Bachelorarbeit, 2007
65 Seiten, Note: 5.75
1 Einleitung
2 Habermas
2.1 Genese der bürgerlichen Öffentlichkeit
2.2 Genauere Untersuchung einzelner Phänomene der bürgerlichen Öffentlichkeit
2.3 Verfall der Öffentlichkeit im 19. und 20. Jahrhundert:
2.4 Kontroverse Diskussion der bürgerlichen Öffentlichkeit
3 Sennett
3.1 Leben im Öffentlichen Raum des 18. Jahrhunderts
3.2 Die Erschütterung des öffentlichen Lebens im 19. Jahrhundert
3.3 Das Verschwinden des öffentlichen Raums im 20. Jahrhundert
4 Zukin
4.1 Öffentlicher Raum als Austragungsort kultureller Kämpfe und der Produktion von Symbolen
4.2 Veränderungen der Öffentlichkeit von Konsumräumen
4.3 Ästhetisierung des öffentlichen Raums
4.4 Widerstandsfähige öffentliche Räume
5 Vergleich der Theorien von Zukin und Sennett
5.1 Vergleich der Grundannahmen
5.1.1 Entstehung des öffentlichen Raums
5.1.2 Unterscheidung öffentlicher und privater Räume
5.2 Vergleich der Bewertungen
5.2.1 Einfluss von Alltagsverhalten
5.2.2 Bedeutung des öffentlichen Raums:
5.3 Fazit des theoretischen Vergleichs
6 Illustration der Theorien an der Zwischennutzung des Palasts der Republik
6.1 Unterschiedliche Entstehung und Nutzung von öffentlichem Raum im Palast der Republik
6.1.1 Entstehung und Nutzung in der DDR
6.1.2 Zwischennutzung durch Volkspalast :
6.2 Kritische Spiegelung der Theorien Sennetts und Zukins am Volkspalast
6.2.1 Anwendung der Theorie Sennetts
6.2.2 Anwendung der Theorie Zukins
6.3 Fazit der Anwendung der Theorien:
7 Schlussfolgerungen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel des öffentlichen Raums durch einen Vergleich der theoretischen Positionen von Jürgen Habermas, Richard Sennett und Sharon Zukin. Ziel ist es zu analysieren, welche Mechanismen und gesellschaftlichen Gruppen die Veränderung des öffentlichen Raums beeinflussen und wie diese Veränderungen das Verhalten der Menschen im Raum prägen, wobei die Zwischennutzung des Palasts der Republik in Berlin als praktisches Anschauungsobjekt dient.
Die Erschütterung des öffentlichen Lebens im 19. Jahrhundert
Durch starken Bevölkerungswachstum und geringere Kindersterblichkeit wurde der Einzelhandel im 19. Jahrhundert gewinnträchtig wie nie zuvor. Durch die Vervielfachung der Käuferschichten entstand eine neue Institution des Handels, das Warenhaus. Gleichzeitig verschwanden die kleine Läden und die Märkte unter freiem Himmel. Sowohl in London als auch in Paris entstand ein Lokalismus, den es davor nicht gegeben hat. Die soziale Heterogenität löste sich auf und die einzelnen Stadtviertel wurden zu Gebieten mit einer homogenen Klassenstruktur. Als in Paris die Bevölkerungszahl anstieg, breitete sich diese innerhalb der Stadtmauern aus. Durch eine Neustrukturierung der Stadt im 19. Jahrhundert durch den Stadtplaner Georges-Eugène Baron Haussmann entstanden in Paris verschiedene Stadtviertel, die sich durch unterschiedliche Preisniveaus auszeichneten und so eine ökonomisch homogene Klasse beherbergten.
In London fand eine räumliche Expansion statt, bei der die Bauherren grosse Gebäudekomplexe anlegten, die den Bedürfnissen einer ökonomisch homogenen Gruppe genügten. Die Menschen hielten sich fortan hauptsächlich in ihren Stadtvierteln auf und lediglich Menschen mit vielfältigen Interessen und Verbindungen bewegten sich noch frei im ganzen Stadtraum. Dies waren vor allem die Mitglieder der bürgerlichen Klasse. Mitte des 19. Jahrhunderts wurden erstmals Festpreise in den Warenhäusern eingeführt. Diese Praktik, die den Einzelhändlern im ancien régime noch verboten war, veränderte die Kauferfahrung radikal. Die Theatralität, das Feilschen und die zugehörigen Rituale verschwanden, da diese Dramaturgie Zeit kostete und deshalb nicht geeignet war, grosse Warenmengen umzusetzen. Allerdings ist durch das Wechselspiel zwischen Käufer und Verkäufer auch eine soziale Verbindung entstanden, die jetzt aufgelöst wurde. SENNETT beschreibt, dass die Sprache von einem Zeichensystem zu Symbolen mutiert ist, deren Bedeutung erst entschlüsselt werden musste.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung des Wandels öffentlicher Räume ein und erläutert die methodische Herangehensweise sowie die theoretische Auswahl der Arbeit.
