Magisterarbeit, 2008
94 Seiten, Note: 1,1
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1 Einführung
1.1 DDR-Frauengruppen als soziale Bewegung? – Forschungsansätze
1.2 Soziale Bewegung in der Diktatur? – Übertragungsprobleme
1.3 DDR-Frauengruppen in bisherigen Untersuchungen
1.4 Problemstellung und Quellenbasis
2 Historische Kontextualisierung
2.1 Frauen und Frauenpolitik in der DDR
2.2 Die DDR in den 1980er Jahren
3 Autonome Frauengruppen in Dresden
3.1 Frauen für den Frieden Dresden
3.1.1 Entstehung, Struktur und Arbeitsweise
3.1.2 Arbeitsfelder
3.1.2.1 Friedensarbeit
3.1.2.2 Geschlechterverhältnisse
3.1.2.3 Politischer Protest
3.1.3 Entwicklung der Gruppe ab 1989
3.2 Kirchlicher Arbeitskreis Homosexualität Dresden / Frauengruppe im Kirchlichen Arbeitskreis Homosexualität Dresden
3.2.1 Entstehung, Struktur und Arbeitsweise
3.2.2 Die Frauengruppe im Kirchlichen Arbeitskreis Homosexualität
3.2.2.1 Erkenntnisprozesse
3.2.2.2 Dresdner Frauenfeste
3.2.2.3 Räume für lesbische Frauen
3.2.3 Arbeitskreis und Frauengruppe in der Wende
3.3 Frauen für Frauen
3.4 Künstlerinnengruppe / Dresdner Sezession ’89
3.5 Arbeitskreis Feministische Theologie
4 Über Dresden hinaus
5 Zusammenfassung und Ausblick
Die Arbeit untersucht die Entstehung, Aktivitäten und Motive autonomer Frauengruppen in Dresden in den 1980er Jahren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit diese Gruppen trotz staatlicher Überwachung und offizieller Gleichstellungspolitik als eigenständige soziale Bewegung fungierten und welche Rolle die Reflexion von Geschlechterverhältnissen spielte.
3.1.2.1 Friedensarbeit
Frieden blieb während des gesamten Aktionszeitraums der Gruppe ein zentrales Thema. Ausgehend vom Zusammentreffen der Gruppe für die Vorbereitung von Friedensgebeten und bald darauf aus Betroffenheit von der Einführung der Wehrpflicht für Frauen, lassen sich Eingaben an staatliche Organe sowie Vorbereitungskonzepte und Beiträge für kirchliche Veranstaltungen nach verfolgen. Nach der Verabschiedung des Wehrdienstgesetzes im März 1982, in dem verfügt worden war, dass Bürgerinnen der DDR „während der Mobilmachung und im Verteidigungszustand“ zur allgemeinen Wehrpflicht eingezogen werden können, fand eine Eingabeaktion gegen dasselbe statt. Dieser Protest hielt bis in das Folgejahr an. Im November 1983 verfasste eine Frau der Gruppe eine Eingabe an das Wehrkreiskommando Dresden Stadt. Sie äußerte darin ihr Befremden über die Musterung von Frauen, zu denen Betroffene aus ihrem Bekanntenkreis bereits herangezogen worden seien. Andere Frauen der Gruppe verfassten ähnliche Eingaben.
Daraufhin erhielt eine der Autorinnen eine Einladung zu einem Gespräch beim Wehrkreiskommando der Stadt. Sie folgte dieser Einladung mit ambivalenten Gefühlen: „Ich bin da relativ ängstlich hin und natürlich mit einer zweiten Frau, und die haben die nicht mit rein gelassen. Da haben die also dann gesagt: Wir wollen mit Ihnen alleine reden. Und wir hatten dann irgendwie nicht die Courage zu sagen: Dann gehe ich wieder, oder so. Ich war ja vorgeladen auf Grund meiner Eingabe. Und dann hat halt die andere Frau draußen gewartet. Und ich fühlte mich aber relativ sicher mit meinem dicken Bauch [Schwangerschaft der Betroffenen, R. B.]. Ich hatte das Gefühl, so stark werden die mich nicht in die Enge treiben.“ Das Gespräch verlief in der Tat nicht konfrontativ, sondern von Seiten des Wehrkreiskommandos beschwichtigend und abwiegelnd und blieb ohne Konsequenzen für die Betroffene.
1 Einführung: Diese Einleitung beleuchtet den Widerspruch zwischen der offiziellen Gleichstellungspolitik der DDR und der gelebten Realität, welche zur Entstehung informeller Frauengruppen führte.
2 Historische Kontextualisierung: Hier werden die Phasen der SED-Frauenpolitik und die Rahmenbedingungen der DDR in den 1980er Jahren dargestellt, die den Nährboden für oppositionelle Gruppen bildeten.
3 Autonome Frauengruppen in Dresden: Dieser Hauptteil analysiert detailliert fünf Dresdner Frauengruppen, deren Arbeitsweise, Themenfelder und die Rolle als Schutzräume für individuelle und gesellschaftspolitische Reflexion.
4 Über Dresden hinaus: Dieses Kapitel thematisiert die Vernetzung der Dresdner Frauengruppen untereinander sowie mit anderen Akteuren in der gesamten DDR.
5 Zusammenfassung und Ausblick: Der abschließende Teil fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Bedeutung der Frauengruppen im Kontext der DDR-Geschichte und ihrer Entwicklung in der Wendezeit.
DDR, Frauengruppen, Dresden, Frauenbewegung, Friedensarbeit, Opposition, SED, evangelische Kirche, Gleichberechtigung, patriarchale Strukturen, patriarchale Gesellschaft, Geschlechterverhältnisse, Emanzipation, Zivilgesellschaft, Wende.
Die Magisterarbeit untersucht die Geschichte autonomer Frauengruppen in Dresden während der 1980er Jahre und deren Rolle als informelle oppositionelle Zusammenschlüsse in der DDR.
Neben der Friedensarbeit stehen die Auseinandersetzung mit dem offiziellen Frauenbild, Geschlechterstereotypen, sexuelle Selbstbestimmung und feministische Theologie im Mittelpunkt.
Das Ziel ist es, die Entstehungsgeschichte, Motive und Arbeitsweisen dieser Gruppen zu erfassen und ihre Einordnung als Teil einer ostdeutschen Frauenbewegung kritisch zu beleuchten.
Die Arbeit basiert auf der Auswertung von Archivmaterial der Robert-Havemann-Gesellschaft (Archiv Grauzone), Zeitungsquellen sowie Zeitzeuginneninterviews.
Im Hauptteil werden fünf spezifische Gruppen – u.a. Frauen für den Frieden, der Kirchliche Arbeitskreis Homosexualität und die Dresdner Sezession ’89 – einzeln vorgestellt und analysiert.
Zentrale Begriffe sind DDR, Frauenbewegung, Autonomie, Opposition, Geschlechterverhältnisse und Patriarchatskritik.
Die evangelische Kirche fungierte oft als Schutzraum für Treffen und inhaltliche Arbeit, da eine unabhängige Organisationsbildung außerhalb der staatlichen Strukturen sonst kaum möglich war.
Der Staat betrachtete unabhängige Zusammenschlüsse kritisch; die Gruppen agierten jedoch oft geschickt, um Repressionen zu vermeiden, indem sie ihre Kritik in "eingebetteter" Form formulierten oder den kirchlichen Rahmen nutzten.
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