Examensarbeit, 2007
89 Seiten, Note: 2,0
Einleitung
1. Die Weimarer Republik
1.1. Zur Weimarer Republik – Einer Idee auf der Suche nach Verwirklichung
1.2. Alltag in den zwanziger Jahren
1.2.1. Allgemeines zur Erwerbstätigkeit und zum Privatleben
1.2.2. Zur Stellung der Frau im alltäglichen Leben
1.3. Jugend in der Weimarer Republik
2. Die Neue Sachlichkeit
2.1. Zum Begriff der Neuen Sachlichkeit
2.2. Zur literarischen Produktion
2.3. Zur Jugendliteratur
2.3.1. Allgemeines zur Jugendliteratur
2.3.2. Die Großstadt als Topos
2.3.3. Die ‚Neue Frau’ als Topos
3. Der Adoleszenzroman
3.1. Die Adoleszenz als Entwicklungsstufe
3.2. Zur Begriffsklärung des Adoleszenzromans
3.3. Topoi von Adoleszenzromanen der Neuen Sachlichkeit
4. Analyse des Adoleszenzromans „Hannelore erlebt die Großstadt“ von Clara Hohrath
4.1. Über die Autorin Clara Hohrath
4.2. Inhaltsangabe
4.3. Erzählweise
4.4. Zur Entwicklung der Protagonistin
4.4.1. Der Entwicklungsverlauf der Protagonistin
4.4.2. Die Familie als prägende Entwicklungsinstanz
4.4.3. Leitfiguren in Hannelores Leben
4.5. Tradition versus Innovation – die tugendhafte Protagonistin gegenüber der ‚Neuen Jugend’
4.6. Der Roman als authentisches Dokument seiner Zeit
4.6.1. Die Bekanntschaft mit alternativen Lebenskonzepten
4.6.2. Die architektonische Widerspiegelung des Zeitgeistes
4.6.3. Kulturerleben in der Stadt
4.7. Zusammenfassung der Analyseergebnisse
5. Abschließende Bemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman „Hannelore erlebt die Großstadt“ (1932) von Clara Hohrath im Kontext der Jugendliteratur der Neuen Sachlichkeit. Das primäre Ziel besteht darin, das Werk als Adoleszenzroman zu analysieren und zu klären, inwiefern es als authentisches Zeitdokument der Weimarer Republik fungiert, trotz der im Vergleich zu anderen Werken der Strömung eher traditionellen Figurenzeichnung.
Die architektonische Widerspiegelung des Zeitgeistes
Architektonisch versuchte der Bauhausstil, im Sinne der Neuen Sachlichkeit, funktional zu sein. Die Bauwerke wurden auf ihre Grundausstattung rationalisiert, auf verspielte Details, wie beispielsweise Stuck, verzichtete man. Die Verwandtschaft zur literarischen Sachlichkeit entsteht durch den Anspruch, die Gesellschaft zu repräsentieren, indem man sich auf die damals viel gerühmten ‚Tugenden’ der Rationalität, der Schlichtheit und Funktionalität besann und diese sinngemäß umsetzte. Da die Architektur des Bauhausstils wie auch die literarische Strömung den Zeitgeist repräsentieren, ist es unverzichtbar, die Architektur der damaligen Zeit mit in die Analyse einzubeziehen.
