Wissenschaftlicher Aufsatz, 2008
13 Seiten
1. Präsident Wladimir Putins Politik der „gelenkten Demokratie“ und „Stabilität“
2. Die „Pfründe der Generale“ und der innere Zustand der Armee
3. Das „Komitee der Soldatenmütter“
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zustand der russischen Streitkräfte unter dem Einfluss der politischen Konsolidierung durch Wladimir Putin und analysiert, wie sicherheits- und wirtschaftspolitische Vorgaben die Militärreform sowie die interne gesellschaftliche Situation beeinflussen.
Die „Pfründe der Generale“ und der innere Zustand der Armee
Auch in der russischen Armee, deren Köpfe traditionell eher ein konservatives, hierarchisch strukturiertes Weltbild pflegen, sehnt man sich nach einem starken Staat Putinscher Prägung. Die einst „ruhmreiche“ Sowjetarmee, die nach dem Zusammenbruch der UdSSR von über 4 Millionen Soldaten auf 1 Million Angehörige zusammengeschrumpft ist und bis heute an Korruption, Disziplinlosigkeit und Skandalen leidet, befindet sich in einer Art Dauerreform. Eine gesellschaftlich orientierte Militärreform, in der das Wehrwesen in eine demokratisch und rechtstaatlich erfasste Gesellschaft eingebunden wird, ist noch nicht einmal in Ansätzen begonnen worden. Der alternative Zivildienst wurde entsprechend den Vorstellungen des Generalstabs so restriktiv geregelt, dass ihn praktisch niemand leisten will.
Der Untergang des Atom-U-Bootes „Kursk“ im Jahre 2000 offenbarte der Weltöffentlichkeit, dass nicht nur Ausrüstungsmängel sondern auch Unfähigkeit und Schlamperei in den Streitkräften vorherrschen. Diese Havarie wurde zum Anlass für eine erneute Militärreform der Neuausrüstung der Streitkräfte genommen. Die riesigen Einnahmen aus dem Rohstoffexport werden nun ohne nennenswerte politische Widerstände auch in den Rüstungssektor gelenkt. Moskaus Argumentation, Arbeitsplätze zu erhalten und die Industrie zu stärken, haben selbst oppositionelle politische Kräfte wenig entgegenzusetzen. Der „militärindustrieelle Komplex“ Russlands, der sich von der existentiellen Krise der neunziger Jahre nur langsam erholte, hat jedoch trotz steigender Exportzahlen seine strategische Fähigkeit zu fundamentalen Neuentwicklungen eingebüßt. Alexander Chramtschichin vom Moskauer Institut für Politische und Militärische Analyse fällt ein vernichtendes Urteil: „ Unser Rückstand zur USA bei der Entwicklung eines Kampfflugzeugs der fünften Generation beträgt knapp 20 Jahre.“
Präsident Wladimir Putins Politik der „gelenkten Demokratie“ und „Stabilität“: Dieses Kapitel erläutert den politischen Wandel Russlands unter Wladimir Putin, der durch autoritäre Tendenzen und eine verstärkte staatliche Kontrolle gekennzeichnet ist.
Die „Pfründe der Generale“ und der innere Zustand der Armee: Der Abschnitt beleuchtet die strukturellen Defizite, Korruption und den technologischen Rückstand der russischen Streitkräfte sowie den Einfluss der Generalität auf die Reformbemühungen.
Das „Komitee der Soldatenmütter“: Diese Sektion thematisiert den Widerstand zivilgesellschaftlicher Akteure gegen eklatante Menschenrechtsverletzungen und die prekären Bedingungen für Wehrpflichtige in der russischen Armee.
Russische Streitkräfte, Militärreform, Wladimir Putin, gelenkte Demokratie, Dedowschtschina, Komitee der Soldatenmütter, Rüstungssektor, Korruption, Sicherheitspolitik, Transformation, Menschenrechte, Sowjetarmee, Atom-U-Boot Kursk, Modernisierung
Die Arbeit analysiert den Zustand und die Reformversuche der russischen Armee im Kontext der politischen Ära Putins und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Im Fokus stehen die militärische Struktur, die Auswirkungen der "gelenkten Demokratie", die innenpolitische Stabilität sowie zivilgesellschaftliche Kritik an militärischen Missständen.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie sich politischer Wille, wirtschaftliche Interessen und militärische Realität in Russland wechselseitig beeinflussen und warum Reformen bislang nur begrenzt erfolgreich sind.
Die Arbeit nutzt eine deskriptiv-analytische Herangehensweise, die auf Fachliteratur, Berichten von Nichtregierungsorganisationen und zeitgeschichtlichen Quellen basiert.
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Einordnung der Ära Putin, den detaillierten Zustand der Streitkräfte sowie die Rolle und den Einsatz des „Komitees der Soldatenmütter“.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Militärreform, Transformation, Korruption, Menschenrechte und das spezifische Phänomen der Dedowschtschina.
Das Komitee fungiert als kritische zivilgesellschaftliche Stimme, die Menschenrechtsverletzungen dokumentiert und Druck auf die Regierung ausübt, um Reformen anzustoßen.
Experten kritisieren einen deutlichen technologischen Rückstand und einen Mangel an Innovation, trotz steigender finanzieller Zuwendungen aus dem Rohstoffexport.
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