Doktorarbeit / Dissertation, 2008
233 Seiten, Note: magna cum laude
1. Einleitung
1.1. Vorwort und Leitfragen
1.2. Rahmen und Begriffskategorien der vorliegenden Arbeit
1.3. Wissenschaftliches Erkenntnisinteresse, Methode und Struktur der Arbeit
1.4. Die wissenschaftliche Literatur
2. Standpunkte der Religionswissenschaft und religionswissenschaftliche Aspekte, die der Deutung von Dichtung dienlich sind
2.1. Das Heilige und das Numinose
2.1.1. Die mystische Erfahrung und die Unmöglichkeit das Heilige zu definieren
2.1.2. Zur Geschichte der Religionswissenschaft und ihrer Definitionen
2.1.3. Standpunkte der Religionswissenschaft
2.1.3.1. Religionsphilosophie
2.1.3.2. Religionsphänomenologie
2.1.3.3. Religionspsychologie
2.1.3.3.1. William James (1842 - 1910)
2.1.3.3.2. Rudolf Otto (1869 - 1937)
2.1.3.3.2.1. Kategorien der religiösen Erfahrung in der Abhandlung Das Heilige, die der Gedichtinterpretation dienlich sind
2.1.3.3.2.2. Kritisches zur Abhandlung Das Heilige
2.1.3.3.3. Carl Gustav Jung (1875 - 1961)
2.2. Weitere Aspekte der religiösen Erfahrung, die der Gedichtinterpretation dienlich sind
2.2.1. Ein Aspekt des Urchristentums und des Gnostizismus: die Rückkehr
2.2.2. Ein Aspekt der griechisch-römischen Antike, der sich mit einem buddhistischen Aspekt berührt: Leidenschaftslosigkeit (Gelassenheit) und Gleichmut
2.2.3. Ein hinduistischer Aspekt: die Überzeugung das Absolute zu sein
3. Die Erfahrung des Numinosen in der deutschen Lyrik von 1799 bis 1886
3.1. Nachklassische Phase und Frühromantik (1798 - 1805)
3.1.1. Novalis (eigentl. Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg, 1772 - 1801)
3.1.1.1. Novalis als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.1.1.2. Novalis: Geistliches Lied XV
3.1.2. Karoline von Günderode (1780 - 1806)
3.1.2.1. Karoline als Schriftstellerin und lyrische Dichterin mystischer Erfahrungen
3.1.2.2. Karoline v. G.: Verschiedene Offenbarungen des Göttlichen
3.1.3. Johann Ludwig Uhland (1787 - 1862)
3.1.3.1. Uhland als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.1.3.2. Uhland: Schäfers Sonntagslied
3.2. Exkurs: Was ist Lyrik und was ist lyrisch?
3.3. Romantik und Spätromantik (1805 - 1835)
3.3.1. Heinrich von Kleist (1777 - 1811)
3.3.1.1. Kleist als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.3.1.2. Kleist: Nun, o Unsterblichkeit [...]
3.3.2. Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)
3.3.2.1. Goethe als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.3.2.2. Goethe: West-östlicher Divan. Buch des Sängers. Selige Sehnsucht
3.3.3. Clemens Wenzel Maria Brentano (1778 - 1842)
3.3.3.1. Brentano als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.3.3.2. Brentano: Nachklänge Beethovenscher Musik
3.3.4. Ludwig Joachim von Arnim (1781 - 1831)
3.3.4.1. Achim von Arnim als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.3.4.2. Achim von Arnim: Der Mensch ist bald vergessen [...] II