Schon bei ihrer Ankunft am Stuttgarter Hauptbahnhof bemerkt die Protagonistin intuitiv, ohne Sachkenntnis, dass dieser im Bauhausstil erbaut worden ist, welcher sich durch klare Linien und Funktionalität auszeichnet (Abb. 1). Sie fühlt sich durch die ‚Ehrlichkeit’ des Bauwerkes angesprochen, denn der Bahnhof ist nicht prunkvoll gestaltet; dies würde von seiner eigentlichen Funktion als Bahnhof nur ablenken:
„Er ist sehr breit und oben abgeschnitten und hat an der Seite einen hohen, viereckigen Turm, auf den man sich hinaufziehn lassen kann, um gleich die Stadt von oben zu besichtigen und so sich orientieren zu können. Das ist sehr praktisch. Überhaupt gefällt mir der Bahnhof sehr, er sieht so ehrlich aus, und tut nicht so, als ob er ein Schloß, oder eine Kirche, oder ein griechischer Tempel wär’, wie die Bahnhöfe, die ich in Vaters Reisealbum sah.“
1. Die Weimarer Republik: Vermittlung geschichtlicher Grundlagen der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Zwanziger Jahre mit Fokus auf das Alltagsleben.
2. Die Neue Sachlichkeit: Darstellung der literarischen Strömung, ihrer Merkmale wie Sachlichkeit und Präzisionsästhetik sowie der Bedeutung als Ausdrucksform der Moderne.
3. Der Adoleszenzroman: Theoretische Herleitung des Begriffs Adoleszenz und die Spezifizierung des Adoleszenzromans als Entwicklungsform in der neusachlichen Literatur.
4. Analyse des Adoleszenzromans „Hannelore erlebt die Großstadt“ von Clara Hohrath: Detaillierte Untersuchung des Romans hinsichtlich der Entwicklung der Protagonistin, ihrer Leitfiguren und der Darstellung des Zeitgeistes.
5. Abschließende Bemerkungen: Zusammenfassende Einordnung des Romans als unpolitischer Adoleszenzroman, der als Zeitzeugnis für die Lebenswelt der Zwanziger Jahre dient.
Weimarer Republik, Neue Sachlichkeit, Adoleszenzroman, Jugendliteratur, Großstadt, Neue Frau, Clara Hohrath, Hannelore erlebt die Großstadt, Moderne, Sozialisation, Identitätsfindung, Tradition, Lebenskonzepte, Zeitdiagnostik, Alltagsdarstellung.
Die Arbeit analysiert den Adoleszenzroman „Hannelore erlebt die Großstadt“ von Clara Hohrath aus dem Jahr 1932 und setzt ihn in den historischen Kontext der Literatur der Neuen Sachlichkeit während der Weimarer Republik.
Die Schwerpunkte liegen auf der Adoleszenzthematik, der literarischen Verarbeitung von modernen Lebenskonzepten (wie etwa der Gesundheitsbewegung), der Rolle der Frau und der Darstellung der Großstadt als Symbol der Moderne.
Das Ziel ist es, zu ergründen, wie die Protagonistin Hannelore ihre Adoleszenz durchlebt und inwiefern der Roman trotz seiner traditionellen Wertorientierung als authentisches Zeitdokument der Zwanziger Jahre gelesen werden kann.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die das Werk in den Kontext der zeitgenössischen Literaturströmung stellt und biografische sowie architektonische Indizien zur Datierung und Einordnung des Werkes nutzt.
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Rahmen zur Weimarer Republik, zur Neuen Sachlichkeit und zum Adoleszenzroman sowie eine tiefgehende Analyse des Werkes von Hohrath, inklusive Inhaltsangabe, Erzählweise und Charakterentwicklung.
Die wichtigsten Schlagworte sind Weimarer Republik, Neue Sachlichkeit, Adoleszenzroman, Identitätsfindung, moderne Großstadt, Neue Frau und der spezifische Bezug auf das Werk von Clara Hohrath.
Sie stammt aus einem kleinen Dorf und begegnet der pulsierenden Großstadt Stuttgart mit einer Naivität, die ihre kulturelle Ungebildetheit und fehlende Erfahrung mit modernen urbanen Phänomenen widerspiegelt.
Die Briefform dient der Ich-Erzählung und ermöglicht die chronologische Schilderung von Erlebnissen, durch die der Leser die Entwicklung der Protagonistin sowie ihre subjektive Wahrnehmung der Gesellschaft nachvollziehen kann.
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