Masterarbeit, 2021
68 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Jugend
2.2 Normen
2.3 Devianz/Delinquenz
2.4 Migranten / Menschen mit Migrationshintergrund / Ausländer & Einheimische / Deutsche
3. Kriminalstatistik der Polizei
3.1 Jugenddelinquenz Migranten vs. Einheimische
3.2 Erkenntnisse aus dem Dunkelfeld
4. Historische Aspekte von Migration
4.1 Entwicklung der Zuwanderung
4.2 Migranten in Deutschland
5. Aktuelle Lebensumstände von Migranten
5.1 Wohnsituation
5.2 Schule
5.3 Bildungschancen
5.4 Familie
5.5 Freunde
5.6 Kultur
5.7 Zwischenfazit
6. Theorien zur Erklärung von Jugenddelinquenz
6.1 Anomietheorie
6.2 Subkulturtheorie
6.3 Kulturkonflikttheorie
6.4 Theorien des differentiellen Lernens
6.5 Etikettierungstheorie
6.6 Zwischenfazit
7. Präventionsmaßnahme Integration
8. Fazit
Die vorliegende Masterarbeit befasst sich mit der zentralen Frage, ob junge Migranten in Deutschland krimineller sind als Einheimische, und analysiert hierzu sowohl polizeiliche Kriminalstatistiken als auch soziologische Erklärungsansätze für abweichendes Verhalten.
6.3 Kulturkonflikttheorie
In der Subkulturtheorie von Cohen ging es hauptsächlich um jugendliche delinquente Banden. Sellin hat sich mit der Theorie des Kulturkonfliktes auf die Kriminalität von Ausländern bzw. Migranten spezialisiert. Er unterscheidet zwischen äußeren und inneren Kulturkonflikten, wobei sich der äußere Kulturkonflikt auf einen unmittelbar kriminogenen Kulturkonflikt bezieht und der innere Kulturkonflikt auf einen mittelbaren. Der äußere Kulturkonflikt beschreibt einen Konflikt zwischen dem Normsystem des Heimatlandes und der des Einwanderlandes, welches zu Devianz oder Delinquenz führt (vgl. Rebmann 1998, S. 277).
Sellin formuliert 1938 diesen Konflikt wie folgt:
„Conflicts between the norms of divergent cultural codes may arise
(1) when these codes clash on the border of contiguous cultural areas;
(2) when, as may be the case with legal norms, the law of one cultural group is extended to cover
the territory of another; or
(3) when members of one cultural group migrate to another“ (Sellin 1938, S. 63).
Sellin geht also davon aus, dass Migranten zwei Kulturen und deren Normen gegenüberstehen. Wenn diese Normen- und Wertesysteme nicht übereinstimmen, kann dies zu Desorientierung und infolgedessen zu einem Konflikt führen. Ausgehend von der ersten Generation der Migranten ist die Persönlichkeit zunächst abhängig von der Sozialisation des Heimatlandes. Migranten versuchen aber, sich den Normen des Einwanderungslandes anzupassen und eine neue soziale Identität zu erwerben. Je ungleicher die Normen und Werte zwischen den Kulturen sind, desto größer ist auch der resultierende Kulturkonflikt und es entstehen Anpassungsschwierigkeiten (vgl. Kubnik 1993, S. 69).
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Jugendkriminalität bei Migranten unter Berücksichtigung medialer und statistischer Vorurteile.
2. Begriffsdefinitionen: Klärung essenzieller Begriffe wie Jugend, Normen, Devianz und die Abgrenzung von Migrationshintergrund.
3. Kriminalstatistik der Polizei: Analyse der PKS sowie des Dunkelfelds zur Einordnung der Kriminalitätsbelastung von Jugendlichen.
4. Historische Aspekte von Migration: Übersicht über die Migrationsgeschichte Deutschlands von der Anwerbephase bis zur heutigen Akzeptanzphase.
5. Aktuelle Lebensumstände von Migranten: Betrachtung sozialer Faktoren wie Wohnsituation, Schule, Familie und Freunde in Bezug auf Delinquenz.
6. Theorien zur Erklärung von Jugenddelinquenz: Darstellung soziologischer Ansätze wie Anomietheorie, Subkulturtheorie und Etikettierungstheorie.
7. Präventionsmaßnahme Integration: Diskussion von Integrationskonzepten zur Prävention von Jugenddelinquenz.
8. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf die Bedeutung einer effektiven Kriminal- und Integrationspolitik.
Jugenddelinquenz, Migration, Kriminalstatistik, PKS, Dunkelfeld, Anomietheorie, Subkulturtheorie, Etikettierungstheorie, Integration, Sozialisation, Ausländerkriminalität, Diskriminierung, Prävention, Soziale Identität, Bildungsdefizite
Die Arbeit untersucht die verbreitete Annahme, dass junge Migranten in Deutschland krimineller seien als einheimische Jugendliche, und prüft diese wissenschaftlich auf Basis von Statistiken und Theorien.
Die Arbeit umfasst die kritische Analyse der Polizeilichen Kriminalstatistik, die historische Entwicklung der Migration sowie soziologische Erklärungsmodelle für abweichendes Verhalten.
Das Ziel ist es, Vorurteile gegenüber jungen Migranten durch eine differenzierte Betrachtung der Kriminalitätsursachen und der Grenzen offizieller Statistiken zu hinterfragen.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Statistiken (PKS, Mikrozensus, KFN-Studien), um einen theoretischen Rahmen zur Erklärung von Jugenddelinquenz zu spannen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine statistische Bestandsaufnahme, eine Analyse der sozioökonomischen Lebensumstände und eine detaillierte theoretische Diskussion (Anomie, Etikettierung etc.).
Begriffe wie Jugenddelinquenz, Diskriminierung, Etikettierung (Labeling) und sozialstrukturelle Integration sind für das Verständnis der Arbeit zentral.
Die PKS differenziert nach Staatsangehörigkeit, wodurch Migranten mit deutscher Staatsangehörigkeit als "Deutsche" gezählt werden, was die statistische Vergleichbarkeit zur Identifikation von Migrationsfolgen verzerrt.
Die Theorie erklärt, dass nicht zwingend das Verhalten selbst, sondern die Stigmatisierung und das Labeling durch soziale Instanzen dazu führen, dass Migranten verstärkt als delinquent wahrgenommen und behandelt werden.
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