Bachelorarbeit, 2021
64 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Rahmenbedingungen
2.1 Neoliberalisierung
2.2 Unternehmerische Stadt
2.3 Ordnungs- und Sicherheitspolitik
2.4 Gesellschaftlicher Diskurs
3. Forschungsstand
3.1 Aufsuchende Soziale Arbeit
3.2 Öffentliche Räume
3.3 Problematisierte
3.4 Verdrängung aus öffentlichen Räumen
4. Kritisch-reflexive Fachlichkeit
4.1 Rollen-Reflexivität
4.1.1 Rollen-reflexive Legitimationsarbeit
4.1.2 Programmbezug
4.1.3 Subjektorientierung
4.1.4 Normative Positionierung
4.2 Politik-Reflexivität
4.2.1 Politische Legitimationsarbeit
4.2.2 Politische Positionierung
4.3 Macht-Reflexivität
4.3.1 Systematische Kontextualisierung
4.3.2 Diskursbezug
4.4 Raum-Reflexivität
4.4.1 Zweifach analytisch-systematische Differenzierung sozialer Räume
4.4.2 Regulierungs-/Interventionsbezug
4.4.3 KlientInnenzentrierte Ortsgestaltung
5. Fazit
Die Arbeit untersucht, welche Effekte eine kritisch-reflexive Fachlichkeit auf die Praxis der Aufsuchenden Sozialen Arbeit haben kann, wenn diese im Kontext von Verdrängungsprozessen „Problematisierter“ aus öffentlichen Räumen stattfindet. Ziel ist es, Möglichkeiten einer fachlichen Haltung aufzuzeigen, die machtkritisch und emanzipativ agiert, anstatt ordnungspolitische Logiken unreflektiert zu reproduzieren.
1. Einleitung
Fachkräfte Sozialer Arbeit agieren im strukturell verankerten Spannungsverhältnis des „doppelten Mandats“ (Böhnisch/Lösch 1973: 27, Zusatz von N. P.). Dieser zentrale Rollenkonflikt entsteht aus der Übernahme eines auf Adressierte bezogenen, stellvertretenden Mandats einerseits, sowie einem öffentlich-rechtlichen Mandat sozialer Kontrolle andererseits (vgl. Böhnisch/Lösch 1973: 28). Diese beiden Pole, nämlich Hilfe und Kontrolle, welche die Soziale Arbeit konstituieren, existieren in einer grundlegenden und unaufhebbaren Antinomie (vgl. Thieme 2017: 17). Deshalb muss ortsbezogene und somit auch Aufsuchende Soziale Arbeit sich immer wieder erneut reflektieren und positionieren (vgl. Bareis 2020: 66 f.).
Eine sich seit den 1900er Jahren neoliberalisierende Stadtentwicklung zieht Konflikte um öffentliche Räume nach sich (vgl. Wehrheim 2012: 21 ff.), weshalb Kontrolle zunehmend als notwendig erachtet wird (vgl. Marcuse 2003: 89). Demnach scheint soziale Kontrolle für ein friedliches demokratisches Miteinander, sowie Kriminalitäts-/Gewaltprävention und demzufolge für die Verteidigung einer öffentlichen Ordnung eine zentrale Rolle zu spielen (vgl. Body-Gendrot 2000: xx). Jedoch verschiebt sich die ‚Waage von Hilfe und Kontrolle‘ ebenfalls in der Sozialen Arbeit deutlich zur Seite der Kontrolle (vgl. Galuske 2007: 25; Dirks et al. 2015: 58), gleichwohl Hilfe als zentrale und grundlegende Handlungskategorie angeführt wird (vgl. Bock/Thole 2011: 6 f.). Somit hat der bewusste, politisch gewünschte und tolerierte Ausschluss problematisierter Personengruppen in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen (vgl. Kazig et al. 2003: 98). Daraus ergibt sich für Fachkräfte eine schwierige Auseinandersetzung mit den eigenen beruflichen Erwartungshorizonten, was eine beständige innere Reflektion der fachlichen Selbstansprüche sowie der berufsbezogenen Gütekriterien erfordert (vgl. Herriger 2020: 80).
