Examensarbeit, 2008
124 Seiten, Note: 1,00
1 Einleitung
1. 1 Thematische Relevanz und Zielsetzung
1. 2 Aufbau der Arbeit
2 Unterrichtsstörungen
2. 1 Verschiedene Definitionen zum Begriff „Unterrichtsstörungen“
2. 2 Wünsche und Vorstellungen der Lehrer für ihren Unterricht
2. 3 Unterrichtsstörungen aus Lehrersicht
2. 4 Unterrichtstörungen aus Schülersicht
2. 5 Verschiedene Typen von „Unterrichtsstörungen“
2. 5. 1 Unterrichtsstörungen, die aus Eigenschaften und Verhaltensweisen von Schülern resultieren
2. 5. 2 Unterrichtsstörungen, die aus Eigenschaften und Verhaltensweisen der Lehrkräfte resultieren
2. 5. 3 Unterrichtsstörungen, die durch äußere Ereignisse entstehen
2. 6 Der Einfluss der Schüler, Lehrer und der Schule als Institution im Hinblick auf die Entstehung von Unterrichtsstörungen
2. 6. 1 Die Schule als Institution
2. 6. 2 Der Einfluss der störenden Schüler
2. 6. 3 Der Einfluss des jeweiligen Lehrerverhaltens
2. 7 Folgen von Unterrichtsstörungen
2. 8 Welche Möglichkeiten haben die Lehrer den Unterrichtsstörungen entgegenzuwirken?
3 Das „Arizonaraum“ - Programm
3. 1 Der Ursprung des Programms
3. 2 Die Gründer des Programms
3. 3 Die Wahrnehmungskontrolltheorie nach William T. Powers
3. 3. 1 Warum die üblichen Theorien über das Verhalten nicht ausreichen
3. 3. 2 Die Funktion der Wahrnehmungskontrolltheorie
3. 3. 3 Die Erklärung des Streitverhaltens
3. 3. 4 Die Wahrnehmungskontrolltheorie in Verbindung mit Unterrichtsstörungen
3. 4 Die Grundzüge des „Arizonaraum“ – Programms
3. 4. 1 Allgemeine Ziele
3. 4. 2 Pädagogische Prinzipien
3. 4. 3 Konkrete Abläufe
3. 5 Realisierung in der Praxis
3. 5. 1 Die Umsetzung des Programms nach Balke
3. 5. 2 Die Umsetzung des Programms nach Bründel und Simon
3. 5. 3 Gegenüberstellung der beiden Abläufe
3. 6 Die Ausbildung des „Arizonaraum“ - Teams
3. 7 Die Ziele des Programms
3. 8 An welchen Schulen wird das Programm eingesetzt?
4 Strafe und Gerechtigkeit im Hinblick auf das „Arizonaraum“ - Programm
4. 1 Ist das Programm rechtlich zulässig?
4. 2 § 82 Hessisches Schulgesetz: Pädagogische Maßnahmen und Ordnungsmaßnahmen
4. 3 Einige Maßnahmen des „Arizonaraum“ – Programms und deren rechtliche Zuordnung
4. 4 Die Voraussetzungen für eine gerechte und sinnvolle Anwendung des Programms
4. 5 Bekannte Gründe für eine fehlerhafte Durchführung des „Arizonaraum“ – Programms nach Balz
5 Der Einsatz des „Arizonaraum“ – Programms am Beispiel der Langenbergschule in Birkenau
5. 1 Beschreibung der Schule
5. 2 Die Umsetzung des „Arizonaraum“ – Programms
5. 2. 1 Der Ablauf in der Klasse
5. 2. 2 Der Ablauf im Arizonaraum
5. 2. 3 Die Rückkehr in die Klasse
5. 2. 4 Weiterführende Maßnahmen
5. 2. 5 Die Ausbildung der „Arizonaraum“ – Betreuer
6 Eigene Schülerbefragung zum „Arizonaraum“ an der Langenbergschule
6. 1 Durchführung der eigenen Befragung
6. 2 Auswertung der Fragebögen
7 Résumée: Der „Arizonaraum“ in der Schule – Disziplinaranstalt oder selbstreflexiver Ruheraum?
7. 1 Gegenüberstellung der Theorie und der Ergebnisse des Fragebogens
7. 2 Fazit
7. 3 Ausblick
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht das „Arizonaraum“-Programm als pädagogische Antwort auf Unterrichtsstörungen, analysiert dessen theoretische Fundierung in der Wahrnehmungskontrolltheorie nach William T. Powers und evaluiert kritisch die praktische Umsetzung sowie rechtliche Zulässigkeit im schulischen Alltag am Beispiel der Langenbergschule in Birkenau.
