Bachelorarbeit, 2021
66 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Zur Thematik der Volksparteien
2.1 Otto Kirchheimers „Wandel des westeuropäischen Parteiensystems“
2.2 Entwicklung des Begriffs der Volkspartei
3. Methodik
3.1 Qualitative Inhaltsanalyse der Grundsatzprogramme
3.2 Kategorisierung zur Analyse des Volksparteientypus
4. Grüne Politik – eine umweltpolitische Bewegung wird zur Partei
4.1 Entstehungsgeschichte der Grünen und Relevanz grüner Politik
4.2 Die Grundsatzprogramme der Grünen
4.2.1 Das erste Grundsatzprogramm 1980
4.2.2 Das zweite Grundsatzprogramm 2002
4.2.3 Das dritte Grundsatzprogramm 2020
4.3 Bisherige Versuche der Klassifizierung zur Volkspartei
5. Spezifische Analyse des Volksparteienbegriffes im Grundsatzprogramm 2020
5.1 Strukturierte Analyse nach den fünf Dimensionen
5.1.1 Politische Dimension
5.1.2 Gesellschaftliche Dimension
5.1.3 Konzeptionelle Dimension
5.1.4 Kulturelle Dimension
5.1.5 Regierungsfähige Dimension
5.2 Ergebnis der Analyse
6. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, ob sich die Partei Bündnis 90/Die Grünen im Zuge ihrer programmatischen Entwicklung zu einem Volksparteientypus im Sinne von Otto Kirchheimer gewandelt hat. Hierbei steht insbesondere die Analyse des aktuellen Grundsatzprogramms von 2020 im Zentrum, ergänzt durch historische Vergleiche.
2.1 Otto Kirchheimers „Wandel des westeuropäischen Parteiensystems“
In den 1960er Jahren wurde der Begriff der Volkspartei erstmals von Otto Kirchheimer in seinem Artikel „Der Wandel des westeuropäischen Parteiensystems“ (1965) näher klassifiziert, welcher als theoretische Grundlage dieser Arbeit verwendet wird. Kirchheimer, damals Professor of Government an der Columbia Universität in New York, sah gewisse Parallelen zwischen dem US-amerikanischen und dem deutschen Parteiensystem, da mit den klassischen Großparteien CDU (/ CSU) und SPD ähnliche politische Verhältnisse erschienen, wie es in den Vereinigten Staaten mit der demokratischen und republikanischen Dualität bekannt ist.
Kirchheimer beschäftigte sich mit den Wirkungsweisen europäischer Parteien und wie diese entweder erfolgreich oder erfolglos versuchten, die breite Gesellschaft für sich zu gewinnen (er führt Beispiele von Großbritannien im 18. – 19. Jahrhundert und Frankreich um die Französische Revolution an) (vgl. Kirchheimer 1965: 20 – 23). Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Fähigkeit der politischen Integration gelegt, worunter verstanden wird, wie fähig ein politisches System ist, Gruppen, die bislang außerhalb der politischen Erreichbarkeit standen, vollständig miteinzubeziehen (vgl. ebda.: 24). Das damalige deutsche Parteiensystem der Weimarer Republik sah sich am Scheideweg, da drei Parteientypen existierten, die sich gegenseitig blockierten.
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Transformation der Grünen von einer ökologischen Protestbewegung zu einer etablierten, regierungsfähigen Partei ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage.
2. Zur Thematik der Volksparteien: Dieses Kapitel erläutert den theoretischen Hintergrund des Volksparteibegriffs basierend auf Otto Kirchheimers Konzept des "catch-all"-Parteitypus.
3. Methodik: Hier wird die Anwendung der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring vorgestellt, die als Grundlage für die systematische Untersuchung der Parteiprogramme dient.
4. Grüne Politik – eine umweltpolitische Bewegung wird zur Partei: Dieses Kapitel zeichnet die historische Entwicklung der Grünen anhand ihrer Grundsatzprogramme von 1980, 2002 und 2020 nach und beleuchtet frühere Klassifizierungsversuche.
5. Spezifische Analyse des Volksparteienbegriffes im Grundsatzprogramm 2020: Die Untersuchung wendet die fünf Kriterien-Dimensionen direkt auf das aktuellste Programm der Grünen an, um den Grad der Annäherung an den Volksparteitypus zu bewerten.
6. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Grünen programmatisch deutliche Tendenzen in Richtung einer Volkspartei aufweisen, wenngleich eine abschließende Identifizierung weitere Analysen erfordert.
Bündnis 90/Die Grünen, Volkspartei, Otto Kirchheimer, Grundsatzprogramm, politische Transformation, qualitative Inhaltsanalyse, Regierungsfähigkeit, Ökologische Politik, Sozialstaat, Demokratieverständnis, Parteiensystem, Politische Integration, Reformpartei, Protestbewegung, Parteiprogrammatik.
Die Arbeit untersucht die programmatische Entwicklung der Partei Bündnis 90/Die Grünen seit ihrer Gründung 1980 bis zum Jahr 2020 und prüft, ob die Partei mittlerweile als Volkspartei klassifiziert werden kann.
Im Zentrum stehen ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Klimapolitik, Wirtschaftspolitik sowie das Demokratieverständnis der Partei.
Die zentrale Frage lautet: "Inwiefern ist die Partei Bündnis 90/Die Grünen anhand des Grundsatzprogrammes 2020 als Volkspartei zu identifizieren?"
Der Autor nutzt die qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring, um die Parteiprogramme anhand spezifischer, theoretisch abgeleiteter Kategorien zu untersuchen.
Der Hauptteil analysiert die historischen Grundsatzprogramme, die programmatische Neuausrichtung über vier Jahrzehnte sowie die detaillierte Untersuchung des Programms von 2020 anhand von fünf Dimensionen.
Wichtige Begriffe sind Volkspartei, Transformation, Grundsatzprogramm, Regierungsfähigkeit und die politische Entwicklung der Grünen seit 1980.
Die Analyse zeigt eine Entwicklung von einer radikalen, systemkritischen "Anti-Parteien-Partei" hin zu einer etablierten, reformorientierten und regierungsfähigen Partei, die heute in vielen Bundesländern politische Verantwortung trägt.
Das Werk verdeutlicht die ausgeprägte Koalitionsfähigkeit der Grünen, die in einer Vielzahl unterschiedlicher Regierungsbündnisse auf Landesebene mitwirken und pragmatische Kompromisse eingehen, um Regierungsbeteiligungen zu sichern.
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