2 Habermas: Das Kapitel behandelt den historischen Strukturwandel der bürgerlichen Öffentlichkeit nach Habermas, von der Entstehung rational-kritischer Diskurse bis hin zum Verfall durch Konsum und Massenmedien.
3 Sennett: Hier wird Richard Sennetts These des Verfalls des öffentlichen Lebens dargelegt, wobei der Fokus auf dem Verlust expressiver Kommunikation und der zunehmenden Isolation des Individuums liegt.
4 Zukin: Dieses Kapitel widmet sich Sharon Zukins Fokus auf die Produktion von Symbolen und kulturellen Strategien im städtischen Raum, insbesondere in Konsumräumen und Themenparks.
5 Vergleich der Theorien von Zukin und Sennett: Der theoretische Vergleich kontrastiert die Ansätze von Sennett und Zukin hinsichtlich der Entstehung, Bewertung und Bedeutung öffentlicher Räume.
6 Illustration der Theorien an der Zwischennutzung des Palasts der Republik: Die praktische Anwendung der Theorien erfolgt am Beispiel des Volkspalasts, der als Gegenentwurf zu monofunktionalen Planungen untersucht wird.
7 Schlussfolgerungen: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und plädiert für einen fragmentierten, prozesshaften Öffentlichkeitsbegriff, der gesellschaftliches Engagement stärker berücksichtigt.
Öffentlicher Raum, Öffentlichkeit, Habermas, Sennett, Zukin, Urbanismus, Stadtplanung, Volkspalast, Konsumräume, Gentrifizierung, Sozialer Wandel, Partizipation, Symbolproduktion, Stadtmarketing, Zwischennutzung.
Die Bachelor-Arbeit untersucht, wie sich die Qualität, Wahrnehmung und Nutzung des öffentlichen Raums im Laufe der Zeit verändert hat und welche Faktoren diesen Wandel treiben.
Die zentrale Analyse basiert auf den Arbeiten von Jürgen Habermas (zur bürgerlichen Öffentlichkeit), Richard Sennett (zum Verfall des öffentlichen Lebens) und Sharon Zukin (zur Ökonomie der Symbole im urbanen Raum).
Das Ziel ist ein besseres Verständnis der Mechanismen, die den Wandel von öffentlichen Räumen bewirken, und eine Illustration dieser Theorien anhand der temporären Zwischennutzung des Palasts der Republik.
Die Arbeit nutzt einen vergleichenden theoretischen Ansatz, in dem existierende soziologische und städtebauliche Theorien gegenübergestellt und an einem konkreten Fallbeispiel (Volkspalast) auf ihre Anwendbarkeit geprüft werden.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung der drei Theoretiker, einen anschließenden Vergleich ihrer Grundannahmen und eine praktische Anwendung dieser Theorien auf den Palast der Republik in Berlin.
Die Kernbegriffe umfassen Öffentlichkeit, Urbanismus, soziale Interaktion, Symbolproduktion, Gentrifizierung und die kritische Auseinandersetzung mit Stadtplanung.
Er dient als Anschauungsobjekt, da hier an einem zentralen Ort eine außergewöhnliche Aneignung des Raums ohne bauliche Veränderungen stattgefunden hat, was die theoretischen Ansätze zur aktiven Teilhabe illustriert.
Während Sennett den Verfall des öffentlichen Raums als weitgehend endgültig betrachtet, zeigt Zukin differenziertere Möglichkeiten auf, wie auch ohne politische Macht Einfluss auf die öffentliche Kultur genommen werden kann.
Ihre Praktiken, wie das „Umherschweifen“ (derive), werden genutzt, um die aktive Aneignung des Raums im Volkspalast zu erklären und mit den theoretischen Überlegungen in Bezug zu setzen.
Der Autor plädiert für ein Engagement von Soziologen und Stadtforschern, um Räume zu schaffen, die nicht nur für den Konsum existieren, sondern den Menschen zum aktiven Handeln und Austausch anregen.
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