Bachelorarbeit, 2008
65 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
2. Entstehung des Symbolischen Interaktionismus
2.1 Wegbereiter des interpretativen Paradigmas
2.1.1 Chicago School of Sociology
2.1.2 Pragmatismus: Philosophie der Nützlichkeit
2.1.3 Behaviorismus: Verhalten sind Reizreaktionen
2.1.4 Kritik am Behaviorismus
2.1.5 Impulse für Handlungsprozesse
2.2 W. I. Thomas: Die Definition der Situation
2.3 G. H. Mead: Symbole als Handlungsgrundlagen
2.3.1 Interaktion als Handlungsvoraussetzung
2.3.2 Vom Zeichen zum Symbol
2.3.3 Bewusstsein entsteht durch Kommunikation
2.3.4 Sozialisation mittels Rollenübernahme
2.4 H. Blumer: Das Grundkonzept des Symbolischen Interaktionismus
2.5 E. Goffman: Interakion in sozialen Beziehungen
2.5.1 Perspektivenverschiebung und der Rollenbegriff
2.5.2 Das Modell des dramaturgischen Handelns
3. Machtprozesse der Handlungsebene
3.1 Der Machtbegriff bei M. Weber
3.2 Machtausprägungen in sozialen Beziehungen
3.3 Herrschaft als Form „legitimierter Macht“
3.4 Der Machtbegriff bei H. Popitz
3.5 Funktionen von Macht
4. Der Schiedsrichter im Mannschaftssport
4.1 Die Aufgaben eines Schiedsrichters
4.2 Orientierung in konstruierter Realität
4.3 Regeln für kontrollierten Handlungsablauf
4.4 Die Rolle des Schiedsrichters
4.5 Der Schiedsrichter als vermittelnder Dritter
4.6 Machtmittel des Unparteiischen
5. Die Machtkonstruktion eines Schiedsrichters erklärt anhand des Symbolischen Interaktionismus
5.1 Sport als Handlungssystem
5.2 Kontrolle mittels konventionalisierter Zeichen
5.3 Symbole als Instrumente der Macht
5.4 Der Schiedsrichter als Machtinhaber
6. Schlussbetrachtung
7. Anhang
Diese Arbeit untersucht die Machtkonstruktion eines Schiedsrichters im professionellen Basketballsport. Ziel ist es, mittels der Theorie des Symbolischen Interaktionismus aufzuzeigen, wie ein Schiedsrichter durch regelbasierte Symbole das Spielgeschehen strukturiert, kontrolliert und als Machtinhaber innerhalb dieses sozialen Handlungssystems fungiert.
2.2 W. I. Thomas: Die Definition der Situation
Im vorangegangenen Kapitel wurde herausgearbeitet, dass zwischen dem Auslösen und dem Umsetzen von Handlungen Prozesse des Bewusstseins stehen. Sinneswahrnehmungen, Denkleistungen und damit verbundene Interpretationsschemata helfen, die Situation des Individuums abzuwägen und zwischen verschiedenen Möglichkeiten die geeignete für das subjektiv als erfolgreich geltende Handeln auszuwählen. Es sind somit nicht Reflexe oder Instinkte des Menschen, anhand deren Verhalten und Handeln erklärt werden kann, sondern internalisierte Deutungsmuster, die situationsbedingt beständig neu definiert werden [vgl. Brock et al., 2008, S.40ff.]
Diese Erkenntnis geht auf den amerikanischen Soziologen William Isaac Thomas (1863-1947) sowie den polnischen Philosophen Florian Znaniecki (1882-1958) zurück, die gemeinsam in einer qualitativen Studie über polnische Bauern forschten. Dabei orientierten sie sich an den Arbeiten Georg Simmels (1858-1918) und Charles Horton Cooleys (1854-1929), die jeweils das gegenseitige Wirken von Gesellschaft und Individuum in den Mittelpunkt ihrer Forschung stellten [vgl. Helle, 2001, S.59ff.].
