Magisterarbeit, 2007
154 Seiten, Note: 1,0
0 Einleitung
1 Die Historizität des Sehens – ein theoretischer Aufriss
1.1 Visuelle Medien in der gegenwärtigen Forschungslandschaft
1.2 Spuren der Geschichte: Anmerkungen zum Untersuchungsgegenstand
1.3 Körper|Hygiene|Geschichte: Anmerkungen zum Untersuchungsfeld
1.4 Fragestellung und methodischer Ansatz
1.5 Vorgehensweise und vorhergehende Reflexionen
2 Das Lichtbild – ein Medium im Fokus
2.1 Rahmung oder die Frage: Was ist ein Lichtbild?
2.2 Die historische Entwicklung der Lichtbildprojektion
2.3 Das Lichtbild als Bildungsmedium
2.4 Die Vortragskultur in der Weimarer Republik
3 Vom Blickwinkel der Akteure – Kontext der Lichtbilder
3.1 Betrachtungen zum Hygienediskurs
3.1.1 Divergierende Positionen: Der Hygienediskurs in der Weimarer Republik
3.1.2 Die Entwicklung der hygienischen Volksbelehrung
3.2. Das Deutsche Hygiene Museum
3.2.1 Die Geschichte der Institution
3.2.2 Die Organisation des Museums und seine gesellschaftliche Ausrichtung
3.2.3 Einblicke in die Lehrmittelwerkstatt und die Lichtbildstelle
3.3 Einsichten: Resümee des ersten Teils dieser Arbeit
4 Der forschende Blick – Bildbetrachtungen
4.1 Die Begegnung mit dem Lichtbildmaterial
4.2 Korpusbildung
4.2.1 Themen und Motive der Lichtbildreihen
4.2.2 Auswahl der Lichtbildreihen
4.3 Visualisierungsformen
4.3.1 Die Fotografie als Dokumentationsmedium
4.3.2 „Naturgetreue“ Darstellungen des fragmentierten Körpers
4.3.3 Idealisierte Körperbilder: Moulagen und anatomische Zeichnungen
4.3.4 Graphische Darstellungen statistischer Daten
4.3.5 Illustrierende Grafiken, Karikaturen und Kunstwerke
4.3.6 Textuelle Zeichen und Typografie
4.3.7 Ergebnisse dieser Betrachtungen
4.4 Narrative Muster in ausgewählten Lichtbildreihen
4.4.1 Reihe 3: Haut und Muskeln
4.4.2 Reihe 40: Soziale Bedingungen der Geschlechtskrankheiten
4.4.3 Ergebnisse der Untersuchung
5 Diskursformationen - Spuren in den Bildern
5.1 Körperbilder I: Die »Medikalisierung des Sehens«
5.2 Körperbilder II: Das Pathologische im Kontrast zum Gesunden
5.3 Körperbilder III: Der entblößte und der bloßgestellte Leib
5.4 Der skeptische Blick: Der Mensch als Ansteckungsquelle
5.5 Zwei Leitbilder: Der Arbeitskörper und der athletische Mann
5.6 Perspektivwechsel? Vom individuellen Körper zum »Volkskörper«
6 Einsichten und Ausblicke – eine Schlussbetrachtung
Die Magisterarbeit untersucht, wie der Diskurs der hygienischen Volksbelehrung in der Zeit der Weimarer Republik durch Lichtbildreihen des Deutschen Hygiene Museums (DHM) organisiert und vermittelt wurde. Dabei wird analysiert, wie diese visuellen Medien als Teil einer populärwissenschaftlichen Vortragskultur fungierten und welche Rolle sie bei der Konstruktion von Körperbildern sowie bei der Vermittlung gesundheitspolitischer Normen spielten.
1. Die Historizität des Sehens – ein theoretischer Aufriss
Diese Arbeit geht von der Grundannahme aus, dass alles, was wir sehen, historisch gebunden ist, dass demnach ein interessenloser, »freier Blick« nicht existiert. Dies ist eine mögliche Betrachtungsweise unter einem kulturwissenschaftlichen Blickwinkel, der von den Arbeiten Michel FOUCAULTs inspiriert und geleitet ist. Im Sinne FOUCAULTs teile ich die Ansicht, dass unsere Wahrnehmung unaufhörlich in Ordnungsschemata eingebunden ist, die organisieren, was sichtbar und ersichtlich ist.
