Examensarbeit, 2005
93 Seiten, Note: 1,0
1. ZUM BEGRIFF „NEUE MUSIK“
1.1 Historische Entwicklung des Begriffs „Neue Musik“
1.1.1 „Neue Musik“ vor 1910
1.1.2 Begriffsbildung
1.1.3 Veränderungen in der Begriffsbedeutung
1.2 Unterschiede zwischen Neuer, moderner und zeitgenössischer Musik
1.2.1 Neue Musik – moderne Musik
1.2.2 Neue Musik – zeitgenössische Musik
1.3 Nähere inhaltliche Bestimmung
1.3.1 Charakteristika Neuer Musik zur Zeit der Begriffsbildung
1.3.2 Charakteristika Neuer Musik nach 1945
1.3.3 Neue Musik und Postmoderne
2. HISTORISCHE ENTWICKLUNG NEUER MUSIK IM MUSIKUNTERRICHT
2.1 Die Reform Leo Kestenbergs
2.1.1 Kestenbergs Ideen zur „Musikerziehung und Musikpflege“
2.1.2 Lehrplanbestimmungen nach 1924
2.1.3 Neue Musik in fachdidaktischer Literatur
2.2 Nationalsozialismus
2.3 Nachkriegszeit
2.3.1 Lehrpläne und fachdidaktische Literatur
2.3.2 Adornos Kritik an „musikpädagogischer Musik“
2.4 Schul- und Bildungsreform um 1970
2.4.1 Handlungszentrierte Vermittlung Neuer Musik
2.4.2 Wissenszentrierte Vermittlung Neuer Musik
2.4.3 Folgen der Bildungsreform
2.5 Vorgaben heute
2.5.1 Bisherige Vorgaben
2.5.2 Kommende Vorgaben
3. BEDINGUNGEN UND VORAUSSETZUNGEN
3.1 Lehrerperspektive
3.1.1 Neue Musik im musikalischen Konzept des Lehrers
3.1.2 Lehrerorientierung
3.2 Schülerperspektive
3.2.1 Neue Musik im Urteil der Schüler
3.2.2 Veränderbarkeit von Schülerurteilen
3.2.3 Probleme bei der Vermittlung Neuer Musik
4. ZIELVORSTELLUNGEN
4.1 Neue Musik im Unterricht als Selbstzweck
4.1.1 Neue Musik als Bestandteil eines Bildungskanons
4.1.2 Erhöhung der Wertschätzung Neuer Musik
4.2 Neue Musik im Unterricht als Mittel zum Zweck
4.2.1 Musikalische Lernziele
4.2.2 Soziale Lernziele
5. METHODISCHE ANSÄTZE
5.1 Musizieren einer bestehende Komposition
5.1.1 Auswahl der Komposition
5.1.2 Fehlender Bezug zum musikalischen Konzept
5.1.3 Zur Verschränkung von Praxis und Fachwissen
5.2 Komponieren im Klassenverband
5.2.1 Erkundung des Materials
5.2.2 Anordnung des Materials
5.2.3 Öffentliche Präsentation
5.3 Werkbetrachtung
5.3.1 Das Werk in Bezug zum musikalischen Konzept der Schüler
5.3.2 Faktenwissen über das Werk
5.3.3 Musikalische Praxis am Werk
6. DAS BESONDERE AN NEUER MUSIK IM MUSIKUNTERRICHT (SCHLUSS)
Diese Arbeit untersucht die Stellung der Neuen Musik im Musikunterricht der allgemeinbildenden Schule und legitimiert deren Einbindung durch eine mehrdimensionale Betrachtung von geschichtlichen Entwicklungen, fachdidaktischen Konzepten sowie Lehrer- und Schülerperspektiven.
1.3.1 Charakteristika Neuer Musik zur Zeit der Begriffsbildung
Durch die Betrachtung der Begrifflichkeit in den letzten beiden Abschnitten hat zwangsweise eine inhaltliche Präzisierung des Begriffs „Neue Musik“ stattgefunden. Die Musik Schönbergs um 1910, die für Bekker die Neue Musik ideal verkörpert, ist als erster Teil des Begriffs zu nennen. Das fundamental Neue des musikalischen Expressionismus als erste Phase der Neuen Musik ist die Emanzipation der Dissonanz, die Loslösung von dur-moll-tonaler Harmonik und Melodik. Statt durch formbildende Harmonik wird die Form nahezu intuitiv durch den freien Fluss der Melodie gestaltet. Als Beispiel für diese „Ästhetik expressionistischer Unmittelbarkeit“ kann besonders Schönbergs drittes Klavierstück aus op. 11 angesehen werden. Auch die Kompositionen seiner Schüler Alban Berg und Anton Webern entsprechen bis 1920 im Grunde genommen dieser Ästhetik.
