Bachelorarbeit, 2008
38 Seiten, Note: 1,3
1. Exposition – Bedeutung des Körpers in unserer Gesellschaft
2. Der Mensch und sein Körper
2.1. Körper und Macht
2.2. Der genormte Körper
3. Das Konzept der „totalen Institution“
4. Der Körper als „totale Institution“
4.1. „Haus der Schildkröten“
4.2. Auf den Spuren der „totalen Institution“ im „Haus der Schildkröten“
4.3. Der Körper als „totale Institution“ im „Haus der Schildkröten“
4.4. Verlust der Körperlichkeit = Verlust der gesellschaftlichen Identität?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Körperlichkeit, gesellschaftlicher Identität und dem Konzept der „totalen Institution“. Dabei wird die zentrale Forschungsfrage gestellt, ob der Verlust der körperlichen Funktionsfähigkeit, etwa durch Krankheit oder Alter, zwangsläufig zum Verlust der gesellschaftlichen Identität führt, indem der eigene Körper selbst zur „totalen Institution“ wird.
4.2. Auf den Spuren der „totalen Institution“ im „Haus der Schildkröten“
Unter Rückgriff auf Erving Goffman lässt sich das Altersheim in Pehnts Roman, wie andere „totale Institutionen“ auch, „als Wohn- und Arbeitsstätte einer Vielzahl ähnlich gestellter Individuen […], die für längere Zeit von der übrigen Gesellschaft abgeschnitten sind und miteinander ein abgeschlossenes, formal reglementiertes Leben führen“40 identifizieren.
Die zentrale Autorität und Macht geht von der Heimleitung und in Stellvertretung dem Pflegepersonal aus. So wird z. B. der Tag-Nachtrhythmus von Selbigen vorgegeben. „Der Morgen sickert durch die Ritzen der Rollläden, bevor Gabriele kommt und sie mit einem Ruck nach oben reißt. Frau von Kanter schiebt das Kinn vorsichtig nach links und rechts, ein langsames Kopfschütteln.“41
Selbst körperliche Bedürfnisse werden einer Terminierung durch das Anstaltspersonal unterzogen, egal ob es sich dabei um die Morgentoilette oder die Einnahme der Mahlzeiten handelt. „Wollen Sie nochmal für kleine Mädchen? Frau Hint schüttelt beschämt den Kopf, obwohl ihre Blase voll mit Orangenlimonade und Kaffee vom Mittagessen ist […]. Komm, Frau Hint, drängt Gabriele, einmal auf Vorrat, sonst muss ich gleich wieder rennen, oder es gibt ein Unglück.“42
Diese Kommunikationsform, die einer Umgangsweise mit einem kleinen Kind gleicht sowie damit einhergehender Eingriff in intime physische Bedürfnisse, stellen dabei einen Angriff auf das „Selbst“ der Bewohnerin Frau Hint dar. Hierin offenbart sich ein weiteres Merkmal von „totalen Institutionen“, welches das Machtverhältnis und die Beanspruchung der Autorität auf Seiten des Personals verortet.
1. Exposition – Bedeutung des Körpers in unserer Gesellschaft: Einleitung in die zunehmende Fixierung auf den Körper in der modernen Leistungsgesellschaft und dessen Bedeutung für den sozialen Status.
2. Der Mensch und sein Körper: Untersuchung der soziologischen Bedeutung des Körpers als Erfahrungsort und Identitätsgrundlage.
2.1. Körper und Macht: Analyse von Foucaults Machtbegriff und der Disziplinierung des menschlichen Körpers durch gesellschaftliche Institutionen.
2.2. Der genormte Körper: Erörterung der medizinischen Konstruktion des „Normalkörpers“ und deren gesellschaftliche Auswirkungen durch den bewertenden Blick.
3. Das Konzept der „totalen Institution“: Einführung in Erving Goffmans Theorie totaler Institutionen und deren repressive Charakteristika.
4. Der Körper als „totale Institution“: Übertragung der theoretischen Konzepte auf das Individuum, dessen Körper durch Gebrechlichkeit selbst zur restriktiven Instanz wird.
4.1. „Haus der Schildkröten“: Vorstellung des gewählten Romans als literarische Grundlage zur Identifizierung der „totalen Institution“ im Altersheim.
4.2. Auf den Spuren der „totalen Institution“ im „Haus der Schildkröten“: Konkrete Analyse der Machtstrukturen und der Behandlung der Bewohner im Altersheim.
4.3. Der Körper als „totale Institution“ im „Haus der Schildkröten“: Untersuchung, wie die Bewohner innerhalb des Altersheims zusätzlich durch ihren eigenen Körper in ihrer Freiheit limitiert werden.
4.4. Verlust der Körperlichkeit = Verlust der gesellschaftlichen Identität?: Fazit der Beweisführung über die Identitätsbedrohung bei schwindender Autonomie und Körperkontrolle.
Körperlichkeit, totale Institution, Soziologie, Erving Goffman, Michel Foucault, Identitätsverlust, Altersheim, Machtstrukturen, Normierung, Fremdbestimmung, Disziplin, Körperbild, Selbstwahrnehmung, Annette Pehnt, Disability Studies.
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Betrachtung des menschlichen Körpers und der Frage, inwieweit körperliche Einschränkungen im Alter oder bei Krankheit zu einem Identitätsverlust führen, wenn der Körper selbst zur „totalen Institution“ wird.
Die Arbeit verknüpft Konzepte der Körpersoziologie, Machttheorien nach Foucault und das Konzept der „totalen Institution“ von Erving Goffman, um sie anhand literarischer Beispiele zu illustrieren.
Ziel ist es, nachzuweisen, dass bei fortschreitendem physischem Verfall nicht nur das soziale Umfeld, sondern der eigene Körper als eine „totale Institution“ fungiert, die die Autonomie und damit die gesellschaftliche Identität des Individuums einschränkt.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit soziologischer Fachliteratur und führt eine literarische Analyse des Romans „Haus der Schildkröten“ von Annette Pehnt durch.
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen zu Körper und Macht sowie Institutionen erarbeitet, bevor diese auf das Fallbeispiel des Altersheims und schließlich auf den menschlichen Körper selbst angewendet werden.
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe „totale Institution“, „Körperdisziplinierung“, „Normierung“, „Fremdbestimmung“ und „Identitätsverlust“ geprägt.
Anhand der Typisierung von Goffman werden soziale Einrichtungen nach ihrem Grad an Totalität unterschieden, wobei das Altersheim als ein radikales Beispiel für eine Institution aufgeführt wird, die das Leben ihrer Bewohner allumfassend reguliert.
Professor Sander dient als exemplarisches Beispiel für einen Menschen, dessen geistiger Verfall durch Demenz in einem starken Kontrast zu seinem unbändigen Bedürfnis steht, weiterhin produktiv zu sein, was seinen Identitätskonflikt verdeutlicht.
Die Metapher beschreibt, dass bei schwerer Krankheit oder Lähmung die physische Hülle die Handlungsfreiheit des Individuums so stark einschränkt, dass es unfreiwillig in einem abgeschlossenen, reglementierten Zustand verharrt, analog zur Unterbringung in einem Heim.
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