Thomas und Znaniecki differenzierten diesbezüglich zwischen einer subjektiven und einer objektiven Komponente. Dem Individuum, das als Subjekt seine Umwelt über persönliche Eindrücke wahrnimmt, wird ein subjektiver Faktor zugeschrieben, der als ‚attitude‘ (Einstellung, Haltung) bezeichnet wird, während die Gesellschaft mit einer objektiven Variable, ‚value‘ (Wert) genannt, versehen wird [vgl. ebd.]. Durch das Zusammenwirken beider Größen entsteht das Konzept der „Definition der Situation“, bei welchem Thomas davon ausgeht, „dass Menschen immer in ‚Situationen‘ handeln und dass dieses Handeln ganz im Sinne des Pragmatismus als eine situationsbezogene ‚Problemlösung‘ verstanden werden kann“ [vgl. Brock et al., 2008, S.36ff.].
1. Einleitung: Hinführung zur Thematik der Machtkonstruktion auf mikrosoziologischer Ebene im Sport unter Einbeziehung des Symbolischen Interaktionismus.
2. Entstehung des Symbolischen Interaktionismus: Darstellung der theoretischen Wurzeln im Pragmatismus und Behaviorismus sowie der Konzepte von Thomas, Mead, Blumer und Goffman.
3. Machtprozesse der Handlungsebene: Erläuterung soziologischer Machttheorien nach Max Weber und Heinrich Popitz im Kontext sozialer Beziehungen.
4. Der Schiedsrichter im Mannschaftssport: Analyse der Rolle des Schiedsrichters als neutrale Instanz und Träger normativer Kontrolle im sportiven Regelwerk.
5. Die Machtkonstruktion eines Schiedsrichters erklärt anhand des Symbolischen Interaktionismus: Anwendung der erarbeiteten Theorien auf das Fallbeispiel Basketball zur Erklärung der Machtausübung durch Symbole.
6. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse und kritische Reflexion der Machtposition des Schiedsrichters sowie der Relevanz moderner Hilfsmittel.
7. Anhang: Visuelle Dokumentation der vom Schiedsrichter verwendeten Handzeichen im Basketball.
Symbolischer Interaktionismus, Machtkonstruktion, Schiedsrichter, Basketball, Interaktionsordnung, Soziale Rolle, Situationsdefinition, Max Weber, Heinrich Popitz, Erving Goffman, George Herbert Mead, Handlungsrahmen, Signifikante Symbole, Sportsoziologie
Die Arbeit analysiert, wie ein Schiedsrichter im Basketball seine Machtposition innerhalb eines sozialen Handlungssystems konstruiert und ausübt.
Die Schwerpunkte liegen auf dem Symbolischen Interaktionismus, Machttheorien der Soziologie sowie der Rolle des Schiedsrichters im organisierten Sport.
Es soll untersucht werden, ob und wie ein Schiedsrichter im Basketball über Macht verfügt, wie diese konstruiert wird und inwiefern seine Handlungen dem Spiel Struktur verleihen.
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die soziologische Konzepte (v.a. des Symbolischen Interaktionismus) als Interpretationsrahmen auf das Praxisbeispiel Sport anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Interaktionismus, Machttheorien), die Rolle des Schiedsrichters und die konkrete Anwendung dieser Modelle auf das Basketball-Regelwerk und die Handzeichen des Unparteiischen.
Wichtige Begriffe sind Machtkonstruktion, Interaktionsordnung, Situationsdefinition, Symbolischer Interaktionismus und Soziale Rolle.
Es besagt, dass Situationen, die als real definiert werden, reale Konsequenzen haben; der Schiedsrichter setzt durch seine Definition (z.B. Foul-Pfiff) den Rahmen für die Handlungen aller Spieler.
Handzeichen sind im Basketball signifikante Symbole. Durch die ausschließliche Nutzung dieser Symbole zur Kommunikation von Entscheidungen durch den Schiedsrichter wird dessen Kontrollfunktion und damit seine Machtstellung institutionalisiert.
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