FOUCAULT spricht in diesem Zusammenhang von Diskursen. Es handelt sich dabei um symbolische Ordnungen, die sich aus der Menge an Aussagen resp. Wissenssegmenten formieren, die einem gemeinsamen Formationssystem angehören. Diskurse formieren und wandeln sich in einem fortdauernden Prozess der Auseinandersetzung mit den Erscheinungen und den materiellen Dingen der Welt. Im Hinblick auf Bilder geschieht dies in doppelter Richtung: Zum einen wandeln sich Inhalt und Form der Darstellung, zum anderen verändert sich ihre Rezeption vor dem Hintergrund aktueller Denkstile und Seherfahrungen.
Visuelle Medien stellen einen konkreten Forschungsgegenstand dar, um diese »Historizität des Sehens« aus ihren medialen Gegebenheiten heraus zu hinterfragen. Setzt man an diesem Punkt an und blickt von hieraus zurück auf das eingangs genannte Zitat von John RAJCHMAN, wird die Relevanz einer Kulturwissenschaft, die sich mit der Produktion und Rezeption von Bildern auseinander setzt, deutlich. Denn wenn alles Wissen von historisch spezifischen Denkstilen aus geordnet wird, so ist die Präsentation dieses Wissens umso mehr von jenen zeitgebundenen diskursiven Praktiken und dem technologischen Stand medialer Übertragung bestimmt.
0 Einleitung: Einführung in die Thematik der medial geprägten Wissensvermittlung und Zielsetzung der Untersuchung der Lichtbildreihen des DHM.
1 Die Historizität des Sehens – ein theoretischer Aufriss: Theoretische Fundierung der Arbeit basierend auf Foucaults Diskursanalyse und Ansätzen der Visuellen Kultur.
2 Das Lichtbild – ein Medium im Fokus: Analyse der medialen Spezifika, der historischen Entwicklung und des gesellschaftlichen Gebrauchs des Lichtbilds als Projektionsmedium.
3 Vom Blickwinkel der Akteure – Kontext der Lichtbilder: Kontextualisierung des Deutschen Hygiene Museums als zentraler Akteur im Diskurs der hygienischen Volksbelehrung.
4 Der forschende Blick – Bildbetrachtungen: Detaillierte Untersuchung der verschiedenen Visualisierungsformen und narrativen Muster in den Lichtbildreihen.
5 Diskursformationen - Spuren in den Bildern: Aufarbeitung von spezifischen Aussagen und Körperbild-Diskursen, die in den Bildern zum Ausdruck kommen.
6 Einsichten und Ausblicke – eine Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Schlussbetrachtung zur Bedeutung der Untersuchung historischer Bildmedien für das Verständnis moderner Wahrnehmungsprozesse.
Hygienische Volksbelehrung, Deutsches Hygiene Museum, Lichtbilder, Weimarer Republik, Visuelle Kultur, Wissensbilder, Medikalisierung des Sehens, Körperhygiene, Sozialhygiene, Rassenhygiene, Visualisierungsstrategien, Bilddiskurs, Wissensvermittlung, Diapositive, Projektionskunst
Die Arbeit analysiert die hygienische Volksbelehrung in der Weimarer Republik, indem sie Lichtbildreihen des Deutschen Hygiene Museums als historisches Quellenmaterial untersucht.
Im Zentrum stehen die Medialität der Lichtbilder, ihre Funktion als Lehrmittel, die Rolle des DHM als Produzent von "Wissensbildern" und die diskursive Konstruktion von Körperbildern im Kontext der Zeit.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie mittels Lichtbildern ein bestimmtes hygienisches Wissen organisiert, strukturiert und an breite Bevölkerungsschichten vermittelt wurde.
Die Autorin nutzt Ansätze der historischen Diskursanalyse, inspiriert durch Michel Foucault, sowie Methoden der Visuellen Kultur, um die Bedeutung der Bildquellen im historischen Kontext zu entschlüsseln.
Der Hauptteil gliedert sich in die mediale Analyse des Lichtbilds, die Untersuchung des DHM als Institution und eine tiefgehende bildanalytische Untersuchung von Fallbeispielen zur Darstellung von Körpern und Krankheiten.
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Hygienische Volksbelehrung, Deutsches Hygiene Museum, Visuelle Kultur, Medikalisierung des Sehens und Wissensbilder.
Der Körper dient als fundamentales Objekt der hygienischen Belehrung, wobei er durch medizinische Blicke in "normale" und "pathologische" Zustände unterteilt und diskursiv geformt wird.
Das DHM agierte als zentraler Akteur, der wissenschaftliche Erkenntnisse in eine populärwissenschaftliche Bildsprache übersetzte, um gesundheitspolitische und gesellschaftliche Normen aktiv mitzugestalten.
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