1. Einleitung: Beschreibt das strukturelle Spannungsverhältnis des „doppelten Mandats“ und führt in die Problematik der neoliberalen Stadtentwicklung sowie die Notwendigkeit einer kritisch-reflexiven Fachlichkeit ein.
2. Rahmenbedingungen: Analysiert die Einflüsse von Neoliberalisierung, unternehmerischer Stadtpolitik und ordnungspolitischer Sicherheitspolitik auf den gesellschaftlichen Diskurs und die Soziale Arbeit.
3. Forschungsstand: Erörtert den aktuellen Stand zur Aufsuchenden Sozialen Arbeit, zur Definition öffentlicher Räume und zur Konstruktion „Problematisierter“ sowie deren Verdrängung.
4. Kritisch-reflexive Fachlichkeit: Entwirft ein Modell zur Reflexion der eigenen Praxis anhand der Dimensionen Rollen-, Politik-, Macht- und Raum-Reflexivität.
5. Fazit: Fasst zusammen, wie die entwickelte kritisch-reflexive Fachlichkeit Fachkräften hilft, Machtasymmetrien zu begegnen und als allparteiliche Ansprechpartnerin für Adressierte zu agieren.
Aufsuchende Soziale Arbeit, Neoliberalisierung, Öffentlicher Raum, Kritisch-reflexive Fachlichkeit, Doppeltes Mandat, Soziale Kontrolle, Verdrängung, Machtverhältnisse, Raumreflexivität, Adressierte, Parteilichkeit, Allparteilichkeit, Stadtentwicklung, Subjektorientierung, Sicherheitspolitik.
Die Arbeit befasst sich mit den Herausforderungen für die Aufsuchende Soziale Arbeit in einem städtischen Umfeld, das zunehmend durch Verdrängungsprozesse und ordnungspolitische Kontrollmaßnahmen geprägt ist.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen neoliberaler Stadtpolitik, die Konstruktion von „Problemräumen“, die Rolle der Sozialarbeit als Kontrollinstanz sowie Möglichkeiten der Professionalisierung durch Reflexion.
Ziel ist es, ein Konzept der „kritisch-reflexiven Fachlichkeit“ zu entwickeln, das es Fachkräften ermöglicht, ihre Rolle kritisch zu hinterfragen und sich trotz struktureller Zwänge parteilich für ihre Adressierten einzusetzen.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung und kritische Reflexion des aktuellen Forschungsstandes, um ein konzeptionelles Modell für die fachliche Praxis zu entwerfen.
Der Hauptteil analysiert die Rahmenbedingungen (Kapitel 2), den Forschungsstand (Kapitel 3) und entwickelt daraus ein vierdimensionales Reflexionsmodell (Kapitel 4), das Rollen-, Politik-, Macht- und Raum-Reflexivität umfasst.
Die Arbeit wird besonders durch Begriffe wie Aufsuchende Soziale Arbeit, Raumreflexivität, Verdrängung, Neoliberalismus und Kritisch-reflexive Fachlichkeit charakterisiert.
Die neoliberale Stadtentwicklung zwingt Städte in einen Standortwettbewerb, was zu einer verstärkten Privatisierung und sicherheitspolitischen Überwachung öffentlicher Räume führt. Dies bringt die Soziale Arbeit oft in die Rolle, Kontrollfunktionen auszuüben, statt Unterstützungsarbeit zu leisten.
Es beschreibt einen prozesshaften Ansatz, bei dem Fachkräfte in konkreten Interaktionen Machtasymmetrien analysieren, um situativ für die schwächere Partei – die Adressierten – Partei zu ergreifen.
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