Magisterarbeit, 2008
100 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
II. Teil 1: Analyse der Ästhetischen Schriften
II. 1. Die Bilder der Futuristen
II. 1.1 Expressionismus und Futurismus
II. 1.2 Döblins expressionistische Sichtweise des Futurismus
II. 1.3 Die Unzulänglichkeit der Kunstmittel
II. 1.3.1 Die neuen Methoden der Futuristen
II. 1.3.2 Der Sprachskeptizismus
II. 1.4 Kunst als Transzendenz
II. 1.5 Der Gang nach innen
II. 1.6 Der Kubismus
II. 1.7 Das Schaffen einer neuen Realität aus der Künstlerfantasie
II. 2. Futuristische Worttechnik. Offener Brief an F.T. Marinetti
II. 2.1 Der Naturalismus-Begriff
II. 2.2 Die Kritik an Marinetti
II. 2.2.1 Unveränderbares Material – Der Bezug zu Fritz Mauthner und Arno Holz
II. 2.2.2 Die stoffliche Einschränkung
II. 2.2.3 Der ästhetizistische Stil
II. 2.3 Fazit: Der literarische Eigenweg
II. 3. An Romanautoren und ihre Kritiker. Berliner Programm
II. 3.1 Mehr Öffentlichkeit in der Literaturproduktion
II. 3.2 Das moderne Epos
II. 3.3 Antibürgerlichkeit als grundlegende Haltung
II. 3.4 Die neuen poetologischen Prinzipien
II. 3.4.1 ‚Depersonation’
II. 3.4.2 ‚Steinerner Stil’
II. 3.4.3 ‚Tatsachenphantasie’
II. 3.4.4 ‚Kinostil’
II. 3.5 Kritik an expressionistischer Kunsttheorie
II. 4. Der Bau des epischen Werks
II. 4.1 ‚Das Exemplarische des Vorgangs und der Figuren’
II. 4.2 Die Legitimierung der Berichtform
II. 4.3 Das Element des Fabulierens
II. 4.4 Die Befreiung von Kunstregeln
II. 4.5 Die Verbindung zum Publikum und dessen gewandelter Rezeptionshaltung
II. 4.6 Die Rehabilitierung der Autorenpräsenz
II. 4.7 Der Weg zur künftigen Epik
II. 4.8 Die Sprache
III. Teil 2: Die künstlerische Avantgarde in Berlin Alexanderplatz
III. 1. Die Montage von avantgardistischen Stilen
III. 2. Eklektizismus als oberstes Prinzip
III. 3. Der Einfluss des Expressionismus: Ein Vergleich zwischen Die Ermordung einer Butterblume und Berlin Alexanderplatz
III. 3.1 Über-Ich-Strukturen: Bürgernormen und Gefängnisregeln
III. 3.2 Die Angst vor Strafe und die Großstadt
III. 3.3 Der Gesang
III. 3.4 Das Kriegs-Motiv
III. 3.5 Der exemplarische Charakter der Figuren
III. 3.6 Das Übergangslose
III. 4. Spuren des Futurismus
III. 5. Dadaistische Elemente
III. 5.1 Die Verbindung von futuristischen mit dadaistischen Elementen
III. 5.2 Die Collage – Joyce oder Dada?
III. 5.3 Lautmalereien
III. 5.4 Dada als Avantgarde – Die Antibürgerlichkeit
III. 6.1 Naturalistische Elemente
III. 6.2 ‚Die Überwinterungsform des Naturalismus’
III. 7. Die Neue Sachlichkeit
III. 7.1 Vom Expressionismus zum ‚neuen Naturalismus’
III. 7.2 Die Forschungslage zur Neuen Sachlichkeit
III. 7.3 Alfred Döblin und die Neue Sachlichkeit
III. 7.4 Berlin Alexanderplatz im Kontext der Neuen Sachlichkeit
III. 7.4.1 Die Rolle der Tageszeitung
III. 7.4.2 Ästhetizismus und Zeitung: d’Annunzio und die Homosexuellen
III. 7.4.3 Der Gebrauchswert als Lehrstück
III. 7.4.4 Beckers Verortung des Romans in der Neuen Sachlichkeit
IV. Fazit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Alfred Döblin in seinem Roman "Berlin Alexanderplatz" seine theoretischen Überlegungen zur Romanpoetik in die literarische Praxis umsetzte. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie der Autor durch die Montage verschiedener avantgardistischer Strömungen ein modernes Epos erschuf, das sowohl den Zerfall der traditionellen Wirklichkeit reflektiert als auch eine neue, sachliche Erzählform erprobt.
