Examensarbeit, 2008
72 Seiten, Note: 3,0
1 Theoretischer Bezugsrahmen
1.1 Was ist Populismus? Versuch einer Begriffsbestimmung
1.2 Demokratie und Populismus im Spannungsverhältnis
1.3 Populistische Herausforderungen in Europa
2 Populismus in den Niederlanden
2.1 Politische Geschichte und gesellschaftliche Rahmenbedingungen in den Niederlanden
2.2 Gründung und Aufstieg der Liste Pim Fortuyn
2.3 Konsequenzen der Ära Fortuyn nach seinem Tod
3 Populismus in Deutschland – Hamburg
3.1 Politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen in Hamburg
3.2 Gründung und Aufstieg der Schill-Partei in Hamburg
3.3 Das Scheitern der Schill-Partei
4 Vergleich populistischer Parteien in Deutschland und den Niederlanden
5 Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit untersucht den Aufstieg und Fall populistischer Bewegungen und Parteien am Beispiel der Schill-Partei in Deutschland (Hamburg) sowie der Liste Pim Fortuyn in den Niederlanden. Ziel ist es, die strukturellen Ähnlichkeiten und Unterschiede im Entstehen sowie Scheitern dieser politischen Akteure im Kontext ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu analysieren und deren Auswirkungen auf das politische System zu beleuchten.
Die Organisation populistischer Bewegungen
Die Organisation von populistischen Bewegungen unterscheidet sich von der der großen Parteien. Neue populistische Parteien sind gekennzeichnet durch ihre zentralen Strukturen und die Vormachtstellung von Schlüsselfiguren (vgl. Taggart 2003). Eine populistische Bewegung ist abhängig von ihrem außergewöhnlichen, individuellen Führer, der in der Lage ist, das einfache Volk anzuführen (vgl. ibid. 2000: 1). Der Wahlkampf ist für den Populisten die Zeit der Gefühlspolitik, in der eher aus Stimmung als aus Stimmen Kapital geschlagen wird (vgl. Lepenies 2003: 2). Ihr Führer passt sich wie ein Chamäleon augenblicklich seiner Umwelt an und füllt die existierende Lücke zwischen dem Volk und den Mächtigen. Torcuato di Tella (1965) stellt fest, dass „populism is when elites with middleclass background (not from the traditional oligarchy) attempt to mobilise people from the underclass”. Daher tendieren Populisten dazu, Zusammenhänge zu vereinfachen und Einzelfälle zu generalisieren und verwenden eine direkte Sprache; sie bieten eingängige politische Lösungen für die Probleme der einfachen Leute (vgl. Canovan 1999: 3ff.). Populisten gehen eine besondere Beziehung mit den Massenmedien ein: die Medien reduzieren die Unübersichtlichkeit politischer Vorgänge und der Populist bietet medienwirksam vermeintlich einfache Lösungen für komplexe Probleme (vgl. Hartleb 2004: 316). Populisten sind Herausforderer, die gegen die Spielregeln des eingeübten Politikbetriebs bewusst verstoßen, um eine größtmögliche Aufmerksamkeit zu erringen. Um ihr Ziel zu erreichen, setzen sie auf Protest, Polarisierung und Provokation (vgl. Holtmann, Krappidel & Rehse 2006: 16f.). Populismus ist kostspielig, da er Erwartungen weckt, die nicht erfüllt werden können. Sobald Populisten regieren, stehen sie jedoch ratlos vor der Komplexität (vgl. Dahrendorf 2003: 159f.).
1 Theoretischer Bezugsrahmen: Dieses Kapitel definiert Populismus wissenschaftlich und untersucht das Spannungsverhältnis zur Demokratie sowie die Rolle von Modernisierungsprozessen als Begünstigungsfaktoren.
2 Populismus in den Niederlanden: Hier wird der historische Kontext der niederländischen Politik analysiert, gefolgt von einer detaillierten Fallstudie zur Liste Pim Fortuyn, ihrem Aufstieg und der Entwicklung nach dem Tod des Parteigründers.
3 Populismus in Deutschland – Hamburg: Dieses Kapitel betrachtet die politischen Rahmenbedingungen Hamburgs und analysiert Gründung, Erfolg sowie das Scheitern der Schill-Partei als rechtspopulistisches Phänomen.
4 Vergleich populistischer Parteien in Deutschland und den Niederlanden: Dieser Abschnitt führt die Ergebnisse zusammen und stellt Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Strategie und dem medialen Auftreten von Schill und Fortuyn gegenüber.
5 Schlussbemerkung: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse reflektiert und die Frage beantwortet, ob populistische Bewegungen als Warnsignale oder als Korrektive für moderne Demokratien dienen können.
Populismus, Schill-Partei, Liste Pim Fortuyn, Hamburg, Niederlande, Rechtspopulismus, Parteiensystem, Medienphänomen, Politische Führung, Innere Sicherheit, Integration, Demokratie, Protestpartei, Modernisierung, Politische Partizipation.
Die Arbeit analysiert die Entstehung, den Erfolg und den Zerfall populistischer Parteien in zwei spezifischen europäischen Kontexten: der Schill-Partei in Hamburg und der Liste Pim Fortuyn in den Niederlanden.
Zentrale Felder sind die Rolle von charismatischen Anführern, die Bedeutung der Medienpräsenz in modernen Wahlkämpfen und die Auswirkungen von Populismus auf die etablierten Parteiensysteme.
Die Arbeit untersucht, welche Faktoren zum plötzlichen Aufstieg dieser populistischen Parteien führten und warum sie nach dem Eintritt in die Regierungsverantwortung oder nach dem Verlust ihrer Führungsperson scheiterten.
Es wird eine vergleichende Fallstudienanalyse vorgenommen, die auf politikwissenschaftlicher Fachliteratur basiert und die historischen sowie gesellschaftlichen Rahmenbedingungen beider Fälle gegenüberstellt.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine detaillierte Analyse der niederländischen Entwicklung um Pim Fortuyn, eine Untersuchung der Schill-Partei in Hamburg und einen abschließenden direkten Vergleich beider Akteure.
Populismus, Schill-Partei, Liste Pim Fortuyn, Politische Kommunikation, Parteienforschung und Demokratiegefährdung sind wesentliche Schlagworte der Untersuchung.
Die Arbeit verdeutlicht, dass beide Parteien extrem von der Strahlkraft und den individuellen Inszenierungen von Ronald Schill und Pim Fortuyn abhingen, weshalb das Fehlen oder der politische Absturz dieser Personen direkt zum Zerfall der Organisationen führte.
Die Medien fungierten als Resonanzboden für die populistische Rhetorik; Schill und Fortuyn nutzten gezielt Fernsehdebatten und eine direkte Sprache, um sich von den "etablierten" Politikern abzugrenzen und massenwirksam Aufmerksamkeit zu erzeugen.
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