Masterarbeit, 2022
130 Seiten, Note: 2,3
1. Einführung
2. Postmoderne – Definitionen und Theorien
3. „Tarantinoesk“: Zum Stil des Erfolgsregisseurs
4. Pulp Fiction: postmoderne Hommage an die Nouvelle Vague
4.1 Dekonstruktion des Gangsters in Tirez sur le pianiste (1960)
4.2 Lebendiges Erzählen & Popkultur in À bout de souffle
4.3 Mia Wallace & Nana Kleinfrankenheim
4.4 Pulp-Einfluss und tanzende Charaktere in Bande à part
4.5 Fragmentiertes Erzählen und ihre Wirkung
4.6 Multiperspektivität
4.7 Zusammenfassung
5. Kill Bill: Konstruktionscharakter, Identität und Weiblichkeitsbilder
5.1 Eastern, Western, Samurai – Intertextuelle Spuren
5.2 Gewaltinszenierung und Gegensätze
5.3 Beatrix und die postmoderne Identität
5.4 Dekonstruktion von weiblichen Rollenbildern
5.5 Zusammenfassung
6. Django Unchained: ein postmoderner Italowestern?
6.1 Django und Schultz: Westernhelden mit Schattenseiten
6.2 Genreeinflüsse fernab des Italowesterns
6.3 Historiografische Metafiktion durch Perspektivwechsel und Parodie
6.4 Fetisch, Feindbild und Komplize: People of Colour in Django Unchained
6.5 Zusammenfassung
7. Once upon a Time in Hollywood: Wie Tarantino sich selbst zitiert
7.1 Kontrafiktion, Voiceover und Gewaltinszenierung
7.2 Rick und Cliff – zwei unzertrennliche Buddys
7.3 Schauspieler-Referenzen und Karikaturen
7.4 Filmische und musikalische Verweise
7.5 Elemente der Selbstparodie
7.6 Umgang mit Realität und Fiktion
7.7 Zusammenfassung
8. Schlussbetrachtung
Diese Arbeit untersucht, inwieweit die Werke Quentin Tarantinos Merkmale der Postmoderne aufweisen, welche stilistischen Elemente dominieren und wie sich diese in seinem fast 30-jährigen Schaffen entwickelt haben. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Tarantino postmoderne Strategien wie Intertextualität, Pastiche und Fragmentierung nutzt, ohne dabei seine eigene, unverkennbare Handschrift zu verlieren.
4.1 Dekonstruktion des Gangsters in Tirez sur le pianiste (1960)
Tirez sur le pianiste von François Truffaut stammt aus dem Jahr 1960 und basiert auf dem Roman Down There von David Goodis (IMDb-Redaktion, o.D.: Tirez sur le pianiste, Trivia). Protagonist des Filmes ist der Pianist Edouard Saroyan (Charles Aznavour), der versucht, seine tragische Vergangenheit, die aus einer gescheiterten Musiker-Laufbahn und dem Selbstmord seiner Geliebten bestand, mit neuer Identität zu verdrängen. Überraschend jedoch tritt sein älterer Bruder Chico (Albert Rémy) wieder in sein Leben und zieht ihn in Konflikte mit den Gangstern Ernest (Daniel Boulanger) und Momo (Claude Mansard) hinein. Gleichzeitig verliebt sich die Kellnerin Lena (Marie Dubois) in ihn und möchte ihm dabei helfen, sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken.
In Bezug auf Pulp Fiction ist ein genauer Blick auf die Gangster in Tirez sur le pianiste, Ernest und Momo, besonders ertragreich. Es ergeben sich Parallelen zu Jules Winnfield und Vincent Vega hinsichtlich des Gangster-Typus. In beiden Filmen wird der Stereotyp des Gangsters dekonstruiert und teilweise parodiert. So wirken Ernest (Daniel Boulanger) und Momo (Claude Mansard) trotz ihrer kriminellen Energie mitnichten furchteinflößend. Mit ihrer Kleidung – Seidenschals, Schiebermütze und Hut – und ihren Pfeifen widersprechen sie dem visuellen Stereotyp von Gangstern, wirken unscheinbar und harmlos. Auch ihr Auftreten lässt jegliche Souveränität und Finesse vermissen. Als die beiden Edouard und Lena mit dem Hintergedanken, sie gefangen zu nehmen, folgen, tun sie dies so auffällig, dass Lena sie entdeckt und die beiden flüchten können (Truffaut 1960: 16:26). Als es ihnen tatsächlich gelingt, Edouard zu entführen, sind sie sich erst nicht einig, ob sie ihn mit oder ohne Waffengewalt in das Auto zwingen wollen (ebd.: 24:17). Im Laufe der Entführung verlieren sie sich in belanglose, teils lüsterne Diskussionen, die darin gipfeln, dass Momo erzählt, er habe mal die Seidenstrümpfe seiner Schwester anprobiert (ebd.: 28:49).