II. 1.2 DÖBLINS EXPRESSIONISTISCHE SICHTWEISE DES FUTURISMUS
Um nun zu veranschaulichen, dass die von Döblin in seiner Schrift Die Bilder der Futuristen als vorbildlich hervorgehobenen Eigenheiten der futuristischen Malerei einem genuin expressionistischen Kunstverständnis entsprechen, soll an einige Bezugspunkte angeknüpft werden, die Benn als exponierter Vertreter des Expressionismus in seinem Bekenntnis zum Expressionismus liefert. Markante Stellen aus Die Bilder der Futuristen können so in einen expressionistischen Zusammenhang eingeordnet werden, um zu zeigen, dass Döblin in den Futuristen letztlich vorbildliche Vertreter des Expressionismus sieht und durch ihre begeisterte Begrüßung seine eigenen kunsttheoretischen Auffassungen, die implizit auch seine poetologischen Ansichten enthalten, in ebendiesen Rahmen stellt.
Gleich zu Beginn des Textes rückt Döblin die Malerei der Futuristen in die Nähe der Dichtung: „Jedes Bild ist ein Gedicht, eine Novelle, ein Drama“ heißt es unter Hinweis darauf, dass die Bilder der Futuristen vom Betrachter mehr Zeit verlangten als die der „Pointillisten und Impressionisten; mit den vier Schritten an die gegenüberliegende Wand und ‚rechtsum kehrt’ ist es nicht getan.“ In aggressivem Ton lobt Döblin die futuristische Herausforderung des „durch zehnmal durchgekaute Kost“ verderbten und „an den breitgetretenen Quark“ gewöhnten Publikums. Unverhohlen tritt eine antibürgerliche Haltung zu Tage, die an das Avantgardebewusstsein der Expressionisten erinnert, wenn Döblin den Kritikern der Futuristen ein mangelndes Kunstverständnis nachsagt. Jedes Bild stelle den Betrachter vor eine Aufgabe, denn „das Kunstwerk verlangt Disziplin, Eindringen, Bemühung, Bemühung.“
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie Döblins poetologische Theorien in "Berlin Alexanderplatz" in die Praxis umgesetzt wurden und welche Einflüsse dabei eine Rolle spielten.
II. Teil 1: Analyse der Ästhetischen Schriften: Hier wird die Entwicklung von Döblins Romantheorie analysiert, insbesondere seine Auseinandersetzung mit Futurismus, Expressionismus und der naturalistischen Tradition.
III. Teil 2: Die künstlerische Avantgarde in Berlin Alexanderplatz: Der zweite Teil untersucht konkret, wie sich avantgardistische Stilmittel wie die Montage in Döblins Roman manifestieren und wie der Text mit der Neuen Sachlichkeit korrespondiert.
IV. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Döblin eine eigene, eklektizistische Romanpoetik entwickelte, die sich nicht einseitig vereinnahmen lässt, sondern verschiedene Strömungen modern verknüpft.
Alfred Döblin, Berlin Alexanderplatz, Romanpoetik, Montage, Collage, Expressionismus, Futurismus, Dadaismus, Naturalismus, Neue Sachlichkeit, Großstadt, Sprachkritik, Moderne, Epik, Autorenpräsenz.
Die Hausarbeit untersucht, wie Alfred Döblin seine eigenen theoretischen Konzepte über moderne Literatur konkret in seinem Hauptwerk "Berlin Alexanderplatz" angewendet hat.
Die Arbeit beleuchtet die poetologischen Grundlagen bei Döblin, insbesondere seinen Umgang mit Montage, Collage, Sprache und die Einflüsse internationaler Avantgardebewegungen.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Döblin aus einem eklektizistischen Denken heraus eine eigene moderne Epik schuf und ob sein Roman als "Prototyp" der Neuen Sachlichkeit gelten kann.
Die Arbeit stützt sich auf eine textimmanente Analyse der poetologischen Schriften Döblins sowie eine vergleichende Untersuchung spezifischer Textstellen aus seinem Roman und anderen literarischen Zeugnissen.
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Zunächst werden Döblins theoretische Schriften (wie "Der Bau des epischen Werks") analysiert, anschließend wird deren Anwendung im Roman anhand von Vergleichen zu anderen Strömungen wie Futurismus oder Dadaismus aufgezeigt.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Montage, Epik, Moderne, Eklektizismus, expressionistische Ästhetik und die Auseinandersetzung mit der literarischen Tradition.
Döblin nutzte zwar sachliche Berichtformen und journalistische Techniken, lehnte aber die rein objektive Reportageform ab und behielt stets ein starkes Element der subjektiven Fantasie in seinem Werk bei.
Der "Kinostil" beschreibt bei Döblin ein hochverdichtetes Erzählverfahren der Montage, das filmische Techniken wie Schnitte und schnelle Szenenwechsel nutzt, um die Komplexität der modernen Großstadt abzubilden.
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