Bachelorarbeit, 2007
65 Seiten, Note: 1,0
0. Einleitung
1. Bikulturalität und Integration – Türken in der BRD
1.1 Die Integrationsproblematik
1.2 Leben in einem fremden Land – Kulturelle Konflikte der ersten Generation
2. Der Identitätsbegriff
2.1 „Identität“, „kulturelle Identität“ und „kollektives Gedächtnis“
2.2 Die Identität bei Türken in Deutschland
3. Junge Türkinnen in der BRD und ihre Identitätsprobleme
3.1 Die Identitätsproblematik
3.1.1 Identitätssuche zwischen traditionellem Elternhaus und freiheitlicher Moderne
3.1.2 Bikulturalität bei jungen Türkinnen – Das Leben mit zwei Kulturen
3.1.3 Innerpersönliche Kulturkonflikte und Identitätsunsicherheit
3.1.4 Konflikte innerhalb der Familie
3.1.4.1 Zur geschlechtsspezifischen Erziehung der Töchter
3.1.4.2 Heirat und Eheschließung
3.2 Die Jugendzeit
3.2.1 Die Anwendung des Jugendbegriffes auf junge Türkinnen
3.2.2 Freiheiten in der Freizeit und die Rolle des Freundeskreises
4. Mediatisierung der Thematik – Darstellung am Filmbeispiel „Gegen die Wand“
4.1 „Gegen die Wand“ – Der Film und sein Erfolg
4.1.1 Fatih Akın (Regie und Drehbuch)
4.1.2 Der Inhalt
4.1.3 Die Bedeutung der Filmmusik
4.2 Sequenzprotokoll zu ausgewählten Szenen (s. beigefügte DVD)
4.3 Die Protagonisten „Sibel“ und „Cahit“
4.4 Die Problemstellung
4.4.1 Sibels Identitätssuche – Zwischen Tradition und Unabhängigkeit
4.4.2 Cahits Orientierungskrise – Zwischen Erkenntnis und Destruktion
4.4.3 Die Türkei als Ausweg
4.5 Die Verbindung zwischen Film und Realität
4.5.1 Der reale Hintergrund von „Gegen die Wand“
4.5.2 Die Einbettung des Films in die Zeit der Integrationsdiskussionen
5. Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht die Identitätsproblematik junger Türkinnen in der Bundesrepublik Deutschland, die in einem Spannungsfeld zwischen der traditionellen türkischen Kultur ihres Elternhauses und der freiheitlich-westlichen Moderne aufwachsen. Dabei wird analysiert, wie diese jungen Frauen ihren Alltag gestalten, welche Konflikte dabei entstehen und wie der Film „Gegen die Wand“ von Fatih Akın diese Problematik filmisch thematisiert und in den gesellschaftlichen Kontext einbettet.
4.4.2 Cahits Orientierungskrise – Zwischen Erkenntnis und Destruktion
„Cahit Tomruk (40), ein desillusionierter Alkoholiker, hat das Leben satt. In dieser Nacht beschließt der Deutsch-Türke, seinem verkorksten Leben ein Ende zu setzten, und rast im Vollrausch mit seinem Ford Granada frontal gegen eine Betonmauer – und überlebt.“
Der 40-jährige Cahit Tomruk (Birol Ünel) ist ein geschlossenes Buch. Er gibt nur wenig über sich selbst und sein Leben Preis. So erfahren auch Sibel und ihre Familie nur sehr wenig über seine Vergangenheit. Bei dem Besuch, bei Sibels Eltern, erzählt er lediglich, dass seine Eltern vor langer Zeit gestorben sind und er nur eine Schwester in Frankfurt habe, zu welcher er aber keinen Kontakt hat. Außer seinem Geburtsort, Mersin, das in der Türkei liegt, gibt der Alleingänger keine weiteren, persönlichen Informationen zu sich und seinem Leben (s. Sequenz 2). Auch wann genau er nach Deutschland gekommen ist, ist nicht ersichtlich. Selbst das er zuvor bereits verheiratet war und nun verwitwet ist, erfährt Sibel erst auf dem Standesamt, als der Standesbeamte die jeweiligen persönlichen Daten vorliest.
