Magisterarbeit, 2006
96 Seiten, Note: 1,7
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1. Einleitung
Vorbemerkungen
Fragestellung und Gliederung
Forschungsstand
Quellen
Methodik
2. Grundlagen und Hintergründe
2.1. Politische Debatten
Wiederbewaffnung
Westorientierung
Ost-Politik
2.2. Mentalitätsgeschichtliche Positionsbestimmung
Massenkonsum und Wirtschaftswachstum
Aufarbeitung der NS-Vergangenheit
2.3. Die Evangelische Kirche der Nachkriegszeit
Organisation und Ausrichtung
Politische Verantwortung
Vergangenheitsbewältigung
2.4. Theologiegeschichtlicher Kontext
Die Begriffe Schuld und Sühne im Protestantismus der frühen Bundesrepublik
Die Diskussion um das christliche Verhältnis zum Judentum
3. Die Evangelische Kirche und die Aktion Sühnezeichen
3.1. Lothar Kreyssig – zur Person des Gründers der Aktion Sühnezeichen
3.2. Gründung der Aktion Sühnezeichen und erste Reaktionen (1958 bis 1959)
3.3. Expansion von Aktion Sühnezeichen und Unterstützung durch die Evangelische Kirche (1959 bis 1961)
Aktion Sühnezeichen in der kirchlich-gesellschaftlichen Öffentlichkeit
Entwicklung der ersten Projekte und deren Organisation
Kontakt zur Politik
3.4. Mauerbau und Kontroversen (1961 bis 1964)
Aktion Sühnezeichen in der BRD und der DDR
Das problematische Verhältnis zum Diakonischen Werk (Innerer Mission und Hilfswerk) der EKD
Der Blick nach Osten
Umstrittene Projektarbeit
4. Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Reaktionen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland auf die Gründung der "Aktion Sühnezeichen" zwischen 1958 und 1964. Dabei wird analysiert, wie diese Organisation, die eine praktische Versöhnungsarbeit anstrebte, in den kirchenpolitischen und gesellschaftlichen Kontext der frühen Bundesrepublik eingebettet war und welche theologischen und mentalitätsgeschichtlichen Debatten um Schuld und Sühne ihr zugrunde lagen.
3.2. Gründung der Aktion Sühnezeichen und erste Reaktionen (1958 bis 1959)
Der Aufruf „Wir bitten um Frieden“ zur Gründung der Aktion Sühnezeichen auf der gesamtdeutschen Synode der Evangelischen Kirche in Berlin Spandau am 30. April 1958 stellte für Lothar Kreyssig ein großes geistliches Wagnis dar. Die Reaktionen der im Gründungsdokument genannten Länder waren nur bedingt abzusehen. Die Akzeptanz auf der kirchlichen Leitungsebene war ebenso fraglich wie die positive Rezeption der deutschen Öffentlichkeit. Die Politik der Bundesregierung, die durch die Mehrheit der Protestanten gestützt wurde, wandte sich konsequent gegen die kommunistisch regierten Länder und bemühte sich um die Integration der Kriegsschuldigen in die Gesellschaft. Die Bewusstseinslage der Bevölkerung stand erst an der Schwelle von der totalen Schuldverdrängung und einer Perversion der Täter-Opfer-Perspektive zur Aufarbeitung der Vergangenheit in Form medialer und politisch-kultureller Auseinandersetzung.
Im Rahmen der Synode selbst dominierten sicherheitspolitische Themen: Die Frage der Atombewaffnung – am 25. März 1958 hatte der Bundestag gegen die Stimmen der SPD die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen beschlossen - und des mit der Bundesregierung zu schließenden Militärseelsorgevertrages waren zentrale Diskussionsgegenstände und hatte heftige Streitgespräche zur Folge. Die CDU hatte im Vorfeld der Synode sogar versucht dem entgegenzuwirken, indem sie von der Debattierung dieser Themen abriet. Der diesbezügliche Ausgang der Synode, die sogenannte ‚Ohnmachtsformel’, die das Unvermögen eine einheitliche Stellungnahme zur Atombewaffnung abzugeben ausdrückte, kennzeichnete die Zersplitterung in der EKD.
1. Einleitung: Vorstellung des Erkenntnisinteresses, der methodischen Vorgehensweise und des Forschungsstands zur Geschichte der Aktion Sühnezeichen.
2. Grundlagen und Hintergründe: Analyse der politisch-sozialen Situation der frühen Bundesrepublik sowie der Verfasstheit der Evangelischen Kirche und ihrer Theologie zum Thema Schuld.
3. Die Evangelische Kirche und die Aktion Sühnezeichen: Hauptteil, der den Gründungsprozess, die Expansion der Projekte, die politischen Kontroversen und die institutionellen Spannungen detailliert beleuchtet.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Retrospektive auf die Bedeutung der Aktion Sühnezeichen im Kontext der deutschen Nachkriegsgesellschaft und die Entwicklung der Sühne-Idee bis in die 1960er Jahre.
Aktion Sühnezeichen, Evangelische Kirche, Nachkriegszeit, Lothar Kreyssig, Schuld, Sühne, Vergangenheitsbewältigung, Westintegration, Holocaust, christlich-jüdischer Dialog, Wiederbewaffnung, Protestantismus, Versöhnung, Kirchengeschichte, Zeitgeschichte.
Die Arbeit analysiert die Entstehung und die ersten sechs Jahre der "Aktion Sühnezeichen" und untersucht dabei insbesondere, wie die Evangelische Kirche auf diese Initiative reagiert hat.
Die zentralen Themen sind das Verhältnis der Evangelischen Kirche zur NS-Vergangenheit, die gesellschaftspolitischen Debatten der 1950er Jahre (Wiederbewaffnung, Westbindung) und die theologischen Kontroversen um die Begriffe Schuld und Sühne.
Die Kernfrage lautet, welche Reaktionen die Gründung der Aktion Sühnezeichen in der Evangelischen Kirche hervorgerufen hat und welche Beweggründe für die Unterstützung oder Ablehnung innerhalb der kirchlichen Institutionen ausschlaggebend waren.
Die Autorin nutzt die historisch-kritische Methode sowie einen fachübergreifenden hermeneutischen Ansatz, um Quellen (Akten, Korrespondenzen, theologische Texte) im kirchengeschichtlichen Kontext zu interpretieren.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von der Gründung 1958 bis zum Mauerbau 1961 und den anschließenden Kontroversen bis 1964, wobei die Rolle Lothar Kreyssigs und die praktische Projektarbeit in Ländern wie Norwegen, Israel und Frankreich im Vordergrund stehen.
Begriffe wie "Aktion Sühnezeichen", "Vergangenheitsbewältigung", "Protestantismus", "christlich-jüdischer Dialog" und "Schuldbekenntnis" beschreiben den Kern der Untersuchung.
Lothar Kreyssig war die treibende Kraft und Schlüsselfigur, die trotz anfänglicher Widerstände in kirchlichen und politischen Kreisen aufgrund seiner persönlichen Unbeirrbarkeit und Vernetzung die praktischen Sühnedienste initiieren konnte.
Es gab erhebliche ideologische und organisatorische Differenzen zwischen der zentralistischen Struktur des Diakonischen Werkes und dem eher dezentralen, auf privater Initiative beruhenden Ansatz der Aktion Sühnezeichen, was zu einem zähen Ringen um Anerkennung und Finanzierung führte.
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