1. Einführung: Darstellung der Ausgangslage und Zielsetzung der Arbeit, inklusive einer Vorstellung der untersuchten Filme und der Forschungsfrage.
2. Postmoderne – Definitionen und Theorien: Theoretische Einordnung postmoderner Konzepte wie Metanarrative, Hyperrealität und Pastiche anhand einschlägiger Theoretiker.
3. „Tarantinoesk“: Zum Stil des Erfolgsregisseurs: Analyse der prägenden Stilmerkmale Tarantinos, wie hybride Erzählweisen, Intertextualität sowie die spezifische Komik-Gewalt-Ästhetik.
4. Pulp Fiction: postmoderne Hommage an die Nouvelle Vague: Untersuchung der stilistischen und narrativen Parallelen zwischen Pulp Fiction und Vorbildern der Nouvelle Vague.
5. Kill Bill: Konstruktionscharakter, Identität und Weiblichkeitsbilder: Analyse der filmischen Konstruktion, der Identität der Protagonistin und der Dekonstruktion von Geschlechterrollen.
6. Django Unchained: ein postmoderner Italowestern?: Untersuchung des Genres Western in Django Unchained unter besonderer Berücksichtigung historischer Metafiktion und parodistischer Elemente.
7. Once upon a Time in Hollywood: Wie Tarantino sich selbst zitiert: Analyse der metareflexiven Züge des Films, in dem sich der Regisseur intensiv mit seiner eigenen Filmografie und Fiktionalität auseinandersetzt.
8. Schlussbetrachtung: Resümee der Befunde über die postmoderne Entwicklung in Tarantinos Oeuvre und Ausblick auf künftige Forschungsmöglichkeiten.
Quentin Tarantino, Postmoderne, Filmwissenschaft, Intertextualität, Nouvelle Vague, Italowestern, Pastiche, Dekonstruktion, Metafiktion, Identität, Gewaltinszenierung, Pulp Fiction, Kill Bill, Django Unchained, Once Upon a Time in Hollywood.
Die Arbeit untersucht, wie Quentin Tarantino postmoderne Strategien in seinen Filmen einsetzt, um etablierte Sehgewohnheiten zu brechen und eine neue, hybride Filmästhetik zu schaffen.
Die zentralen Felder sind die Definition postmoderner Filmtheorie, die Analyse spezifischer Referenzfilme (wie Nouvelle Vague-Klassiker oder Italowestern) und die Entwicklung von Identitätsbildern und Geschlechterrollen in den Werken des Regisseurs.
Das Ziel ist es, die stilistische Entwicklung Tarantinos über verschiedene Schaffensphasen hinweg aufzuzeigen und zu belegen, wie er Elemente aus seinem eigenen "Film-Universum" zunehmend selbstreflexiv und metareflexiv verwendet.
Die Arbeit nutzt die Methode der vergleichenden Filmanalyse, bei der ausgewählte Werke Tarantinos mit relevanten Vorbildern der Filmgeschichte in Bezug auf Erzählstruktur, Kameraführung und inhaltliche Motive gegenübergestellt werden.
Der Hauptteil gliedert sich in vier große Filmanalysen: Pulp Fiction (Bezug zur Nouvelle Vague), Kill Bill (Konstruktionscharakter und Weiblichkeitsbilder), Django Unchained (postmoderner Western) und Once Upon a Time in Hollywood (Selbstzitation und Metafiktion).
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Postmoderne, Intertextualität, Pastiche, Dekonstruktion, Metafiktion sowie die spezifischen Begriffe wie "Tarantinoesk" und "Hyperrealität".
Kill Bill nutzt eine offene, fast exzessive Intertextualität zu asiatischen Martial-Arts-Filmen und Western, wodurch er sich selbst als artifizielles Konstrukt ausstellt, das nicht primär die Realität, sondern das Medium Film selbst als Inspirationsquelle nutzt.
In diesem Film zitiert Tarantino nicht mehr nur äußere Filmgenres, sondern seinen eigenen "Kosmos". Dies dient dazu, die Ebenen von Realität und Fiktion noch stärker zu verschwimmen und den metareflexiven Charakter seines Schaffens zu potenzieren.
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