Magisterarbeit, 2016
98 Seiten, Note: 1,0
1. Praepicturafatio: Bevor das Wort das Bild aussprach
2. Landschaft: Hintergründe der Ekphrasis-Tradition in der spanischen Postmoderne
3. Figur: Offene Fragen um das Bild La Derelitta
4. Figur in einer Landschaft: »La Derelitta« von Núñez
a. Warum »La Derelitta«? Ein programmatisches Sonett
b. Kompensierung und Interpretation
i. Aníbal Núñez’ Übersetzungstheorie im Dienste der Ekphrasis
ii. Rhythmus versus Reim
iii. Enjambements für „schnurgrade Leintücher“
iv. Visualisierung durch Phonetik. Die Autorschaft liegt im phonematischen Duktus
v. Beabsichtigte Ambivalenzen. Opera aperta als implizierter Zwang
vi. Die Beschreibungsstruktur als Analogon: ut pictura poesis
vii. Imperative Beschreibung auf syntaktischer, morphologischer und phonetischer Ebene. Die unabdingbare Eskalation der Verneinung
viii. Berechtigung der Kolloquialismen: „engastar lo desgastado“
ix. Perfektion des Schmerzes. Erhabenheit in der nihilistischen Sackgasse
c. Übertragbare Codes? Übersetzung der Übersetzung eines Bildes
i. Anmerkungen zur deutschen Übersetzung von Aníbal Núñez’ »La Derelitta«
5. Postpicturafatio: Nachdem das Wort das Bild aussprach
Die Arbeit untersucht die Bildgedichte des spanischen Dichters Aníbal Núñez aus einer interdisziplinären, kunstwissenschaftlichen und phänomenologischen Perspektive. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, wie Núñez’ ekphrastische Techniken literarisch zu verstehen sind und wie seine Gedichte als offene Kunstwerke die Beziehung zwischen Sprache und Malerei in der Postmoderne dezentrieren.
4. Figur in einer Landschaft: »La Derelitta« von Núñez
Zu dem Zeitpunkt der Verfassung von Figura en un paisaje (ca. 1974) wurde La Derelitta noch mit einem gewissen Vorbehalt Botticelli zugeschrieben. Giorgio Vasari sprach nicht einmal in den Vite von Boticelli und Lippi über dieses Bild. Die Rezeptionsgeschichte dieses Gemäldes hatte für zahlreiche Interpretationsversuche und umstrittene Zuschreibungen gesorgt. Das Objekt und die Thematik blieben also über Jahrhunderte hinweg offen. Aníbal Núñez wählte La Derelitta wahrscheinlich aus, weil die Laune seiner Rezeptionsgeschichte aus diesem Bild ein offenes Kunstwerk gemacht hatte, ein Bild, das außerdem keine Vorgeschichte in der ekphrastischen Tradition hatte. Angesichts Aníbal Núñez’ Vorliebe für den Begriff einer Kultur, die sich in ihrem eigenen Ausdruck überlagert und sogar auflöst, verwundert diese Wahl nicht. Aber warum hat dieses Gedicht eine so wichtige Funktion in der gesamten Gedichtsammlung?
Man findet andere Gedichte, die sich auf das Phänomen der Irreduzibilität von Sinn-Sprache, Realität-Sinn und Geschichte-Sprache beziehen, am Anfang wie am Ende anderer Gedichtsammlungen wie Alzado de la ruina (dt. Aus der Ruine erhoben, geschrieben zwischen 1974 und 1986), Casa sin terminar (dt. Unvollendetes Haus, geschrieben 1974) oder Definición de savia (dt. Pflanzenblutdefinition, geschrieben 1974), aber nur ein einziges Bildgedicht in deutlich programmatischer Funktion: »La Derelitta«. Die programmatischen Gedichte des Aníbal Núñez definieren immer den status quo des Dichters, entwerfen eine rätselhafte Richtlinie, liefern eine Art Schlüssel für die Sinnprozesse der Lektüre. Ein Bildgedicht ist per Definition einem externen Kunstwerk inhaltlich wie ästhetisch verpflichtet. Aus diesem Grund ist die Erweiterung seiner Bedeutungsprozesse um eine übergeordnete programmatische Funktion umso hochwertiger.