Cahit führt ein selbstzerstörerisches Leben, das sich in immer wiederkehrenden, wilden und schockierenden Handlungen ausdrückt. Seinem lästigen Alltagstrott und dem ungeliebtem Leben entkommt er scheinbar nur durch Drogen, Alkohol und exzessiven Sex, mit seiner Affäre Maren. Er verheimlicht es nicht, dass er keine Verbindung zu seinen Wurzeln hat und legt seine Antipathie der türkischen Tradition gegenüber, offen dar, indem er sie mit seinen beleidigenden Worten zum Ausdruck bringt. Als Yılmaz ihn bei seinem Besuch beispielsweise auf sein schlechtes Türkisch anspricht und ihn fragt, was er denn damit gemacht habe, antwortet Cahit ganz abgestumpft, er habe es „weggeworfen“ (vgl. Sequenz 2). Der Ausdruck des „Wegwerfens“ zeichnet hier die Tatsache ab, dass Cahit sich von seiner gesamten Vergangenheit losgelöst hat und an nichts mehr erinnert werden möchte.
0. Einleitung: Die Verfasserin beschreibt ihre persönliche Motivation und die historische Entwicklung der Arbeitsmigration in der BRD als Grundlage für die Identitätsfragen junger Türkinnen.
1. Bikulturalität und Integration – Türken in der BRD: Es wird die historische und aktuelle Integrationsdebatte der türkischen Bevölkerungsgruppe sowie die Konflikte der ersten Generation beleuchtet.
2. Der Identitätsbegriff: Dieses Kapitel definiert theoretische Grundlagen wie „kulturelle Identität“ und „kollektives Gedächtnis“ nach Assmann, Halbwachs und Warburg im Kontext türkischer Migranten.
3. Junge Türkinnen in der BRD und ihre Identitätsprobleme: Eine detaillierte Analyse der familiären Konflikte, Erziehungsmuster, Heiratstraditionen und die Rolle der Jugendzeit für junge Türkinnen zwischen den Kulturen.
4. Mediatisierung der Thematik – Darstellung am Filmbeispiel „Gegen die Wand“: Der Hauptteil untersucht die filmische Darstellung von Identitätskrisen und Lebensentwürfen von Sibel und Cahit sowie den realen Hintergrund des Films.
5. Schlussbemerkung: Ein Fazit zur Situation junger Türkinnen, das betont, dass diese trotz vieler Hürden Wege zwischen Tradition und Moderne finden und der Film als Medium zur Verständnisbildung dient.
Identitätsproblematik, junge Türkinnen, Migration, Integration, Gegen die Wand, Fatih Akın, Bikulturalität, kulturelles Gedächtnis, Generationenkonflikt, Identitätssuche, Familienehre, Tradition und Moderne, Deutsch-Türken, soziale Identität, Akkulturation.
Die Arbeit befasst sich mit der Identitätsproblematik von jungen Türkinnen der zweiten und dritten Generation in der Bundesrepublik Deutschland, die in einem Spannungsfeld zwischen familiärer Tradition und westlich-moderne Lebensvorstellungen stehen.
Zentrale Schwerpunkte sind die Auswirkungen der Arbeitsmigration, theoretische Konzepte zur Identitätsbildung, die spezifischen Erziehungsmuster in traditionsorientierten Familien und die mediale Auseinandersetzung mit diesen Themen durch den Film.
Das Ziel ist es, zu beleuchten, wie junge Türkinnen ihr Leben zwischen zwei Kulturen führen, welche Hindernisse für eine stabile Identitätsbildung existieren und wie der Film „Gegen die Wand“ diese Realität widerspiegelt.
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse soziologischer und pädagogischer Theorien zur Identität sowie auf eine qualitative Filmanalyse des Spielfilms „Gegen die Wand“ von Fatih Akın.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Identitätsbegriffs, eine soziologische Untersuchung der Lebensweisen junger Türkinnen (einschließlich Familiendynamiken) und eine ausführliche mediale Auswertung am Filmbeispiel.
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Identitätskrisen, Bikulturalität, Familienstruktur, Migrationsgeschichte, kulturelles Gedächtnis, Familienehre und gesellschaftliche Integration.
Der Film gilt als authentische Auseinandersetzung mit der Thematik, da er auf wahren Begebenheiten beruht und durch die Perspektive des deutsch-türkischen Regisseurs Fatih Akın einen tiefen Einblick in die Identitätsproblematik von Deutsch-Türken ermöglicht.
Das kollektive Gedächtnis bildet den Rahmen, in dem die Einwanderer ihre Traditionen und kulturelle Herkunft bewahren. Die Aufrechterhaltung dieser „Zeitinseln“ spielt bei der Identitätskonstruktion und der Abgrenzung gegenüber der deutschen Mehrheitsgesellschaft eine wesentliche Rolle.
Traditionelle Erziehungsmuster, die oft durch eine patriarchale Struktur und strikte Kontrolle der familiären Ehre geprägt sind, führen häufig zu inneren Konflikten bei den Töchtern, die sich im ständigen Balanceakt zwischen familiärem Gehorsam und dem Wunsch nach persönlicher Freiheit befinden.
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