaftlichen Diskurs über den Einfluss von Massen- und Individualmedien auf die sozialkognitive Entwicklung von Kindern. Dabei wird besonders das Spannungsfeld zwischen neurobiologischen Warnmeldungen und soziologisch-handlungstheoretischen Rezeptionsmodellen beleuchtet.
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung der Medienforschung, die Analyse spezifischer handlungstheoretischer Modelle der Medienrezeption sowie die kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen Forschung von Spitzer, Hüther und Pfeiffer.
Das Ziel ist eine realistische Einschätzung des derzeitigen Forschungsstandes. Die Arbeit fragt, ob die medienkritischen Positionen der drei genannten Wissenschaftler vor dem Hintergrund moderner Rezeptionsforschung haltbar sind und ob sie adäquate methodische Ansätze verwenden.
Die Autorin verwendet ein qualitatives, review-basiertes Vorgehen. Sie analysiert und vergleicht existierende Forschungsmodelle (insbesondere das handlungstheoretische Rezeptionsmodell von Charlton und Neumann-Braun) mit den aktuellen Studien und Postulaten der genannten Hirnforscher und Kriminologen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Rezeptionsforschung und eine detaillierte, kritische Prüfung der Argumentationen von Spitzer, Hüther und Pfeiffer hinsichtlich ihrer Medienwirkungsmodelle, Menschenbilder und methodischen Vorgehensweisen.
Medienwirkung, Rezeptionsforschung, handlungstheoretisches Modell, Hirnforschung, Medienverwahrlosung, Computersucht, Mediennutzung und Sozialisation.
Die Kritik richtet sich vor allem gegen die methodische Reduzierung der Mediennutzung auf monokausale Wirkungsmodelle, die Vernachlässigung des aktiven Rezeptionsprozesses und die mangelnde externe Validität der im Labor gewonnenen Erkenntnisse für den komplexen Alltag von Kindern.
Es ist ein Modell, das Mediennutzung nicht als passiven Konsum, sondern als aktives, zielgerichtetes Handeln betrachtet, das in soziale Kontexte und die individuelle Lebensbewältigung der Nutzer eingebettet ist.
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