Bachelorarbeit, 2008
27 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitendes
2. Individuen in Fontanes Gesellschaft
2.1. Effi – Naturkind mit Heimweh
2.2. Innstetten und das Gesellschafts-Etwas
2.3. Effis Eltern
2.4. Crampas – Teufel oder liebenswerter Hazardeur?
3. Effi Briest – ein gesellschaftskritisches Stück?
3.1. Die Schuldfrage
3.2. Liebe vs. Gesetz
3.3. Polyphone Menschlichkeit
4. Fazit
Die Arbeit untersucht das Subjektverständnis und die gesellschaftskritischen Aspekte in Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie das Individuum in den restriktiven Konventionen der Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts agiert, scheitert und inwieweit das „Gesellschafts-Etwas“ die Lebensentwürfe der Protagonisten determiniert.
2.2. Innstetten und das Gesellschafts-Etwas
Innstetten, als „Funktionsträger des neuen preußischen Staates“, kann sich ebenso wenig wie Effi den Konventionen der Gesellschaft entziehen. Er macht an einer entscheidenden Stelle des Romans einige rätselhafte und zugleich aufschlussreiche Bemerkungen, mit denen er sein Handeln, das eine wesentliche Rolle in Bezug auf den weiteren Fortgang des Geschehens spielt, begründet. Effis inzwischen Jahre zurückliegender Ehebruch ist gerade von ihm entdeckt, aber noch hat kein Duell stattgefunden, noch besteht die Möglichkeit, die Sache auf sich beruhen zu lassen, noch ist Hoffnung, dass sich alles zum Besten wendet. Im Ringen um den richtigen Umgang mit dem gerade Entdeckten gibt er seinem Freund Wüllersdorf jedoch zu verstehen:
„Man ist nicht bloß ein einzelner Mensch, man gehört einem Ganzen an, und auf das Ganze haben wir beständig Rücksicht zu nehmen, wir sind durchaus abhängig von ihm. Ging es, in Einsamkeit zu leben, so könnt ich es gehen lassen; ich trüge dann die mir aufgepackte Last, das rechte Glück wäre hin, aber es müssen so viele leben ohne dies ›rechte‹ Glück, und ich würde es auch müssen und – auch können. Man braucht nicht glücklich zu sein, am allerwenigsten hat man einen Anspruch darauf, und den, der einem das Glück genommen hat, den braucht man nicht notwendig aus der Welt zu schaffen. Man kann ihn, wenn man weltabgewandt weiter existieren will, auch laufen lassen. Aber im Zusammenleben mit den Menschen hat sich ein Etwas ausgebildet, das nun mal da ist und nach dessen Paragraphen wir uns gewöhnt haben, alles zu beurteilen, die andern und uns selbst. Und dagegen zu verstoßen, geht nicht […] Also noch einmal, nichts von Haß oder dergleichen, und um eines Glückes willen, das mir genommen wurde, mag ich nicht Blut an den Händen haben; aber jenes, wenn Sie wollen, uns tyrannisierende Gesellschafts-Etwas, das fragt nicht nach Charme und nicht nach Liebe und nicht nach Verjährung. Ich habe keine Wahl. Ich muß.“
1. Einleitendes: Einführung in die gesellschaftskritische Lesart von Effi Briest und Darlegung des methodischen Schwerpunkts auf der inhaltlichen Ebene.
2. Individuen in Fontanes Gesellschaft: Analyse der Hauptfiguren Effi, Innstetten, der Eltern Briest und Crampas in ihrer Interaktion mit gesellschaftlichen Erwartungen.
2.1. Effi – Naturkind mit Heimweh: Untersuchung von Effis Charakter, ihrer Entwicklung vom „Naturkind“ zur gescheiterten Ehefrau und ihrer mangelnden Identitätsbildung.
2.2. Innstetten und das Gesellschafts-Etwas: Analyse von Innstettens Rolle als Funktionsträger, der sich dem „Gesellschafts-Etwas“ unterwirft, trotz seiner persönlichen Sinnkrise.
2.3. Effis Eltern: Betrachtung der elterlichen Rolle und Verantwortung im Kontext von Konventionen und der prekären Beziehung zu ihrer Tochter.
2.4. Crampas – Teufel oder liebenswerter Hazardeur?: Diskussion der ambivalenten Figur Crampas und seiner Bedeutung für Effis Schicksal sowie als Gegenspieler Innstettens.
3. Effi Briest – ein gesellschaftskritisches Stück?: Kritische Auseinandersetzung mit der Forschung zur Gesellschaftskritik bei Fontane und den Grenzen dieser Analysen.
3.1. Die Schuldfrage: Untersuchung der komplexen Verflechtung von individueller und kollektiver Verantwortung für Effis Schicksal.
3.2. Liebe vs. Gesetz: Analyse der Polarität zwischen dem biblischen Prinzip der Liebe und den restriktiven Gesetzen der preußischen Gesellschaft.
3.3. Polyphone Menschlichkeit: Diskussion der Vielstimmigkeit im Roman und der Weigerung des Autors, eine eindeutige Stellungnahme zu erzwingen.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse über das Fontanesche Subjekt an der Schwelle zum 20. Jahrhundert.
Effi Briest, Theodor Fontane, Gesellschaftskritik, Individuum und Gesellschaft, Gesellschafts-Etwas, Schuldfrage, Preußen, Liebesbegriff, Identitätsbildung, Vielstimmigkeit, Literaturanalyse, Konventionen, Wilhelminismus, Subjektverständnis.
Die Bachelorarbeit analysiert das Subjektverständnis sowie die gesellschaftskritischen Komponenten in Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“ im Hinblick auf das Spannungsfeld zwischen Individuum und gesellschaftlichen Normen.
Zentral sind die Dynamik zwischen Individuum und Gesellschaft, die Analyse der zentralen Figuren (Effi, Innstetten, Eltern, Crampas), die Frage nach Schuld und Sühne sowie die Polarität zwischen „Liebe“ und „Gesetz“.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Fontane durch die Konstruktion seiner Figuren und die Darstellung ihrer Konflikte die Zwänge der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts reflektiert, ohne dabei eine einseitige oder moralisch wertende Antwort zu geben.
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte textimmanente Analyse in Verbindung mit der Auswertung zentraler Forschungsliteratur, um verschiedene Interpretationsansätze kritisch zu vergleichen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Figurenanalyse, die Untersuchung der gesellschaftskritischen Dimension des Werks sowie eine vertiefende Auseinandersetzung mit spezifischen Motiven wie Schuld, Liebe und der „Vielstimmigkeit“ des Romans.
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gesellschafts-Etwas, Schuldfrage, Individuum, Preußen, Vielstimmigkeit und Konventionen.
Die Arbeit zeigt auf, dass christliche Termini wie „Erlösung“ bei Effi zwar angedeutet werden, jedoch keine einfache Heilsgewissheit bieten, sondern eng mit ihrer persönlichen Suche nach innerer Ruhe und Frieden verknüpft sind.
Die Arbeit beleuchtet die Rolle des Vaters kritisch und weist auf seine Ahnungslosigkeit sowie den „kompensatorischen Hang zu Zweideutigkeiten“ hin, die letztlich zur Ratlosigkeit und zum berühmten Schlusswort des Romans führen.
Es wird als ein tyrannisches Prinzip verstanden, das soziale und moralische Konventionen vorgibt, denen sich die Figuren – insbesondere Innstetten – aus Angst vor sozialer Ächtung beugen müssen, auch wenn dies gegen ihre ethischen Überzeugungen spricht.
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