3.4. Erste Zwischenbilanz
3.5. Der Zeitraum des Biedermeier (1810 - 1850), des Jungen Deutschland und des Vormärz (zusammengefasst: 1835 - 1848)
3.5.1. Franz Grillparzer (›Seraphicus‹, 1791 - 1872)
3.5.1.1. Grillparzer als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.5.1.2. Grillparzer: Der Wunderbrunnen
3.5.2. Johann Christian Friedrich Hölderlin (1770 - 1843)
3.5.2.1. Hölderlin als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.5.2.2. Hölderlin: Wenn aus dem Himmel [...]
3.5.3. Karl August Georg Maximilian Graf von Platen-Hallermünde (1796 - 1835)
3.5.3.1. Platen als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.5.3.2. Platen: Tristan
3.5.4. Heinrich Heine (1797 - 1856)
3.5.4.1. Heine als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.5.4.2. Heine: Seraphine (7)
3.5.5. Eduard Mörike (1804 - 1875)
3.5.5.1. Mörike als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.5.5.2. Mörike: Zum neuen Jahr
3.5.6. Ernst Moritz Arndt (1769 - 1860)
3.5.6.1. Arndt als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.5.6.2. Arndt: Immer Liebe
3.5.7. Joseph Freiherr von Eichendorff (1788 - 1857)
3.5.7.1. Eichendorff als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.5.7.2. Eichendorff: Der Pilger (6)
3.5.8. Anna Elisabeth Freiin von Droste zu Hülshoff (1797 - 1848)
3.5.8.1. Droste-Hülshoff als Schriftstellerin und lyrische Dichterin mystischer Erfahrungen
3.5.8.2. Droste-Hülshoff: Am letzten Tage des Jahres
3.6. Zweite Zwischenbilanz
3.7. Der Zeitraum des Realismus (1840 - 1897)
3.7.1. Der Realismus und das Heilige
3.7.2. Das Numinose im Werk der Dichter
3.7.2.1. Christian Friedrich Hebbel (1813 - 1863)
3.7.2.1.1. Hebbel als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.7.2.1.2. Hebbel: Das Heiligste
3.7.2.2. Nikolaus Lenau (eigentl. Nikolaus Niembsch Edler von Strehlenau, 1802 - 1850)
3.7.2.2.1. Lenau als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.7.2.2.2. Nikolaus Lenau: Waldlied (6)
3.7.2.3. Friedrich Rückert (alias Freimund Raimar oder Freimund Reimer 1788 - 1866)
3.7.2.3.1. Rückert als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.7.2.3.2. Rückert: Der Vorhang
3.7.2.4. Gottfried Keller (1819 - 1890)
3.7.2.4.1. Keller als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.7.2.4.2. Keller: Unter Sternen
3.7.2.5. Moritz Karl Wilhelm Anton Graf von Strachwitz (1822 - 1847)
3.7.2.5.1. Moritz von Strachwitz als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.7.2.5.2. Moritz von Strachwitz: Gebet auf den Wassern
3.7.2.6. Conrad Ferdinand Meyer (eigentl. Conrad Meyer, 1825 - 1898)
3.7.2.6.1. Meyer als Schriftsteller und lyrischer Dichter mystischer Erfahrungen
3.7.2.6.2. Meyer: Friede auf Erden
4. Resümee
4.1. Zusammenfassung
4.1.1. Dichtung und Religion – parallele Entwicklungen
4.1.2. Ertrag der Gedichtauslese und ihrer religionspsychologischen Betrachtung
4.2. Fazit und Perspektive
4.2.1. Religionswissenschaft, die Mysterien und der Zen-Buddhismus
4.2.2. Ein Kôan
Die vorliegende Arbeit untersucht die Präsenz und Bedeutung des ›Heiligen‹ und ›Numinosen‹ in der deutschsprachigen Lyrik des 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, durch die Analyse ausgewählter lyrischer Texte unter Anwendung religionswissenschaftlicher und religionspsychologischer Kategorien aufzuzeigen, wie Dichter unterschiedlicher Epochen religiöse Erfahrungen thematisierten und in ihre Werke integrierten.
