Doktorarbeit / Dissertation, 2002
122 Seiten, Note: 1
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Einleitung
1. Historischer Überblick der Freiheitsbestrebungen der Menschheit
2. Der Aufstieg des Künstlers zum Genie
2.1. Der Künstler als Erfindung der Gesellschaft
2.2. Das Ausnahmesubjekt Künstler
2.3. Die Entwicklung des Geniegedankens - bis zur ästhetisierten Geniereligion der Neuzeit
2.4. Die Entstehung der Kunstreligion
2.5. Das Spannungsverhältnis zwischen Künstler und Gesellschaft
3. Die Aufklärung als Befreiung von Dogmen
3.1. Die Aufklärung als philosophische und historische Voraussetzung zur Idee der Gleichheit aller Menschen
3.2. Die Vernunft als Grundlage zur Bestimmung des Menschen als mündig
3.3. Kants Hinwendung zur Ästhetik unter besonderer Berücksichtigung der Vernunftbegabtheit der Menschen
3.4. Die freie Urteilsbildung
3.5. Der Geniebegriff bei Kant
3.6. Die Wende zum Subjekt
4. Kunst als Medium der Versöhnung und Erlösung
4.1. Kunst als Inbegriff der Freiheit
4.2. Das bürgerliche Individuum als Subjekt der Kunst
5. Die Epoche der Moderne und die Absage an Idole
5.1. Die Modernisierung und ihre Gegenbewegung
5.2. Das Ende der Kunst als Grundlage der philosophischen Moderne
5.3. Die Überwindung der subjektzentrierten Vernunft und die Moderne als Verfehlung
5.4. Die Problematik um den Begriff der Moderne
5.5. Die Erhebung des Alltäglichen zum Ideal
5.6. Die Moderne als überzeitliches Phänomen
5.7. Die Kunst als säkularisierte Religion
5.8. Kunst als Gegenbewegung
5.9. Der Künstler als Erlöser
6. Kunst als Pendant zum Pessimismus und die Erlösungsfunktion des Genies
6.1. Ästhetik als Erlösung
6.2. Schopenhauers Geniebegriff
7. Nietzsches Idee von der Befreiung des Menschen
7.1. Nietzsches Ende vom Subjekt
7.2. Nietzsches Geniebegriff als Gegenposition zur Idee der Gleichheit aller Menschen
7.3. Die Geburt der Tragödie als Manifest gegen die Klassische Moderne
7.4. Die Rückführung des Menschen zu seiner Ursprünglichkeit
7.5. Die Wende in Nietzsches Ästhetik
7.6. Erkenntnis als Interpretation
7.7. Der Einzelne als Schaffender
7.8. Das Ende Gottes
7.9. Der Wille zur Macht als Kunst
7.10. Die Befreiung vom Genie
8. Die Avantgardebewegung und der Ausschluss des Normalmenschen aus der Kunst
8.1. Das Dasein als ästhetisches Phänomen
8.2. Der neue Künstler und der Alltag als Thema der Kunst
8.3. Die Gegenwart als ästhetische Idee
8.4. Die ästhetische Kategorie des Augenblicks
8. 5. Die aktive Teilhabe des Rezipienten am Kunstwerk
8.6. Die Avantgarde und das Ende der bürgerlichen Hegemonie
8.7. Das Ende der Grenze zwischen Kunst und Wirklichkeit
8.8. Die Ästhetisierung der Politik
8.9. Die letzte signifikante semantische Wandlung in der Tradition des Geniebegriffs
8.10. Die Symbiose von Massenkunst und der hohen Kunst
9. Die größtmögliche Form der Freiheit des Menschen
9.1. Die Konsequenzen der individuellen Freiheit
9.2. Die Fokussierung auf das Ich
9.3. Die Bestimmung des „Ichs“ in der post Postmoderne
9.4. Die Entmachtung des Künstlers
9.5. Die „Gottwerdung“ des Menschen
Schmach und Häßlichkeit.
9.6. Kunstform ohne Künstler
9.7. Die Erschaffung vom künstlichen Künstler
Die vorliegende Arbeit untersucht die sozialphilosophische Notwendigkeit und die historische Wandlung des Künstlers in der Gesellschaft unter dem Aspekt der individuellen Freiheit des Menschen. Es wird analysiert, wie der Künstler von einer religiös überhöhten Figur (Genie) zu einem der Allgemeinheit untergeordneten Wesen mutierte und welche Rolle dabei die zunehmende Individualisierung sowie die Säkularisierung der Kunst spielten.
2.2. Das Ausnahmesubjekt Künstler
Der Künstler gelangte zu einer gesellschaftlichen Sonderstellung, zu seiner Bestimmung als Ausnahmesubjekt auf Grund der Tatsache, dass dem religiösen Dogma zufolge der Mensch lediglich Geschöpf ist, und der Moment des Erschaffens bis dato einzig und allein dem Schöpfergott vorbehalten ist. Innerhalb dieses Gedankengebäudes wird der Künstler als überhöhter Mensch gesehen, da auch er ein Schaffender ist. Die Sichtweise auf den Künstler als Schöpfer gründet in der antiken Überlieferung bei Äschylus, demnach Prometheus als Kulturbringer galt, dem die Mythenbildung die Erschaffung des Menschen aus Lehm zuschrieb. Im Mittelalter kam die Würde des Schöpfertums alleinig dem christlichen Gott zu, die Stellung des Menschen war es, lediglich Geschöpf zu sein.
