Doktorarbeit / Dissertation, 2003
189 Seiten, Note: 1,00
1. Tabu
1.1 Begriffsbestimmung und Definition
1.2 Die Entdeckung und Etablierung des polynesischen Wortes Tabu in Europa
1.2.1 Die Entdeckung des polynesischen Tabu durch den Protestanten Cook
1.2.2 Tabu und der viktorianische Zeitgeist
1.2.3 Die semantische Konnotation von Tabu
1.2.4 Abgrenzung Tabu – Verbot
1.2.5 Abgrenzung Tabu – Norm
1.2.6 Abgrenzung Tabu – Geheimnis
1.3 Tabuforschung
1.3.1 Wissenschaftshistorische Ausgangspunkte
1.3.2 Der Tabubegriff bei Freud – Das Tabu und die Ambivalenz der Gefühlsregungen
1.3.3 Der Tabubegriff der interkulturellen Tabuforschung
1.3.4 Tabubereiche und Motivierungen von Tabus
1.3.5 Gruppen von Tabus
1.3.6 Methodologische Probleme der Tabuforschung
1.4 Empirische Tabuforschung
1.4.1 Tabuforschung als Aufgabe interkultureller Germanistik (Schröder, 1995)
1.4.2 Zu Tabus in unserer Gesellschaft – Eine empirische Untersuchung (Seibel, 1990)
1.4.3 Gesundheitliche Beschwerden und Tabuthemen bei Jugendlichen (Kropiunigg, Madu & Weckenmann, 1998)
1.4.4 Tabuthemen im internationalen Vergleich (Gasch, 1986/87)
2. Depressionen im Kindes- und Jugendalter
2.1 Störungsformen und Symptomatik
2.1.1 Begriffsbestimmung
2.1.2 Klassifikation: Störungsformen
2.1.3 Diagnostische Kriterien: Symptomatik
2.1.4 Symptomprofil der Depression im Jugendalter
2.1.5 Komorbidität
2.2 Auftretenshäufigkeit und Verlauf
2.2.1 Häufigkeit depressiver Störungen im Jugendalter
2.2.2 Alterseffekte
2.2.3 Geschlechtseffekte
2.2.4 Effekte des Schultyps
2.2.5 Zunahme depressiver Störungen in jüngeren Geburtskohorten
2.2.6 Verlaufsstudien
2.3 Diagnostische Zugänge - Die Erfassung depressiver Störungen bei Kindern und Jugendlichen
2.3.1 Selbsteinschätzungsverfahren
2.3.2 Fremdbeurteilungsverfahren
2.3.3 Vorteile und Nachteile der Fremdbeurteilung
2.4 Erklärungsansätze depressiver Störungen
2.4.1 Biologische Faktoren
2.4.2 Psychologische und psychosoziale Risikofaktoren bei Depressionen
3. Risiko- und Schutzfaktoren
3.1 Begriffsbestimmung und theoretische Ansätze
3.2 Die Familie als Risiko- und Schutzfaktor
3.2.1 Die Familie als Umwelt der Jugendlichen
3.2.2 Sozialisation in der Familie mit Jugendlichen
3.2.3 Das Familienmodell (Cierpka & Frevert, 1995)
3.2.4 Entwicklungsaufgaben von Familien mit Jugendlichen
3.2.5 Familiäre Risiko- und Schutzfaktoren
3.3 Familien- und Freundschaftsbeziehungen bei Depression
3.3.1 Familienbeziehungen depressiver Kinder und Jugendlicher
3.3.2 Peerbeziehungen depressiver Kinder und Jugendlicher
3.4 Protektive Faktoren bei Depression
4. Fragestellung der Untersuchung
4.1 Ziele der Untersuchung
4.2 Fragestellungen und Hypothesen
5. Methode der Untersuchung
5.1 Stichprobenauswahl und Stichprobencharakteristika
5.1.1 Stichprobenauswahl für die Voruntersuchung
5.1.2 Stichprobencharakteristika der Voruntersuchung
5.1.3 Stichprobenauswahl für die Hauptuntersuchung
5.1.4 Stichprobencharakteristika der Hauptuntersuchung
5.2 Ablauf der empirischen Untersuchung
5.2.1 Versuchsablauf: Voruntersuchung
5.2.2 Versuchsablauf: Hauptuntersuchung
5.3 Instrumente zur Datenerhebung
5.3.1 Erhebungsbogen zur Erfassung von Tabuthemen in der Familie
5.3.2 Tabu-Fragebogen
5.3.3 SAD (Symptome Adoleszenter Depression)
5.3.4 SAD-Peerfragebogen
5.3.5 Die Familienbögen
5.3.6 Biographisches Risikoinventar für Kindheit und Jugend
5.3.7 Soziodemographische Angaben
5.4 Auswertung der empirischen Untersuchung