2.1.3.3.2.1. Kategorien der religiösen Erfahrung in der Abhandlung Das Heilige, die der Gedichtinterpretation dienlich sind
Aus einer systematischen Darstellung mystischer Erlebnisse folgert Otto, »daß das Heilige einer der endlichen Form entäußerte Kategorie a priori im Kantischen Sinne ist und daß seine Momente und die diesen respondierenden Gefühle ›reine Ideen‹ bzw. ›reine Gefühle‹ sind«. Gefühle dieser Art entstehen aus dem Tiefenbewussten der ›Seele‹, indem die sinnlich erlebten Erscheinungen der religiösen Erfahrung die ihr angehörigen numinosen Momente aus dem Vor- und Unbewussten wecken und eines nach dem anderen ins Bewusstsein bringen. »Ist das numinose Gefühl einmal rege so werden wir, da es eine Einheit ist, mit dem Auftreten des einen seiner Momente leicht auch das Auftreten seiner anderen Momente erwarten.«
In Anlehnung an Termini technici Martin Luthers (1483 - 1546) sind es drei Hauptmomente, die Otto in der ebenso anziehenden wie erschreckenden irrationalen Erfahrung erkennen und benennen zu können glaubt: (1) das ›mysterium tremendum‹, das eng verwandt ist mit einem weiteren numinosen Moment und häufig in dieses übergeht: das ›mysterium maiestatis‹; (2) das ›mysterium fascinans‹ und (3) das ›mysterium mysteriorum‹, Gefühl des ›ganz Anderen‹.
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt das Forschungsinteresse, die Leitfragen und den theoretischen Rahmen der Untersuchung dar, die sich mit der Verbindung von Religion und Lyrik befasst.
2. Standpunkte der Religionswissenschaft und religionswissenschaftliche Aspekte, die der Deutung von Dichtung dienlich sind: Hier werden die zentralen Begrifflichkeiten, insbesondere das ›Numinose‹ nach Rudolf Otto, und verschiedene disziplinäre Perspektiven auf die religiöse Erfahrung erörtert.
3. Die Erfahrung des Numinosen in der deutschen Lyrik von 1799 bis 1886: Der Hauptteil der Arbeit analysiert chronologisch gegliedert Werke verschiedener Dichter des 19. Jahrhunderts und deren Bezugnahme auf transzendente Erfahrungen.
4. Resümee: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und gibt ein Fazit zur Entwicklung von Dichtung und Religion sowie einen Ausblick auf methodische Ansätze.
Numinoses, Heiliges, Religionspsychologie, Mystik, Lyrik, 19. Jahrhundert, Rudolf Otto, religiöse Erfahrung, Transzendenz, Christentum, Buddhismus, Hinduismus, Symbolik, Literaturwissenschaft, Gott.
Die Studie befasst sich mit der Schnittmenge von Literatur- und Religionswissenschaft, indem sie untersucht, wie das ›Heilige‹ bzw. ›Numinose‹ in der deutschen Lyrik des 19. Jahrhunderts dargestellt und verarbeitet wird.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Schnittstellen zwischen dichterischer Inspiration und religiösem Erleben, die Analyse der Symbolsprache in der Lyrik und die Anwendung religionswissenschaftlicher Kategorien auf literarische Texte.
Das Ziel ist es, durch die Analyse konstitutiver Merkmale religiöser Erfahrungen in der Lyrik aufzuzeigen, wie Dichter die Spannung zwischen Weltlichkeit und Transzendenz innerhalb ihrer Epochen reflektierten.
Die Autorin/der Autor nutzt methodische Ansätze der Religionswissenschaft, insbesondere die Religionspsychologie, und verbindet diese mit hermeneutischen Verfahren der Literaturanalyse.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von der Frühromantik bis zum Realismus und analysiert das Werk bedeutender Dichter wie Novalis, Hölderlin, Eichendorff, Mörike und Hebbel hinsichtlich ihrer Behandlung numinoser Themen.
Die zentralen Begriffe umfassen das ›Numinose‹, ›mystische Erfahrung‹, ›religiöse Symbolik‹ und die spezifischen Ansätze von Denkern wie Rudolf Otto und C.G. Jung im Kontext der Dichtungsanalyse.
Die Arbeit lehnt sich stark an Rudolf Ottos Konzept des ›Numinosen‹ an, das das ›Heilige‹ als ein in sich ambivalentes, rational nicht greifbares Phänomen begreift, welches sowohl furchterregend als auch faszinierend wirkt.
Die Arbeit integriert hinduistische und buddhistische Konzepte wie den ›Ātman‹, ›Māyā‹ und ›Nirvāna‹, um auch solche lyrischen Erfahrungen zu deuten, die über den rein christlichen Kontext hinausgehen und auf transzendente Einheit zielen.
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