3. 3. 4 Die Wahrnehmungskontrolltheorie in Verbindung mit Unterrichtsstörungen
Wir stellen uns nun die folgende Situation in der Klasse vor: Die Lehrerin möchte unterrichten und ein Schüler schwätzt ständig mit seinem Nachbarn. Eigentlich möchte die Lehrerin wahrnehmen, dass sich die Schüler an die vereinbarten Klassenregeln halten (Wert des Referenzsignals für die kontrollierte Variable „Ordnung in der Klasse“). Das Schwätzen des Schülers passt nicht zum Unterricht (Wert des Wahrnehmungssignals der kontrollierten Variable). Nun passiert es, dass die Lehrerin sich beim Unterrichten gestört fühlt (Wert des Fehlersignals oder das Ergebnis des Vergleichs zwischen Wahrnehmungs- und Referenzsignals). Die Lehrerin macht sich nun auch Gedanken um die Klasse, denn sie möchte nicht, dass diese in ihrem Lernprozess unterbrochen wird (Werte von Referenzsignalen verbunden mit der kontrollierten Variable). Um dies zu verhindern, ermahnt die Lehrerin den Schüler (Handlung). Der Schüler reagiert für einen kurzen Moment, beginnt dann aber erneut sich mit dem Nachbarn zu unterhalten (neuer Wert des Wahrnehmungssignals der kontrollierten Variable). Der Kreislauf fängt nun wieder von vorne an. Allerdings ist es möglich, dass trotz der Wiederholung des Kreislaufs, die jeweiligen Werte unterschiedlich sind.
Die Lehrerin kann in dieser Situation nicht wissen, wie der Schüler die Ermahnung bewertet und welche Gedanken, Ziele, Erwartungen, Entscheidungen und Bewertungen er hat. Dies ist der wesentliche Punkt zur Klärung von Unterrichtsstörungen. Da wir alle unsere eigenen Ziele und Vorstellungen verfolgen, müssen wir damit rechnen, dass diese einen anderen eventuell stören. Um dies zu verdeutlichen, werde ich nun die gleiche Situation aus Sicht des Schülers darstellen:
Der Schüler beginnt sich zu langweilen, weil er dem Unterricht nicht folgen kann (Wert des Wahrnehmungssignals der kontrollierten Variable „Ich will Spaß“). Seine schlechte Stimmung, möchte er aufheitern, indem er seinem Nachbarn einen Witz erzählt. Außerdem möchte er somit die Aufmerksamkeit seiner Klassenkameraden gewinnen, da er nicht mit guten Noten punkten kann (Wert des Referenzsignals für die kontrollierte Variable „Status bei den Klassenkameraden“). Es folgt, dass sich der Schüler zu seinem Nachbarn beugt und zu reden beginnt (Handlung). Im gleichen Moment nimmt er die Ermahnung der Lehrerin wahr. Diese fordert von ihm, ruhig zu sein (Fehlersignal der kontrollierten Variable als Ergebnis des Vergleichs von Wahrnehmungs- und Referenzsignals der beiden Variablen „Ich will Spaß“ und „Status bei den Klassenkameraden“). Der Schüler sieht die Ermahnung der Lehrerin als eine Störung an, da er weiter erzählen möchte.
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Alltäglichkeit von Unterrichtsstörungen sowie deren Belastung für Lehrkräfte und Schüler dar und führt das „Arizonaraum“-Programm als Lösungsansatz ein.
2 Unterrichtsstörungen: Dieses Kapitel definiert den Begriff Unterrichtsstörung aus verschiedenen Perspektiven und analysiert deren Ursachen, Folgen und die häufigsten (oft ineffektiven) Interventionsmöglichkeiten.