5.4.1 Verwendete statistische Auswertungsverfahren
6. Ergebnisse der Untersuchung
6.1 Ergebnisse der Voruntersuchung
6.1.1 Tabuthemen in der Familie
6.1.2 Tabuthemen und die Häufigkeit ihrer Nennungen
6.2 Teststatistische Auswertung der verwendeten Fragebögen
6.2.1 Teststatistische Auswertung des Tabu-Fragebogens
6.2.2 Teststatistische Auswertung des SAD
6.2.3 Teststatistische Auswertung des Allgemeinen Familienbogens
6.2.4 Teststatistische Auswertung des Psychosozialen Risikoinventars
6.3 Ergebnisse der Hauptuntersuchung
6.3.1 Deskriptive Ergebnisse zu Tabuthemen und Reizthemen
6.3.2 Zum Zusammenhang von Selbstberichten der Jugendlichen im SAD und Fremdberichten der Peers im SAD-Peerfragebogen
6.3.3 Tabu- und Reizthemen und depressive Befindlichkeit
6.3.4 Tabu- und Reizthemen und die Einschätzung der Familienfunktionen
6.3.5 Depressive Befindlichkeit
6.3.6 Psychosoziale Risikobelastung und depressive Verstimmung
6.3.7 Familienfunktionen und depressive Verstimmung
6.3.8 Prädiktoren depressiver Befindlichkeit: Multiple Regressionsanalysen zur Vorhersage von Depressivität
6.3.9 Cluster-Analysen
7. Diskussion und Interpretation der Ergebnisse
7.1 Tabu- und Reizthemen als Indikatoren für Familienkommunikation
7.2 Selbst- und fremdberichtete depressive Befindlichkeit
7.3 Tabuthemen als Risikofaktoren für depressive Befindlichkeit
7.4 Einschätzung der Familienfunktionen in Abhängigkeit von depressiver Befindlichkeit und Tabuthemen
7.5 Ergebnisse zur Depressivität
7.5.1 Geschlechtseffekte im Depressivitätsscore
7.5.2 Alterseffekte im Depressivitätsscore
7.5.3 Schultypeneffekte im Depressivitätsscore
7.5.4 Psychosoziale Risikobelastung und depressive Verstimmung
7.5.5 Prädiktoren depressiver Befindlichkeit
7.6 Ergebnisse der Clusteranalysen
7.7 Praktische Konsequenzen der Ergebnisse
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von familiären Tabuthemen und problematischen Familienfunktionen als potenzielle Risikofaktoren für die Entwicklung depressiver Verstimmungen im Jugendalter. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, Zusammenhänge zwischen einer tabubehafteten Familienkommunikation, der subjektiven Einschätzung von Familienfunktionen und der psychischen Befindlichkeit bei Jugendlichen aufzuzeigen, wobei die Arbeit als Querschnittstudie konzipiert ist.
1.1 Begriffsbestimmung und Definition
Tabu ist ein Terminus der polynesischen Tonga-Sprache und bezeichnet dort etwas Besonderes, Nicht-Alltägliches, Heiliges, das vom Profanen, Alltäglichen zu separieren ist und dessen Verletzung von einer göttlichen oder dämonischen Kraft bestraft wird, somit etwas, das mit einem Bann oder Fluch belegt ist. Der Begriff ist über die Reisebeschreibung des englischen Seefahrers und Entdeckers James Cook (,,Captain Cook“) in den europäischen, d.h. zunächst englischen, Sprachraum gelangt. Nach Lehmann (1930) bezeichnete Cook Tabu als ein Wort von sehr umfassender Bedeutung (a very comprehensive meaning), das aber im Allgemeinen angebe, dass eine Sache verboten sei. Wiederholt hob Cook hervor, dass er keine Gewissheit darüber erlangen haben könne, warum gerade dies oder jenes überhaupt oder zu bestimmten Zeiten tabu sei. Übersetzte Cook das Wort, so gab er es mit ,,verboten“ wieder. Die Fälle, in denen das Wort Tabu Cook begegnete, waren Tabus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Art, ferner Speisen- und Totentabus (Lehmann, 1930).
