Magisterarbeit, 2008
76 Seiten, Note: 2,7
1. Einleitung
2. Quellen des schriftstellerischen Motivs
2.1. Vom Sohn eines Fußballprofis zum Schriftsteller
3. Trilogie der Entgeisterung
3.1. Kurzer Überblick & Einordnung
4. „Selige Zeiten, brüchige Welt“ – Ein umgekehrter Entwicklungsroman
4.1. Zum Begriff „Rückentwicklungsroman“
4.2. Menasses Intention einen umgekehrten Entwicklungsroman zu schreiben
5. Exkurs
5.1. Das Gestaltungsprinzip „Hegel“
5.2. Hegelianische Einflüsse und der Bezug zum Roman
6. Leo Singers Leben – Ein Rückschritt in Etappen
6.1. Einführung mit kurzer Begriffserläuterung des Verbs „Scheitern“
6.2. Leos Verlorenes Paradies
6.3. Exkurs: Quellen von Leos Identität: Vater, Mutter und Onkel Zé
6.4. Leos Bekanntschaft mit Judith
6.5. Exkurs: Leo Singers Essays und ihre Verbindung zu Georg Lukács
6.6. Ein Umschwung setzt ein – Die Italienreise
6.7. Die Rückkehr nach Brasilien
6.8. Leos zündende Idee
6.9. Die Beziehung zu Judith scheitert
6.10. Leo erhält eine Bar-Professur
7. Visualisierte Rückentwicklung
7.1. Einführung und Erläuterungen zum Diagramm
7.2. Das Diagramm: Etappen des Scheiterns
7.3. Legende
7.4. Die Bilanz
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman „Selige Zeiten, brüchige Welt“ von Robert Menasse als einen „Rückentwicklungsroman“. Im Zentrum steht die Analyse der Hauptfigur Leo Singer, dessen Scheitern – trotz seines Strebens nach Totalität und philosophischer Erkenntnis im Sinne Hegels – als eine Form der regressiven Entwicklung interpretiert wird. Die Forschungsfrage widmet sich dabei den Mechanismen, die zu diesem Scheitern führen, sowie der literarischen Umsetzung dieser „Entgeisterung“.
4.2. Menasses Intention einen umgekehrten Entwicklungsroman zu schreiben
Robert Menasse dreht das Bildungsroman-Prinzip um und kreiert einen rückläufigen Entwicklungsroman. In einem Interview, ein Jahr nach der Erscheinung von „Selige Zeiten, brüchige Welt“, nennt Robert Menasse den Grund dafür:
Heute aber sehe ich nur Individuen, die mit deutlich sichtbaren Talenten beginnen, und dann aber durch ihre Erfahrungen im Leben der modernen Gesellschaften zunehmend eine Anlage nach der anderen, ein Talent nach dem anderen, eine Fähigkeit nach der anderen verlieren, bis sie verkümmerte Existenzen geworden sind. [...] Deswegen sind meine Romane umgekehrte Entwicklungsromane, es sind Verkümmerungsromane. Nie sind heute die Menschen so vollendet wie am Anfang, am Ende sind sie immer entgeistert.
Das Phänomen der Rückentwicklung durchdringt den Roman spürbar, es charakterisiert sozusagen alle Beteiligten. So ist das Hauptthema des Romans, das gleichzeitig Kernthema dieser Arbeit ist, das Scheitern des Helden Leo Singer, dessen Lebensaufgabe es ist, eine Abhandlung über das Verschwinden des Wissens zu verfassen. Diese Denkschrift verkörpert eine weitere Umkehrung – die Umkehrung der Hegelschen Philosophie. Anstatt „Phänomenologie des Geistes“ heißt es bei Singer folgendermaßen „Phänomenologie der Entgeisterung“.
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Roman-Trilogie und Vorstellung der Forschungsabsicht, den Roman als Rückentwicklungsroman zu analysieren.
2. Quellen des schriftstellerischen Motivs: Biografische Einblicke in das Leben von Robert Menasse, die sein Interesse an Hegel und den Schreibprozess maßgeblich prägten.
3. Trilogie der Entgeisterung: Kurze Übersicht über die drei Bände der Trilogie und die theoretische Verortung der regressiven Entwicklung des Geistes.
4. „Selige Zeiten, brüchige Welt“ – Ein umgekehrter Entwicklungsroman: Theoretische Abgrenzung des Rückentwicklungsromans vom traditionellen Bildungsroman unter Bezugnahme auf Fachliteratur und Intention des Autors.
5. Exkurs: Detaillierte Darstellung des Hegelschen Denkens (Totalität, Phänomenologie) und dessen kritische Ironisierung durch Menasse.
6. Leo Singers Leben – Ein Rückschritt in Etappen: Ausführliche Untersuchung der Lebensstationen von Leo Singer und die Analyse seines Scheiterns anhand seiner Identitätsquellen, Beziehungen und psychologischen Muster.
7. Visualisierte Rückentwicklung: Präsentation und Auswertung eines Diagramms, das den regressiven Lebensverlauf Leo Singers graphisch verbildlicht.
Robert Menasse, Selige Zeiten brüchige Welt, Leo Singer, Rückentwicklungsroman, Hegel, Phänomenologie der Entgeisterung, Bildungsroman, Scheitern, Identität, Georg Lukács, Moderne Literatur, Regression, Totalität, Reflexion, Verkümmerungsroman.
Die Arbeit untersucht Robert Menasses Roman „Selige Zeiten, brüchige Welt“ hinsichtlich seiner Gattung und thematischen Ausrichtung als sogenannten Rückentwicklungsroman.
Die Arbeit fokussiert sich auf das Thema des Scheiterns, die Transformation philosophischer Konzepte (insbesondere Hegels) in die Literatur sowie die Identitätsfindung der Romanfigur Leo Singer.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Menasse den klassischen Bildungsroman ironisch umkehrt, um die Entgeisterung und Verkümmerung des modernen Individuums darzustellen.
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analyse, vergleichende Textarbeit (Intertextualität) und psychologische Ansätze, um das Verhalten der Romanfiguren und ihre philosophische Fundierung zu deuten.
Der Hauptteil analysiert detailliert die Etappen der „Entgeisterung“ der Hauptfigur Leo Singer, sein Verhältnis zu Identitätsquellen (Eltern, Mentoren) sowie seine Beziehung zur Figur Judith Katz.
Zu den prägenden Begriffen gehören unter anderem Rückentwicklungsroman, Hegel, Identität, Scheitern, Phänomenologie der Entgeisterung und Intertextualität.
Menasse nutzt Hegel, um die Entwicklung seines Protagonisten – oder eben dessen Rückentwicklung – messbar zu machen und durch die Ironisierung des philosophischen Pathos gesellschaftliche Kritik zu üben.
Judith fungiert als „Gegenpol“ und Lebensrealität für Leo; ihre symbiotische, aber zerstörerische Beziehung ist der zentrale Spiegel von Leos eigener Unfähigkeit zur Lebensbewältigung.
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