3 Das „Arizonaraum“ - Programm: Hier werden der theoretische Hintergrund der Wahrnehmungskontrolltheorie, die pädagogischen Prinzipien sowie die praktischen Abläufe des Programms nach verschiedenen Modellen detailliert erörtert.
4 Strafe und Gerechtigkeit im Hinblick auf das „Arizonaraum“ - Programm: In diesem Kapitel wird die rechtliche Zulässigkeit der Maßnahmen des Programms kritisch unter Berücksichtigung des Hessischen Schulgesetzes geprüft.
5 Der Einsatz des „Arizonaraum“ – Programms am Beispiel der Langenbergschule in Birkenau: Dieser Abschnitt beschreibt die konkrete Implementierung des Programms an einer spezifischen Schule, inklusive der Abläufe und weiterführender Maßnahmen.
6 Eigene Schülerbefragung zum „Arizonaraum“ an der Langenbergschule: Hier wird die Methodik und Auswertung einer eigenen Befragung der Schülerschaft zur Wahrnehmung und Wirksamkeit des „Arizonaraums“ präsentiert.
7 Résumée: Der „Arizonaraum“ in der Schule – Disziplinaranstalt oder selbstreflexiver Ruheraum?: Das abschließende Résumée reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und hinterfragt kritisch die Diskrepanz zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung des Programms.
Unterrichtsstörung, Arizonaraum, Trainingsraum, Wahrnehmungskontrolltheorie, Pädagogik, Schülerbefragung, Schulentwicklung, Disziplin, soziale Kompetenz, Lehrerverhalten, Rückkehrplan, Lernatmosphäre, Erziehung, Schulgesetz, Evaluation.
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit und der praktischen Anwendung des "Arizonaraum"-Programms, das entwickelt wurde, um Unterrichtsstörungen zu reduzieren und Schülern ein selbstverantwortliches Lernverhalten zu ermöglichen.
Die Arbeit deckt die theoretischen Grundlagen von Unterrichtsstörungen, die psychologische Fundierung durch die Wahrnehmungskontrolltheorie, rechtliche Rahmenbedingungen im Schulgesetz sowie die praktische Evaluation an einer Haupt- und Realschule ab.
Das primäre Ziel ist es zu prüfen, ob der "Arizonaraum" sein Versprechen einlösen kann, Störungen zu reduzieren, oder ob er in der Praxis oft nur als einfaches "Rausschick-Programm" ohne tiefergehende Reflexion fungiert.
Neben einer ausführlichen Literaturanalyse zur Theorie des Programms nutzt die Autorin eine quantitative Schülerbefragung (N=108), um die Wahrnehmung des Programms durch die Hauptschüler zu evaluieren.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung von Störungen und dem Programm-Konzept, eine juristische Prüfung der Maßnahmen am hessischen Schulgesetz sowie eine Fallstudie an der Langenbergschule in Birkenau.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Arizonaraum“, „Unterrichtsstörungen“, „Wahrnehmungskontrolltheorie“, „selbstverantwortliches Denken“ und „schulische Erziehungsmaßnahmen“ charakterisiert.
Balke setzt stärker auf ausdrückliche Ermahnungen und klare Sanktionsschritte, während Bründel und Simon die „Trainingsraum-Methode“ stärker über einen dialogorientierten Frageprozess definieren, um den Schüler direkt in die Verantwortung zu nehmen.
Sie liefert das psychologische Fundament und besagt, dass Verhalten nicht auf äußere Reize reagiert, sondern das Ergebnis von Impulsen zur Erreichung innerer Ziele ist – das Programm zielt darauf ab, Schüler über ihre eigenen Ziele und deren störende Wirkung zu reflektieren.
Die Autorin stellt eine Diskrepanz fest: Theoretisch ist das Programm schlüssig, in der Praxis wird es jedoch oft nur als Strafe wahrgenommen, da notwendige Reflexionsgespräche zwischen Lehrern und Schülern über den Rückkehrplan häufig vernachlässigt werden.
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