Diplomarbeit, 2008
219 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung - Die Geschichte des Maßproblems
1.1 Die Begriffe Maß und Inhalt
1.2 Die negative Antwort auf die Frage des Maßproblems
1.3 Lösungen des Maßproblems
2 Die Lebesguemessbarkeit aller Mengen reeller Zahlen
2.1 Das Vorgehen im Beweis
2.2 Bekanntes der Forcingmethode
2.3 Das Modell
2.4 Schrittweise generische Erweiterung
2.5 Kodierung von Borelmengen
2.6 Die Rolle der Random Reals
2.7 ZF + DC + LM
3 Die Notwendigkeit einer unerreichbaren Kardinalzahl
3.1 Das Vorgehen im Beweis
3.2 Benötigtes Wissen über Bäume auf 2
3.3 Generische Bäume für Arme
3.4 Konstruktion des Forcing
3.5 ZF + DC + ¬LM
4 Thesen, Resümee und Anmerkungen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Lösbarkeit des Maßproblems und untersucht, unter welchen theoretischen Voraussetzungen die Lebesguemessbarkeit aller Teilmengen der reellen Zahlen konsistent ist bzw. welche Bedingungen deren Nicht-Existenz implizieren.
1.2 Die negative Antwort auf die Frage des Maßproblems
Schon kurze Zeit nachdem Herr Lebesgue das Maßproblem aufstellte, wurde es gelöst. Giuseppe Vitali bewies 1905, dass es, wenn die Benutzung des Auswahlaxioms zugelassen ist, also gewissermaßen mit den argumentativen Standards der Zeit, nicht möglich ist, eine Maßfunktion für alle Teilmengen reeller Zahlen A ⊆ R zu definieren, welche translationsinvariant, σ-additiv und positiv ist. Herr Vitali zeigte, dass ein vollständiges Repräsentantensystem der Äquivalenzrelation, unter welcher alle jene reellen Zahlen äquivalent sind, die sich durch Addition einer rationalen Zahl auseinander bilden lassen, eine nicht lebesguemessbare Menge sein musste.
Theorem 1.2.1 (Vitali, 1905). Es gibt eine Teilmenge G ⊆ R1, die nicht messbar ist bezüglich eines Maßes, welches den Bedingungen des Maßproblems genügt.
Sei ∼V die folgende Äquivalenzrelation: Es gelte für zwei reelle Zahlen r, s ∈ R: r ∼V s ⇔ ∃q ∈ Q (r = s + q). Es wird nun ein vollständiges Repräsentantensystem ausgewählt. Sei Ar = {s ∈ R : s ∼V r} die Äquivalenzklasse einer reellen Zahl r unter ∼V . Für s = r gilt As = Ar oder As ∩ Ar = ∅. Das ist leicht zu sehen, denn angenommen es sei t ∈ As ∩ Ar. Dann existiert für ein beliebiges Element s1 ∈ As eine rationale Zahl q1, so dass t = s1 + q1 ist, und gleichzeitig eine rationale Zahl q2, so dass t = r + q2 ist. Dann ist q = q2 − q1 ∈ Q und s1 = r + q, also liegt s1 in Ar und es gilt As ⊆ Ar. Umgekehrt funktioniert das Argument ebenso, daher sind die Äquivalenzklassen von s und r identisch. Wähle nun aus jedem Ar einen Repräsentanten α ∈ (0, 1/2) aus und benenne das vollständige Repräsentantensystem von ∼V als G := {α ∈ (0, 1/2) : ∃r ∈ R α ist Repräsentant der Menge Ar}.
1 Einleitung - Die Geschichte des Maßproblems: Historischer Überblick über die Entwicklung des Maßbegriffs von der Antike bis zu den ersten negativen Ergebnissen durch Vitali und Hausdorff sowie dem positiven Ergebnis durch Banach.
2 Die Lebesguemessbarkeit aller Mengen reeller Zahlen: Untersuchung des Modells von Solovay, das die Konsistenz der Lebesguemessbarkeit aller reellen Mengen in ZF + DC unter der Voraussetzung einer unerreichbaren Kardinalzahl zeigt.
3 Die Notwendigkeit einer unerreichbaren Kardinalzahl: Analyse der Umkehrung, die zeigt, dass die Lebesguemessbarkeit aller Mengen reeller Zahlen die Konsistenzstärke einer unerreichbaren Kardinalzahl erfordert.
4 Thesen, Resümee und Anmerkungen: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Einordnung der Bedeutung für die moderne Mengenlehre und Gruppentheorie.
Maßproblem, Lebesguemessbarkeit, Auswahlaxiom, Forcing, unerreichbare Kardinalzahl, ZF, ZFC, Solovay-Modell, Banach-Tarski-Paradox, Vitali-Menge, Random Reals, Borelmengen, Nullmenge, Mengenlehre, Kardinalzahlen
Die Arbeit behandelt die mathematische Fragestellung, ob man jeder Teilmenge der reellen Zahlen ein sinnvolles „Maß“ (Volumen) zuordnen kann, ohne in Widersprüche zu geraten.
Zentrale Themen sind die Maßtheorie, die Grundlagen der Mengenlehre, die Rolle des Auswahlaxioms sowie die Konsistenzmodelle der Mengenlehre mittels Forcing.
Die Forschungsfrage ist, ob die Lebesguemessbarkeit aller Mengen reeller Zahlen mit den Standard-Axiomen der Mathematik (ZFC) vereinbar ist oder ob stärkere Annahmen wie die Existenz einer unerreichbaren Kardinalzahl benötigt werden.
Es werden fortgeschrittene Methoden der Mengenlehre eingesetzt, insbesondere die Forcingtechnik zur Konstruktion von Modellen sowie die Untersuchung von Modellen mittels deskriptiver Mengenlehre.
Der Hauptteil gliedert sich in die Konstruktion von Modellen für die Lebesguemessbarkeit (Solovay) und den Beweis der notwendigen Konsistenzstärke dieser Aussage durch die Konstruktion nicht-messbarer Mengen (Shelah).
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Maßproblem, Lebesguemessbarkeit, Forcing, unerreichbare Kardinalzahl und Auswahlaxiom charakterisiert.
Das Auswahlaxiom ermöglicht die Konstruktion "pathologischer" Mengen wie der Vitali-Menge, die zeigen, dass ohne Einschränkungen nicht alle Teilmengen messbar sein können.
Es dient als Beispiel für eine paradoxe Zerlegung von Mengen, die die Unmöglichkeit eines konsistenten Maßbegriffs für alle Mengen in höheren Dimensionen verdeutlicht.
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