In allen europäischen Sprachen sowie im Japanischen und im Russischen ist das Wort Tabu in jeweils (mehr oder weniger) adaptierter Form in die Alltagssprache eingeflossen (Seibel, 1990). Im Deutschen wird es besonders frequent und auch produktiv verwendet. Trotz seiner fremden Herkunft wird Tabu souverän vom deutschen Muttersprachler genutzt, ja in gewisser Hinsicht sogar eingedeutscht, wie die vielen Bildungen auf tabu/Tabu belegen: Neben den Substantiven ,,Tabu“, ,,Tabuisierung“, ,,Tabubruch“, ,,Tabuzone“, ,,Tabuverletzung“ und ,,Tabuwort“ benutzen wir Wendungen wie ,,etwas/jemand ist tabu“, ,,etwas tabuisieren“ bzw. auch ,,enttabuisieren“; wir sprechen von dem oder der ,,Tabuisierten“, und auch ,,tabulos“ und ,,tabufrei“ können belegt werden (Schröder, 1995).
1. Tabu: Dieses Kapitel behandelt die definitorischen, historischen und empirischen Grundlagen des Tabubegriffs sowie dessen Abgrenzung zu Verboten, Normen und Geheimnissen.
2. Depressionen im Kindes- und Jugendalter: Hier werden Störungsformen, Symptomatik, epidemiologische Daten sowie Erklärungsmodelle zur Entstehung depressiver Störungen zusammengefasst.
3. Risiko- und Schutzfaktoren: Dieses Kapitel bietet einen Überblick über familiäre Einflüsse, Kommunikation und Interaktionsstile als mögliche Risiko- oder Schutzfaktoren für psychische Störungen.
4. Fragestellung der Untersuchung: Darlegung der Ziele des Forschungsvorhabens, die Bedeutung der familiären Kommunikation für depressive Befindlichkeiten unter Präventionsgesichtspunkten zu untersuchen.
5. Methode der Untersuchung: Beschreibung des Studiendesigns, der Vor- und Hauptuntersuchung, der Stichprobencharakteristika sowie der eingesetzten Erhebungsinstrumente.
6. Ergebnisse der Untersuchung: Darstellung der deskriptiven und inferenzstatistischen Ergebnisse, einschließlich Korrelationen, Regressionsanalysen und Clusteranalysen.
7. Diskussion und Interpretation der Ergebnisse: Kritische Auseinandersetzung mit den Befunden der Studie im Kontext bestehender Literatur sowie Erörterung praktischer Konsequenzen.
Tabu, Depression, Jugendalter, Familienkommunikation, Familienklima, Familienfunktionen, Psychosoziale Risikofaktoren, Tabuthemen, Reizthemen, Prävention, Adoleszenz, Familieninteraktion, Selbsteinschätzung, Peereinschätzung.
Die Arbeit untersucht die Bedeutung familiärer Tabuthemen und problematischer Familienfunktionen als potenzielle Risikofaktoren für die Entwicklung depressiver Befindlichkeiten bei Jugendlichen im Alter von 12 bis 18 Jahren.
Die Schwerpunkte liegen auf der Konzeptualisierung von Tabus, der Symptomatik von Depressionen bei Jugendlichen sowie der Analyse familiärer Kommunikationsstrukturen und deren Einfluss auf die psychische Gesundheit.
Ziel ist es, einen empirischen Zusammenhang zwischen einer tabubehafteten Familienkommunikation und der psychischen Befindlichkeit (erhöhte depressive Verstimmung) von Jugendlichen nachzuweisen und als Ansatzpunkt für Präventionsmaßnahmen zu identifizieren.
Es handelt sich um eine Querschnittuntersuchung in zwei Phasen (Vor- und Hauptuntersuchung) mit einer nicht-klinischen Stichprobe von 934 Jugendlichen, wobei standardisierte Fragebögen (SAD, Familienbögen) und statistische Verfahren wie Korrelationen, Regressions- und Clusteranalysen angewendet werden.
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Ergebnissen zur Häufigkeit von Tabu- und Reizthemen, dem Zusammenhang dieser Themen mit depressiver Befindlichkeit sowie der Einschätzung der Qualität von Familienfunktionen durch die Jugendlichen.
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Tabu, Depression, Jugendalter, Familienkommunikation, Familienklima, Familienfunktionen und psychosoziale Risikofaktoren.
Ein Tabuthema ist definiert als ein Thema, über das in der Familie niemals gesprochen werden kann oder darf, während ein Reizthema ein Thema bezeichnet, über das zwar gesprochen wird, bei dem Gespräche jedoch häufig in Streit enden.
Die Peereinschätzung durch SitznachbarInnen wird als valider Zusatz zur Selbsteinschätzung eingesetzt, da sie eine externalisierte Perspektive auf das Verhalten und die Stimmung der Jugendlichen in der Schule bietet.
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