1. Praepicturafatio: Bevor das Wort das Bild aussprach: Dieses einleitende Kapitel skizziert die Problematik der ekphrastischen Beschreibung eines offenen, verschlossenen Kunstwerkes und führt in die methodische Herangehensweise ein.
2. Landschaft: Hintergründe der Ekphrasis-Tradition in der spanischen Postmoderne: Hier wird der historische und theoretische Kontext der Ekphrasis dargelegt, von den rhetorischen Grundlagen bis hin zur modernen, dezentrierten Autorschaft in der spanischen Lyrik.
3. Figur: Offene Fragen um das Bild La Derelitta: Dieses Kapitel widmet sich der Rezeptionsgeschichte des Gemäldes und analysiert Aníbal Núñez’ spezifische Art der Aneignung und Aktualisierung klassischer Vorlagen.
4. Figur in einer Landschaft: »La Derelitta« von Núñez: Das Hauptkapitel, in dem das Sonett detailliert analysiert wird. Es behandelt die programmatische Natur des Textes, die rhythmische und phonetische Gestaltung sowie die philosophische Einbettung in einen ästhetisierenden Nihilismus.
5. Postpicturafatio: Nachdem das Wort das Bild aussprach: Das abschließende Kapitel reflektiert die Erkenntnisse der Arbeit und ordnet Núñez’ Werk als Meilenstein der postmodernen Lyrik ein, der den Mythos durch die Unmöglichkeit seiner Existenz bestätigt.
Aníbal Núñez, Ekphrasis, La Derelitta, Bildgedicht, Postmoderne, Lyrik, Phonetik, Intertextualität, Nihilismus, Sinnprozesse, Semanalyse, ut pictura poesis, Bildbeschreibung, Übersetzungstheorie, Sprachästhetik.
Die Arbeit analysiert das lyrische Werk des spanischen Dichters Aníbal Núñez, insbesondere sein Bildsonett „La Derelitta“, und untersucht die Strategien der Ekphrasis (der literarischen Beschreibung von Kunst) in einem postmodernen Kontext.
Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis zwischen Sprache und Malerei, die Problematik der künstlerischen Repräsentation, die Rolle der Phonetik in der Lyrik sowie die philosophische Einordnung in den Nihilismus.
Ziel ist es, das „lyrische Design“ von Aníbal Núñez zu entschlüsseln und aufzuzeigen, wie seine Bildgedichte über die bloße Beschreibung hinausgehen, um metapoetische Lektüren und komplexe Sinnprozesse zu erzeugen.
Der Autor verwendet eine interdisziplinäre, semiotisch-linguistische Hermeneutik. Dabei werden unter anderem Konzepte aus dem Poststrukturalismus, der Übersetzungstheorie und der Phonostilistik angewandt.
Der Hauptteil analysiert das Sonett „La Derelitta“ in Bezug auf seine metrischen und rhythmischen Strukturen, die bewusste Verwendung von Enjambements, die Phonetik sowie die intertextuellen Bezüge zur Rezeptionsgeschichte des zugehörigen Gemäldes.
Wichtige Begriffe sind Ekphrasis, Postmoderne, Bildgedicht, Semanalyse, Intertextualität und das Spannungsfeld zwischen der Unmöglichkeit der Repräsentation und dem ästhetischen Willen zur Gestaltung.
Das Gemälde dient als programmatischer Ausgangspunkt der Gedichtsammlung „Figura en un paisaje“. Die Studie zeigt, wie Núñez durch die Beschreibung dieses offenen Kunstwerks seine eigene, dezentrierte Autorschaft definiert.
Der Autor argumentiert, dass Núñez’ Einsatz von Phonemen, Alliterationen und Lautverteilungen nicht zufällig ist, sondern als rhetorisches Mittel dient, um die „Tragödie des Schmerzes“ im Gedicht materiell erfahrbar zu machen.
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