Die Bewunderung die dem Künstler entgegengebracht wird, resultiert weitgehend aus der Tatsache, dass der Künstler als erstes Subjekt die angestrebte Freiheit und Autonomie erreichte. Martin Warnke formulierte die These, dass die Anschauung von Kunst als geistiges und nicht als handwerkliches Werk und ebenso die Beachtung des Künstlers als Mensch mit Sonderstatus eine Folgewirkung des Umgangs mit höfischer Kunst und Künstlern ist. Kunst wird als höheres geistiges Vermögen betrachtet, der eine besondere Dignität zukommt. Warnke datiert den Beginn des Künstlers als Außenseiter der Gesellschaft auf die Zeit nach dem Wegfall der Höfe.
1. Historischer Überblick der Freiheitsbestrebungen der Menschheit: Einleitende Betrachtung der philosophischen Wandlungen des Freiheitsbegriffs von der Aufklärung bis in die Moderne.
2. Der Aufstieg des Künstlers zum Genie: Analyse der gesellschaftlichen Konstruktion des Künstlers als Projektionsfläche für menschliche Ideale und der Entstehung des Geniekults.
3. Die Aufklärung als Befreiung von Dogmen: Untersuchung der kantischen Philosophie, die den Menschen als mündiges Wesen bestimmt und Freiheit sowie Gleichheit postuliert.
4. Kunst als Medium der Versöhnung und Erlösung: Erörterung der Kunst als Ersatz für Religion im Kontext des deutschen Idealismus und der ästhetischen Bildung.
5. Die Epoche der Moderne und die Absage an Idole: Analyse der Moderne, die durch radikale Subjektivität und den Verlust einer einheitlichen metaphysischen Grundlage geprägt ist.
6. Kunst als Pendant zum Pessimismus und die Erlösungsfunktion des Genies: Schopenhauers Ästhetik als Form der Erlösung vom leidvollen Wollen durch das Anschauen der Idee.
7. Nietzsches Idee von der Befreiung des Menschen: Darstellung von Nietzsches Kritik an der Metaphysik und der Moral sowie der Überwindung des Geniebegriffs.
8. Die Avantgardebewegung und der Ausschluss des Normalmenschen aus der Kunst: Diskussion der Trennung von Kunst und gesellschaftlicher Wirklichkeit durch Avantgardebewegungen.
9. Die größtmögliche Form der Freiheit des Menschen: Kritische Analyse der Konsequenzen individueller Freiheit in der Postmoderne und der Entmachtung des Künstler-Ideals.
Künstler, Genie, Freiheit, Aufklärung, Moderne, Subjektivität, Metaphysik, Säkularisierung, Ästhetik, Schopenhauer, Nietzsche, Kunstreligion, Avantgarde, Massenkultur, Nihilismus.
Die Arbeit untersucht die sozialphilosophische Rolle des Künstlers in der Gesellschaft und wie sich dieses Bild von der Antike bis zur Moderne in Bezug auf Freiheitsbestrebungen verändert hat.
Die Kernthemen umfassen die Geschichte des Geniebegriffs, das Verhältnis von Kunst und Religion, die Auswirkungen der Aufklärung sowie die Transformation der Rolle des Künstlers in einer marktorientierten Moderne.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Gesellschaft den Künstler erschaffen hat, um ein Bedürfnis nach Autorität und Erlösung zu stillen, und wie dieser Prozess letztlich zur heutigen "Entmachtung" und Normalisierung des Künstlers führte.
Es handelt sich um eine geistes- und sozialphilosophische Analyse, die primär auf der Literatur- und Theorienanalyse (u.a. Kant, Schopenhauer, Nietzsche, Benjamin) basiert.
Der Hauptteil analysiert die philosophischen Gedankengebäude von Immanuel Kant, Arthur Schopenhauer und Friedrich Nietzsche und deren Einfluss auf die Rezeption des Künstlers und der Kunst.
Wichtige Begriffe sind Künstlergenie, Metaphysik, Ästhetik, Erlösung, Autonomie, Subjektivität, Avantgarde, Massenkultur und Säkularisierung.
Während Kant das Genie als notwendige Bedingung für "Schöne Kunst" innerhalb eines vernunftbegabten Systems sieht, betrachtet Schopenhauer das Genie als Mittel zur Erlösung vom leidvollen Wollen durch reine, willenlose Erkenntnis.
Nietzsche sieht das Ende Gottes als notwendige Voraussetzung für den Nihilismus. Die Kunst soll danach als neue, antinihilistische Kraft dienen, die das Leben trotz dessen Sinnlosigkeit erst erträglich macht.
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