Außer diesen drei Komponisten der Zweiten Wiener Schule wird schon früh ein weiterer Name als Hauptvertreter der Neuen Musik genannt: Igor Strawinsky, dessen Le sacre du printemps von 1913 als epochaler Einschnitt betrachtet wird. Anders als Schönberg löst sich Strawinsky von der Dur-Moll-Tonalität, indem sich bei ihm die Emanzipation der Dissonanz aus der „Emanzipation des Rhythmus“ ergibt. Strawinsky betont das Rhythmische durch die Verwendung von der traditionellen Periodik entgegensetzten Elementen der Folklore als kompositorisches Material. Auch Béla Bartók löst sich in seiner Musik um 1910 von der Dur-Moll-Tonalität, indem er folkloristische Elemente als formbildendes Material verwendet. Der artifizielle Folklorismus und die Musik der freien Atonalität (Wiener Schule, aber auch Alexander Skrjabin) waren die beiden wichtigen Strömungen, die sich von einer funktionsharmonisch fassbaren Musik gelöst und zur Bildung des Begriffs „Neue Musik“ geführt haben. Deswegen sind sie auch heute noch als Neue Musik aufzufassen.
1. ZUM BEGRIFF „NEUE MUSIK“: Dieses Kapitel definiert Neue Musik terminologisch, grenzt sie von Begriffen wie „moderne“ oder „zeitgenössische“ Musik ab und charakterisiert ihre inhaltlichen Grundlagen von der Jahrhundertwende bis zur Postmoderne.
2. HISTORISCHE ENTWICKLUNG NEUER MUSIK IM MUSIKUNTERRICHT: Die historische Darstellung analysiert den Stellenwert der Neuen Musik in verschiedenen schulpolitischen Epochen von Kestenberg über den Nationalsozialismus bis zur Bildungsreform um 1970 und den aktuellen Vorgaben.
3. BEDINGUNGEN UND VORAUSSETZUNGEN: Hier werden die Voraussetzungen auf Seiten der Lehrer (z.B. Ausbildung, Einstellung) und der Schüler (z.B. Hörgewohnheiten, Urteilsbildung) sowie die damit verbundenen Vermittlungsprobleme untersucht.
4. ZIELVORSTELLUNGEN: Dieses Kapitel differenziert zwischen der Vermittlung Neuer Musik als Selbstzweck (Bildungskanon, Wertschätzung) und als Mittel zum Zweck (musikalische und soziale Lernziele).
5. METHODISCHE ANSÄTZE: Der Hauptteil erläutert praktische Wege der Vermittlung durch Musizieren, Komponieren und Werkbetrachtung, wobei eine Verschränkung von Praxis und Fachwissen angestrebt wird.
6. DAS BESONDERE AN NEUER MUSIK IM MUSIKUNTERRICHT (SCHLUSS): Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und argumentiert für eine stärkere, regelmäßige Einbindung der Neuen Musik in den Musikunterricht.
Neue Musik, Musikunterricht, Musikpädagogik, Komposition, Musizieren, Werkbetrachtung, Musikgeschichte, Didaktik, Bildungskanon, Schülerorientierung, Musiktheorie, Atonalität, Klangexperimente, Musikwissenschaft, Zweite Wiener Schule
Die Arbeit untersucht die theoretischen und methodischen Voraussetzungen, um Neue Musik sinnvoll in den Musikunterricht der allgemeinbildenden Schule zu integrieren.
Im Fokus stehen die Begriffsklärung der Neuen Musik, ihre historische Verankerung im Schulwesen, die Analyse von Lehrer- und Schülerperspektiven sowie die Entwicklung didaktischer Konzepte.
Ziel ist es zu erörtern, welche Stellung die Neue Musik im heutigen Musikunterricht einnehmen kann und wie sie legitimiert sowie methodisch vermittelt werden kann.
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, historische Betrachtungen von Lehrplänen und die Einbeziehung empirischer musikpädagogischer Studien.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Rahmenbedingungen, die Formulierung von Zielvorstellungen und die Darlegung methodischer Ansätze wie Musizieren und Komponieren.
Wesentliche Begriffe sind Neue Musik, Musikpädagogik, Didaktik, Komposition, Musizieren, Schülerorientierung und Curriculum.
Die Arbeit verdeutlicht, dass Begriffe wie "moderne" oder "zeitgenössische" Musik oft vage sind, während "Neue Musik" als historischer Fachbegriff eine spezifische ästhetische Kategorie für die Musik seit ca. 1910 bezeichnet.
Es ermöglicht den Schülern einen ästhetischen Zugang, der über bloße kognitive Analysen hinausgeht und ihre Kreativität sowie ihr Verständnis für kompositorische Prozesse fördert.
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